Der Herren-Weltcup startet durch: Mit dem Klassiker in Gröden beginnt in diesem Jahr eine Mini-WM 'alla Italia'. Vier Rennen in vier Tagen stehen an, die berühmte Saslong-Piste ist traditionell der Schauplatz zweier Speed-Rennen.

Vorsicht vor den Bodenwellen
Gute Nachrichten aus den Dolomiten gab es kürzlich, als die Rennen in Gröden als gesichert gemeldet wurden. Nach einer Reihe von Absagen und Verschiebungen scheinen wenigstens die Herren nun langsam das normale Weltcup-Programm fahren zu können - pünktlich zum ersten Klassiker. Die Bedingungen sind zwar nicht perfekt, wegen der geringen Schneeunterlage wird es die Speed-Fahrer ganz schön durchschütteln auf der anspruchsvollen Piste. Doch für Spannung ist nach dem bisherigen Verlauf allemal gesorgt.

Kanadier auch in Europa stark?
Zwei Abfahrten und ein Super-G standen bislang an, alle wurden in Übersee gefahren. Doch die Ergebnisse waren zumeist durchaus überraschend. Weniger die Sieger der Abfahrten, Marco Büchel und Bode Miller, als vielmehr das Fehlen der Österreicher auf den Podesten hat die Klassements ungewohnt abwechslungsreich gestaltet. Die Kanadier und Amerikaner überzeugten bei den Heimrennen und müssen ihre Klasse nun auch in Europa unter Beweis stellen. Das gilt vor allem für den Super-G Sieger John Kucera, der in Lake Louise auch von den Bedingungen vor Ort profitierte. Mit Mario Scheiber schaffte es in diesem Rennen immerhin ein ÖSV-Mann auf das Stockerl.

ÖSV-Team sucht Erfolgserlebnis
Viel Kritik gab es daher in der Heimat für die schnellen Racer in rot-weiß-rot. Auf der Reiteralm gelang der Rückschlag nicht, nun wollen die Etablierten auf der Saslong in die Erfolgsspur zurückfinden. Johann Grugger hofft, seinen Erfolg aus dem Vorjahr wiederholen zu können, wo er im Super-G siegte. In der Abfahrt geht Marco Büchel als Titelverteidiger ins Rennen. Beide Siege galten im Vorjahr wenigstens als kleine Überraschung, und für solche Momente ist Gröden bislang immer gut gewesen. Zu nennen wären hier der Sensationssieg von Max Rauffer 2004, sowie Kristian Ghedina Begegnung mit einem Reh im selben Jahr. Lokalmatador Ghedina wird für ein stimmungsvolles Highlight sorgen: Er gibt auf den Kamelbuckeln seinen Abschied vom Skirennsport. Als letzter Vorläufer wird er sich im Rennanzug von 1989 auf die Piste stürzen. Vor 17 Jahren begann seine Karriere an dieser Stelle direkt mit einem dritten Platz.


Viele Favoriten
In Gröden haben auch einige arrivierte Speedfahrer schon gewinnen können, darunter Michael Walchhofer und Antoine Deneriaz. Vor allem der Franzose hat noch nicht zu seiner Form gefunden, aber auch Walchhofer hat in dieser Saison noch nicht überzeugen können. Im ÖSV-Team schien zuletzt Christoph Gruber konstanter zu sein, auch Hermann Maier, der hier noch nie gewann, fühlt sich gut. Zu den Favoriten gehören auch die starken Schweizer um Didier Cuche und natürlich Bode Miller, wenn er nicht erneut vorzeitig ausscheidet. Bei den Speedrennen in der Heimat darf aber auch der junge Italiener Peter Fill nicht vergessen werden.

Keppler will erneut in die Punkte
Aus deutscher Sicht sind Stephan Keppler und Johannes Stehle in Gröden dabei, ergänzt wird das DSV Team um Nachwuchsmann Mathias Wölfl aus München, der in den Trainingsläufen erste Weltcup-Luft schnuppern kann. Keppler zeigte sich zuletzt in guter Form. Nach seinem achten Platz in Lake Louise in die erste Startgruppe gerutscht, wurde ihm in Beaver Creek die Startnummer eins zum Stolperstein. Auf der neuschneelastigen 'Birds of Prey'-Piste verpasste er die Punkte und muss nun erst einmal wieder nach den Top-30 starten. Wenn er jedoch seine Form halten konnte, wird er in Gröden wieder weiter vorne zu finden sein.

Direkt weiter nach Alta Badia
Italiens Mini-WM geht direkt nach den Rennen in Gröden in Alta Badia weiter. Dort stehen am 17. und 18. Dezember ein Riesenslalom und ein Slalom an. Für den Slalom wurde der traditionelle Wettbewerb in Madonna di Campiglio geopfert - ein Umstand, der für einige Kritik sorgte.