Was nützt das schönste Rennen, wenn es keine Zwischenzeiten und am Ende keine Ergebnislisten gibt - nun, nichts! Stimmung, Spannung, Sieg und Niederlage hängen ab von der Zeitnahme, die die Leistungen der Athleten in einen Bezug zueinander bringt. Viel Verantwortung liegt also auf den Schultern derjenigen, die für die Zeitnahme verantwortlich zeichnen.

Wir sprachen mit Hermann Stanger - dem 'Herrn' der Zeitnahme von Kitzbühel:

Frage: Wie kommt man dazu, dass man für das wichtigste Rennen im alpinen Skizirkus in der Verantwortung für die Zeitnahme steht?
Hermann Stanger: Das ist ein langer Weg und eine Mischung aus Neigung, beruflicher Orientierung und organisatorischer Notwendigkeit. Ich bin im 30. Jahr an der Organisation der Kitzbühelrennen beteiligt. Da wächst auch die Verantwortung. Angefangen hat alles als Starter im Starthaus - jetzt organisieren wir hier die Zeitnahme und die Datalieferungen für Fernsehen und Internet.

Frage: Wie muss sich der Laie den Aufwand vorstellen?
Hermann Stanger: Heute ist die zentrale Steuerungsstelle der Computer. Wir befüllen von dort aus die Zeitnahmetafeln im Zielraum, am Start und versorgen mit der zweiten Komponente, der Data, die Fernsehstationen mit Zwischenzeiten und Geschwindigkeitsmessungen, Startlisten etc. Ein aufwendiger Datentransfer, den wir zusammen mit unserem neuen Partner Precision Timing auf höchstem Niveau handhaben ...

Frage: .. und den man mit wie vielen Leuten betreibt?
Herman Stanger: Wir haben mittlerweile insgesamt 20 Personen, die mit der Abwicklung der Zeitnahme und der Data betraut sind. Alleine Ted Savage, der Chef von Precision Timing, ist mit vier seiner Jungs aus Kanada hier. Sie haben die Software, die man für ein solch komplexes Aufgabenfeld braucht und die Erfahrung. Ted hat schon in Salt Lake City bei den Olympischen Spielen 2002 die Zeitnahme organisiert. Zusammen mit unserem Know How haben wir meiner Ansicht nach die perfekte Mannschaft beisammen.

Frage: Gab es in der Vergangenheit schon einmal das außergewöhnliche der gleichen Siegerzeit für zwei Fahrer?
Hermann Stanger: Die gleiche Siegerzeit hat es ja schon öfter im Ski-Weltcup gegeben. Das ist auch eine reine Definition der Wettkampfregeln, nämlich wie genau man messen will. Grundsätzlich könnten wir technisch immer ermitteln, wer der Sieger ist. Aber zum Selbstschutz messen wir nicht genauer, als es das Reglement vorschreibt. Wir könnten es jederzeit aus den Zeitmessmaschinen herausholen. Ich will das aber gar nicht wissen, denn ab einem gewissen Punkt kann man die Leistung zweier Athleten auch getrost gleichsetzen.


Frage: Was passiert, wenn die Zeitnahme in Kitzbühel einmal ausfallen sollte?
Hermann Stanger: Wenn System A tatsächlich einmal streiken sollte, dann greift sofort und voll automatisch System B. Sollte auch dies nicht funktionieren - was schon außergewöhnlich wäre - dann haben wir als drittes Backup-System eine Zielkamera zur Verfügung. Aber zusätzlich gibt es dann auch noch eine Handzeitnahme als viertes und finales Backup-System. Bei aller Technik, die uns heute zur Verfügung steht, haben wir den Menschen dennoch als letzte Instanz in das Sicherungssystem eingebaut. Ich glaube, dass es so auch noch in ferner Zukunft bleiben wird.

Frage: Bei allem Vertrauen in das vierfache Backup-System - ist man dennoch angespannt?
Hermann Stanger: Bis der letzte Fahrer im Ziel ist und dann noch bis auch kein Protest mehr eingereicht wurde. Danach bin ich sehr entspannt.