Skicross wird 2010 erstmals bei Olympia dabei sein. Ski2b sprach mit Heli Herdt, DSV-Rennbeauftragter für Skicross, über die Entscheidung und die weitere Entwicklung der Sportart.

Ski2b.com: Am Dienstag, den 28. November, wurde entschieden, dass Skicross 2010 olympisch wird. Was war Deine erste Reaktion? Hast Du damit gerechnet?
Heli Herdt: Mein erster Gedanke war: Endlich kann ich alle Fragen, ob Skicross nun olympisch ist, beantworten. Ich habe nach allen Insider-Informationen, die mir auch aus den USA und Kanada vorlagen, schon damit gerechnet. Aber wie das mit solchen Themen ist, sicher ist es erst, wenn es offiziell vom IOC kommt. Und das war nun am Dienstagabend der Fall.

Ski2b: Welche Voraussetzungen mussten für die Aufnahme erfüllt werden und was hat letztlich den Ausschlag gegeben, dass es geklappt hat?
Heli: Es gibt einige Grundvoraussetzungen wie z.B. Anzahl der teilnehmenden Nationen im FIS Weltcup, Anzahl der Nationen, die den Sport aktiv betreiben, FIS Weltmeisterschaften und Jugend Weltmeisterschaften. An dieser Stelle muss vor allem Joe Fitzgerald, der Race Director FIS Freestyle, genannt werden, der diese Voraussetzungen immer im Auge hatte und hart dafür gearbeitet hat, um sie zu erreichen.

Ski2b: Wie geht es jetzt mit dem Sport weiter. Welche Veränderungen treten dadurch in Kraft?
Heli: Erstmal wird sich nicht viel ändern. Die Gespräche mit dem DSV und BSV werden nun intensiviert. Es kann nun über eine langfristige Planung bis 2010 und darüber hinaus gesprochen werden. Das wichtigste wird nun sein, dass auf der Vereins und Regionalverbandsebene Initiativen unterstützt und gefördert werden.

Ski2b: Wird diese Entscheidung eine großen Schub geben für den Sport Skicross auch gerade für den Nachwuchs?
Heli: Das hoffe ich schwer. Skicross soll und kann als Alternative für eine Vielzahl von Skifahrern verstanden werden. In der vergangenen Saison haben wir bereits erkannt, dass die Nachwuchsarbeit im Juniorenbereich wichtig ist und auch rasch zu Erfolgen führen kann. Wir haben zwei Junioren-WM Titel für Julia Manhard und Andi Schauer gewonnen. Diese Strategie werden wir weiterverfolgen und auf die Skifahrer der Jahrgänge 87 - 91 verstärkt ein Augenmerk legen.

Ski2b: Wer war in Deutschland maßgeblich für den Fortschritt von Skicross verantwortlich? Wer hat die Sportart neben Dir voran gebracht?
Heli: Ohne die Unterstützung von Rainer Schlump von der Firma Salomon und Hubert Brühl vom DSV-Breitensport hätten wir keine Chance gehabt, seit 2001/2002 die nationale Serie auf die Beine zu stellen und so viele Sportler zu begeistern. Auch ohne die frühe und fruchtbare Kooperation mit dem Leistungssport Freestyle, federführend im DSV vertreten durch Enno Thomas und Tatjana Mittermayer, wäre es nicht möglich gewesen, diese Erfolge auch auf internationaler Ebene zu erreichen. Ebenso müssen alle Veranstalter der nationalen Serie einbezogen und gelobt werden, die uns nun schon zum Teil seit drei Jahren die Stange halten. Innerhalb des BSV hat uns vor allem der Freestyle Sportwart Werner Weber stark gefördert.
Die Liste könnte ich noch eine Weile fortschreiben, aber das würde zu weit führen. Grundsätzlich möchte ich jedem, der uns aktiv unterstützt und konstruktiv kritisiert hat, an dieser Stelle danken.
So erfreulich diese Situation ist, hat der Sport auch schon einen bitteren Moment erlebt. Mit dem Tod von Florian Osswald haben wir einen enthusiastischen Verfechter und Promoter des Sports in einer frühen Phase verloren. Flo hat mich gerade in den ersten zwei bis drei Jahren sehr selbstlos unterstützt und auch viel junge Skifahrer motiviert, in den Skicross einzusteigen.

Ski2b: Als kleinen Ausblick: Wen siehst Du denn 2010 eventuell für Deutschland am Start bei Olympia?
Heli: An erster Stelle sind da sicher die Teilnehmer der Jugend-WM 2006 zu nennen: Julia Manhard aus Pfronten, Andi Schauer aus Lenggries und Sarah Reisinger aus Lindenberg. In der zweiten Reihe haben sich auf nationaler Ebene schon einige gezeigt, die gute Voraussetzungen mitbringen. In wieweit sich das in dieser Saison schon in Erfolge ummünzen lässt, werden die ersten Wettkämpfe zeigen. Bisher haben wir in Deutschland, anders als die anderen Nationen, viel Engagement in die Juniorenjahrgänge gesteckt. Wenn nun in Österreich, Italien, Schweiz, Frankreich ähnliche Initiativen gestartet werden, werden auch die Karten neu gemischt. Es wird eine spannende Saison und auch Junioren-WM in Airolo werden.

Ski2b: In wie weit hat diese Entscheidung Einfluss auf die nationale Serie, die im Januar 2007 ansteht? Werden neue Sponsoren kommen?
Heli: Schon vor der definitiven Entscheidung haben wir sehr positive Gespräche geführt und sind auf viel Interesse gestoßen. In Kürze, sobald die Verträge unterschrieben sind, werden wir unsere Partner bekanntgeben. Grundsätzlich blicke ich in eine arbeitsreiche, aber positive Zukunft.

Ski2b: Heli, vielen Dank für dieses Gespräch.