Im zweiten Slalom der Herren am traditionsreichen Hang in Kitzbühel (AUT) spielte sich eine der spannendsten Entscheidungen im alpinen Weltcup seit langem ab. In einer hochklassigen Veranstaltung setzte sich schließlich erneut Youngster Jens Byggmark aus Schweden durch, der Mario Matt (AUT) und Manfred Mölgg um drei beziehungsweise fünf Hundertstel bezwang. Felix Neureuther belegte Platz fünf und war damit bester Deutscher.

Weltspitze eng beieinander
Bereits Durchgang eins bot den rund 20.000 Fans in Kitzbühel die Gewissheit, dass auch ein weiterer Slalom in Kitzbühel zum Highlight werden kann. Nach und nach fuhren sich die Spitzenfahrer auf schwerem Parcours an die Spitze, oft nur durch wenige Hundertstel getrennt. Nachdem Giorgio Rocca als Erster ausfiel, reiben sich die Slalom-Asse jeweils zu neuen Höchstleistungen an. Und die Ergebnisse konnten durchaus überraschen.

Mölgg düpiert Konkurrenz in Durchgang eins
Nachdem Mario Matt aus der ersten Startgruppe die stärkste Vorstellung zeigte, hatte wohl niemand gedacht, dass ihn noch zwei Andere unterbieten würden. Zunächst zeigte Manfred Pranger wieder einmal seine Klasse und schob sich zwischenzeitlich vor die Landsleute Matt und Schönfelder zur ÖSV Dreifachführung, die von den Fans frenetisch bejubelt wurde. Doch dann kam auch noch Manfred Mölgg und verbesserte seinerseits die Bestmarke um weiter 26 Hundertstel. Nach dem ersten Lauf lagen die besten 15 Fahrer noch innerhalb einer guten Sekunde - und hatten somit noch alle Chancen auf einen Sieg.

Selektiver Zielhang
Das Finale sollte es dann in sich haben. Nur knapp mehr als zwei Sekunden brachte der 30. Marc Gini an Rückstand mit - und fuhr als Erster die Laufbestzeit. Damit ging es für ihn 20 Plätze nach vorne. Auch Ted Ligety kam früh und verbesserte sich dank der zweitbesten Fahrt von der 27. auf die siebte Position. Diese Sprünge waren dank der geringen Abstände keine Seltenheit - und die Piste hatte einiges an Schwierigkeiten parat. Der eisiger werdende Start am Ganslern wurde mit längerer Laufzeit für einige ein Problem. Schlüsselstelle war aber eine Welle im Zielhang, der für viele auch den Ausfall bedeutete - von Bode Miller und Andre Myhrer bis zu Rainer Schönfelder.

Neureuther glänzt - Vogl fädelt ein
Als 15. des ersten Durchgangs war Felix Neureuther keine Nervosität anzumerken. Sicher stand er auf den Skiern und war vor allem im Steilen enorm stark. Nur einen Fehler hatte er im flacheren Mittelstück, dennoch übernahm er die zwischenzeitliche Führung und ballte im Zielraum die Faust. Es war die viertbeste Laufzeit - und für Neureuther bedeutete das einen Sprung von Platz 15 auf fünf und damit ein weiteres Erfolgserlebnis kurz vor der WM in Are. Nach ihm ging Alois Vogl auf den Kurs, doch er kam nicht richtig in seinen Rhythmus und fädelte schließlich ein. Dennoch bestätigte er mit seiner Zeit zuvor den dritten Platz vom Vortag. Der dritte DSV-Starter, Dominik Stehle, war im ersten Durchgang ausgeschieden.


Byggmark lässt es krachen
Nachdem mit Benjamin Raich und Markus Larsson die ersten Verfolger von Jens Byggmark im Slalom-Weltcup Neureuther nicht hatten bezwingen können, wurde es noch spannender. Marc Berthod zeigte einmal mehr ein risikoreiches und mutiges Rennen und holte sich die Bestzeit - wenn auch nur ganz knapp. Dann kam die Fahrt von Jens Byggmark. Der junge Schwede hatte im oberen Abschnitt einige klare Fehler, jedoch konnte er diese vor allem durch seine artistische Körperhaltung kompensieren und legte im unteren Abschnitt eine sensationelle Fahrt vor. Das reichte für die Bestzeit - und viele mochten ahnen, dass es auch für den zweiten Sieg in Folge reichen würde. Allerdings war die Entscheidung eine Frage von Hundertsteln.

Matt und Mölgg scheitern knapp - Pranger verkrampft
Die Fans am Hang versuchten, ihre Stars Mario Matt und Manfred Pranger zum Sieg zu schreien - doch Matt verpasste die Bestzeit um eine Winzigkeit und Pranger fuhr nicht locker und fiel weit zurück. Als dann auch Manfred Mölgg seine Führung um nur fünf Hundertstel verspielte und damit sogar nur Dritter wurde, kannte der Jubel im Lager der Schweden keine Grenzen. Mit dem Doppelerfolg hat sich Byggmark als feste Größe im Weltcup etabliert und die Führung im Slalom-Weltcup ausgebaut. Rund 80 Zähler liegt er nun vor den Verfolgern Raich und Matt. Im Gesamtweltcup änderte sich nicht viel: Aksel-Lund Svindal konnte seinen Vorsprung leicht ausbauen und liegt weiter vor Didier Cuche und Bode Miller. Benjamin Raich hat hier auf Position vier den Anschluss finden können. Das nächste Rennen der Herren ist wieder ein Slalom. In Schladming (AUT) findet am 30. Januar der Nachtslalom statt.