Wer wird Weltmeister? Wer erfüllt sich seinen Medaillentraum? Die alpine Ski-WM in Are steht vor der Tür, und ihre Sieger und Verlierer sind nicht leicht vorherzusehen. 33-mal wird Edelmetall verteilt und nur, wer am Wettkampftag seine beste Leistung abrufen kann, wird am Ende triumphieren. Für Spannung ist gesorgt, denn im Weltcup waren vor allem die Herrenrennen ausgeglichen wie selten zuvor. In den ersten acht Rennen gab es ebensoviele verschiedene Sieger aus jeweils unterschiedlichen Nationen. Bei den Damen könnte das Motto lauten: "Österreich gegen den Rest der Welt!" Denn die Österreicherinnen haben den Großteil der Rennen im Vorfeld bestimmt und standen häufiger zu dritt auf dem Siegerpodest.

Ein Finne sucht Gold in Schweden
Auch die Herren der Alpenrepublik fuhren einst Erfolge am Stück ein. In dieser Saison mussten sie aber eine schwarze Serie von 13 sieglosen Rennen über sich ergehen lassen. Erst Michael Walchhofer konnte diese mit seinen beiden Abfahrtssiegen in Bormio beenden. Aufgrund der Kritik, die das österreichische Herrenteam einstecken musste, werden Benjamin Raich und Co. 'heiß' sein, um es der restlichen Welt zu zeigen. Der Weltcup-Gesamtsieger des Vorjahres Raich trifft in den technischen Wettbewerben unter anderem auf Kalle Palander. Der Finne hofft unweit seiner Heimat auf zahlreiche Schlachtenbummler und will gleich in Slalom und Riesenslalom Gold gewinnen. Allerdings weiß der 29-Jährige auch um die Ausgeglichenheit an der Weltspitze. Mit Bode Miller, Steven Nyman (beide USA), Ivica Kostelic (CRO), Aksel Lund Svindal (NOR), Markus Larsson, Andre Myhrer (beide SWE), Massimiliano Blardone (ITA), John Kucera (CAN), Marco Büchel (LIE), Benni Raich, Michael Walchhofer und eben Kalle Palander ist die Liste der Sieger am Anfang der Saison solang wie nie. Die Anzahl der potenziellen Medaillengewinner ist bei der Dichte an der Weltspitze aber noch um ein vielfaches länger. In den Speed-Disziplinen haben die Schweizer mit Didier Cuche endlich wieder einen Sieganwärter in ihren Reihen. Von den Deutschen schaffte Felix Neureuther im Slalom bereits den Sprung auf das Podium und mit Stephan Keppler besitzt der DSV auch wieder einen schnellen Mann, der keine Angst vor großen Pisten und Namen hat.

Junge Wilde des DSV gegen geballte ÖSV-Power
Bei den Damen sieht es für die deutschen Skifans traditionell etwas besser aus. In diesem Winter feierte Maria Riesch ein sensationelles Comeback nach langer Verletzungspause. Bei der Partenkirchenerin lief es in Lake Louise rund, sodass sie gleich die erste Abfahrt der Saison gewann. Trotz ihrer erst 22 Jahren orientieren sich die jungen Wilden vor allem an ihr. So haben sich mit Fanny Chmelar (21), Kathrin Hölzl (22) und Susanne Riesch (19) drei weitere junge Athletinnen für die WM qualifiziert. Erfahrung bringen Monika Bergmann-Schmuderer und Annemarie Gerg mit nach Schweden. Allerdings steht den deutschen Medaillenträumen die geballte Stärke der Österreicherinnen entgegen. Mit Marlies Schild, Kathrin Zettel und Nicole Hosp hat der ÖSV in den Technik-Wettbewerben drei Goldkandidatinnen in seinen Reihen. Dort wird es für die anderen Nationen schwer sein, überhaupt auf das Podium zu gelangen.


Wer ist die 'Speed-Queen' von Are?
Anders sieht es im Speed-Bereich der Damen aus. Das Podest teilten sich meistens Lindsey Kildow, Julia Mancuso, Anja Pärson und Renate Götschl. Nach einer schwächeren vergangenen Saison hat sich Götschl den Namen 'Speed-Queen' wieder verdient. Vor allem im Super-G hatte die Österreicherin ihre Konkurrenz im Griff. Von einer Favoritenrolle möchte sie aber dennoch nichts wissen. Für einen WM-Sieg muss beim Rennen alles einfach passen. Dass alles passt, hoffen auch die beiden US-Girls Kildow und Mancuso. Konkurrenz bekommen sie gerade vor schwedischem Publikum von Anja Pärson. Die Schwedin könnte in Abwesenheit ihrer Dauerrivalin Janica Kostelic zum Star der WM werden. Als Allrounderin hat Pärson gleich mehrere gute Chancen, eine Medaille zu gewinnen. Allerdings kam sie in diesem Winter nach einer Knieoperation noch nicht so recht in Schwung. Zum Abschluss der WM steht für alle Nationen das Team-Event auf dem Programm. Titelverteidiger ist Deutschland. Die junge deutsche Mannschaft fährt trotzdem nicht als Favorit nach Are. Das große deutsche Ziel ist die WM 2011 in Garmisch-Partenkirchen. Klarer Goldanwärter ist Österreich. Ob die Alpenrepublik die Verhältnisse wieder ihrem eigenen Anspruch nach 'richtig' ordnen kann oder ob andere Athleten die Österreicher abhängen, wird sich zeigen, wenn sich die ersten Athleten aus dem Starthaus in Are stürzen. Dann entscheidet sich, wer 2007 Weltmeister wird.