Es ist soweit! Im ersten interaktiven Interview haben die User von Ski2b und der Wintersportcommunity ihre Fragen an zwei Große des deutschen Skisports an uns geschickt. Martina Ertl-Renz und Hilde Gerg stellten sich den Fragen - hier ist nun das Doppelinterview.

Ski2b: Wenn man sehr gerne Ski fährt uns auch die Möglichkeit hat, täglich zu trainieren - braucht man dann Vorbilder, um den Ehrgeiz zu entwickeln, dieses Leistungsniveau zu erreichen?
Martina Ertl-Renz: Ich hatte in "jungen Jahren" schon Vorbilder, wie Alberto Tomba, oder Vreni Schneider, aber die brauchte ich eigentlich nicht zur Motivation. Meine beste Motivation war immer, der Spaß am Training und am Rennen fahren, wobei Erfolge natürlich noch mehr anspornen.
Hilde Gerg: Ich hatte nie die "großen Vorbilder" , ich hatte einfach nur Spaß am Sport.

Ski2b: Wie seit ihr nach oben gekommen? Wer hat euch bis in die Jugend unterstützt, wer bei der Schule geholfen?
Hilde: In Lenggries gibt es seit je her einen Skiclub, der sich sehr für Kinder und Jugendliche einsetzt. Zu meiner Zeit waren wir eine super Gruppe (Annemarie Gerg, Andreas Ertl, Florian Eckert... um nur einige zu nennen.) Wir hatten Spaß, gute Trainingsbedingungen und auch Ehrgeiz. Bis zur achten Klasse bin ich "normal" zur Schule gegangen, wurde aber dort auch immer von den Lehrern unterstützt. Die neunte und zehnte Klasse machte ich auf einer Skischule.
Martina: Die größte Unterstützung habe ich natürlich von meine Eltern bekommen. Die haben mich zum Skiclub gebracht, von der Schule abgeholt und überall hingefahren. Auch der Skiclub Lenggries hat uns alle Möglichkeiten geboten, um nach oben zu kommen. Meine Schule war sehr tolerant und solange die Noten passten, konnte ich immer weg.

Ski2b: Wie ist das eigentlich, wenn Skifahrerinnen mit euren Fähigkeiten dann zum Urlaub mit vielen Anfängern den selben Hang befahren. Macht euch das Spaß - oder seit ihr doch abseits der Pisten unterwegs?
Martina: Ich bin eigentlich lieber etwas abseits unterwegs, oder fahre früh am Morgen wo noch nicht so viel los ist, denn es macht halt doch mehr Spaß wenn man die Piste für sich hat und dann auch mal etwas Gas geben kann.
Hilde: Skiurlaub??? Ich machte bisher nur am Meer Urlaub. Kann man verstehen wenn man bedenkt, dass wir ja 250 Tage im Jahr auf Skiern stehen ...

Ski2b: Was für Skier fahrt ihr eigentlich zu eurem Privatvergnügen - Slalom, Riesenslalom oder eher Allmountain- oder Freerideskier? Könnt ihr die Slalomcarver überhaupt noch sehen? Und bleibt man seiner alten Skimarke weiter treu?
Hilde: Natürlich bleibt man seiner Skimarke treu! War ich von Beginn an. Ich fahre im Moment mal einen Slalom Carver, mal einen Allrounder... wie die Bedingungen gerade sind. Ich sehe die Carver nach wie vor gerne.
Martina: Ich habe eigentlich von allen Modellen einen Ski zu Hause und je nach Schneelage nehme ich dann den passenden Ski mit auf die Piste.

Ski2b: Welches Skigebiet in Österreich gefällt euch privat zum Carven am besten? Oder legt ihr euch jetzt im Urlaub doch lieber an den Strand in die Sonne?
Martina: Eigentlich ist ja mein Lieblingsskigebiet mein Hausberg, das Brauneck in Lenggries, aber da ist es mit dem Schnee im Moment schwierig. Ansonsten finde ich die Skigebiete am Arlberg (St. Anton/ Lech) sehr gut.
Hilde: Skigebiete gibt es auch wo anders, nicht nur in Österreich... Mir gefällt Cortina und Lake Louise sehr gut. Aber am liebsten fahr ich jetzt zu Hause, da ich dann nicht im Hotel schlafen muss.


Ski2b: Im Rückblick - würdet ihr etwas anders machen wollen? Vielleicht sogar eine ganz andere Laufbahn einschlagen? Oder war euer Leben so, wie ihr es euch immer vorgestellt habt?
Martina: Mein bisheriges Leben möchte ich nicht tauschen und ich würde alles wieder genauso machen. Es war eine wunderschöne Zeit und mein Hobby wurde zum Beruf.
Hilde: Ich würde nichts anders machen...

Ski2b: Ihr seit ja beide jetzt beim Fernsehen als Expertinnen dabei. Wie ist das, auf der anderen Seite zu stehen? Schätzt man danach die Journalisten anders ein?
Hilde: Ja das muss ich zugeben, ich schätze es jetzt anders ein, die journalistische Tätigkeit. Ich muss aber sagen, das bestimmte Dinge, die mich als Aktive "genervt" haben, mich zurecht genervt haben und mich auch immer noch ärgern...
Martina: Es ist natürlich ein anderes Gefühl auf der anderen Seite zu stehen. Man merkt manchmal auch erst, wie schwer es ist, sich als Journalist dem Athleten gegenüber richtig zu verhalten und die passenden Fragen zu stellen. Trotzdem schlägt in mir immer noch das Sportlerherz und ich kann sehr gut mit Siegen und Niederlagen mitfühlen.

Ski2b: Als Sportlerin muss man ja die Familie etwas hinten anstellen. Kann man bei dem harten Programm überhaupt eine glückliche Beziehung führen?
Hilde: Na Klar...
Martina: Ich habe meinen Traummann erst gegen Ende meiner Karriere getroffen, vorher war es mit Beziehungen schon etwas schwierig, man ist so viel weg von zu Hause das macht das ganze nicht leichter.

Ski2b: Als Profis wart ihr auf den alpinen Sport fixiert - habt ihr jetzt vielleicht Lust, einen ganz anderen Sport zu betreiben - oder sogar mal gar keinen mehr?
Martina: Mein Herz wird immer dem alpinen Skisport verbunden bleiben, aber auch sonst bin ich gern sportlich unterwegs, wobei man sich nicht mehr täglich schinden muß, was auch ganz angenehm ist.
Hilde: Am Anfang war eher das Letzte, aber jetzt freu ich mich wenn ich mich etwas bewegen kann. Tennis spiele ich jetzt mehr als früher und das Tourengehen habe ich für mich entdeckt - leider fehlt im Moment der Schnee.

Ski2b: Was wollt ihr nach eurer Sportlerkarriere bewegen? Oder zieht ihr euch eher aus dem öffentlichen Leben zurück?
Martina: Allein durch die Arbeit bei der ARD und auch mit einigen Sponsoren werde ich nach wie vor irgendwie in der Öffentlichkeit zu sehen sein. So lange es mir Spaß macht, werde ich auch weiter machen.
Hilde: Ich habe eine Stiftung gegründet und versuche mich für Kids stark zu machen, die keine so schöne Jugend und Kindheit hatte wie ich. Ansonsten freu ich mich über eine schöne ruhige Zeit zu Hause!