Die Schwedin Therese Borssen hat den Nachtslalom am Semmering gewonnen. Sie verwies die Österreicherinnen Kathrin Zettel und Marlies Schild auf die Plätze zwei und drei. Beste Deutsche wurde Fanny Chmelar auf Rang 18.

Schild dominiert Durchgang eins
Der Slalom am Semmering konnte mit einem überraschenden Verlauf aufwarten. Kathrin Zettel eröffnete den ersten Durchgang mit einer Zeit, die für Rang drei reichen sollte. Doch diese Zeit wurde von Marlies Schild mit Startnummer zwei pulverisiert. 1,3 Sekunden nahm sie der Landsfrau und Siegerin des Riesenslaloms vom Vortag ab - eine beeindruckende Vorstellung. Nur Therese Borssen kam mit acht Zehntelsekunden Rückstand der Dominatorin im Slalom in diesem Winter näher. Dennoch schien das Rennen bereits entschieden, noch bevor es überhaupt richtig losgegangen war.

Riesige Abstände und viele Ausfälle
Denn nach den ersten Sechs wuchsen die Rückstände erheblich an. Zwischen drei und fünf Sekunden fielen selbst Weltklassefahrerinnen zurück, mit etwa zwei Sekunden konnte man sogar noch auf das Treppchen hoffen. Einige Favoritinnen schieden auch gleich im ersten Durchgang aus, wie die ÖSV-Damen Nicole Hosp und Michaela Kirchgasser, aber auch US Girl Resi Stiegler. Mit Veronika Staber und Carolin Fernsebner traf es auch zwei Deutsche im ersten Durchgang.

Riesch-Schwestern fallen aus
Im Finale sollte es dann ganz anders kommen. Zunächst hatten die fünf Deutschen wenig Fortune. Für Maria und Susanne Riesch endete der zweite Durchgang nach einem durchwachsenen ersten Lauf mit dem Ausfall. Annemarie Gerg hatte sich als Siebte eigentlich eine gute Ausgangsbasis geschaffen, doch auch sie verpasste ein Tor. Beste Deutsche nach einem ordentlichen zweiten Durchgang war damit Fanny Chmelar auf Position 18, Monika Bergmann-Schmuderer rettete sich nach einem Steher mit hohem Rückstand als Letzte immerhin noch in die Wertung. Wenig Glück hatten auch die Amerikanerinnen, die nach Stiegler im Finale auch noch Lindsey Kildow verloren. Damit gab es für keine Amerikanerin einen Weltcup-Punkt. Die Schweiz war im Finale erst gar nicht vertreten, auch keine Kanadierin trat dort an.

Zettel fährt Laufbestzeit
Besser lief es für die Norwegerin Nina Löseth, die zusammen mit Veronika Zuzulova aus der Slowakei mit einer schnellen Fahrt ein erstes Zeichen setzen konnte. Dann schoben sich die Italienerin Chiara Costazza sowie Ana Jelusic aus Kroatien an die Spitze. Jelusics Hoffnung auf einen Podestplatz erfüllten sich aber nicht. Kathrin Zettel gelang die beste Fahrt im Finale und damit übernahm sie klar die Führung. Das reichte jedoch nicht gegen eine kämpferische Therese Borssen. Sie konnte ihr Polster aus dem ersten Durchgang behaupten und schob sich vor Zettel.

Schild besiegt sich selbst - und erobert Weltcupführung
Dann kam Marlies Schild. Sie ging es stürmisch an und zeigte einen perfekten Lauf, bis zur ersten Zwischenzeit hatte sie ihren Vorsprung sogar klar ausgebaut. Doch dann kam der Patzer, mit dem niemand gerechnet hatte. Schild blieb an einem Tor hängen, kämpfte sich mühsam in den Kurs zurück und rettete so noch Rang drei. Während Borssen ihren ersten Weltcup-Sieg feiern konnte, war der Österreicherin die Enttäuschung anzusehen. Natürlich bleibt sie dennoch im Slalom-Weltcup unangefochten in Führung, gefolgt von Borssen und Zettel. Auch im Gesamtweltcup übernahm Schild wieder die Spitze, dort stehen Zettel und Nicole Hosp punktgleich auf Rang zwei. Das nächste Rennen der Damen steht am 4. Januar 2007 an, dann ist Zagreb wieder Gastgeber eines Nachtsslaloms.