Während in Europa noch kein Schnee fallen will, herrschen bei den Übersee-Gastgebern gute Bedingungen, um den Ski-Weltcup so richtig starten zu lassen. Nach dem Opener in Levi gehen im kanadischen Lake Louise erstmals die Speedfahrer an den Start.

Viele Fragezeichen vor dem Start
Das Renn-Wochenende in Kanada verspricht eine Menge Spannung und eine Standortbestimmung. Am 25. und 26. November stehen zunächst eine Abfahrt und dann ein Super-G auf dem Plan. Dabei werden die Stars der Szene erstmals prüfen können, wo sie im internationalen Vergleich stehen. Denn in Kanada sind durchaus einige Überraschungen möglich.

Wer sind die Stars von morgen?
Auf einige große Namen der Vorjahre müssen wir in diesem Winter verzichten: Daron Rahlves und Kristian Ghedina sind zurückgetreten, Kjetil Andre Aamodt fehlt verletzungsbedingt - alle drei waren im Winter 2005/2006 noch unter den besten Zehn im Abfahrts-Weltcup zu finden. Dafür rücken neue Namen nach, die nun in die Weltcup-Teams gerückt sind und für Furore sorgen wollen. Vielleicht kann der beste Abfahrer des vergangenen Europacups, Romed Baumann, hier ein Zeichen setzen. Auch Georg Streitberger, ebenfalls aus Österreich, könnte den Durchbruch schaffen. Dazu müssen beide aber erst einmal Freundschaft mit dem Schnee in Nordamerika schließen, der eine Herausforderung für Serviceleute und Fahrer gleichermaßen bedeutet.

ÖSV stellt stärkstes Team
In Lake Louise werden auch einige Rückkehrer ihr Comeback feiern. Johann Grugger war im letzten Winter in bestechender Form und ein harter Konkurrent für den späteren Abfahrts-Champion Michael Walchhofer, bis ihn eine Verletzung zurückwarf. Nun ist er wieder da - genau wie Landsmann Mario Scheiber. Damit ist der Konkurrenzkampf im ÖSV-Team wieder enorm, denn mit Fritz Strobl, Hermann Maier, Klaus Kröll, Hannes Reichelt, Christoph Gruber und Andreas Buder stehen neben den bereits genannten noch einige Hochkaräter in den Startlöchern. Nicht zu vergessen ist natürlich auch Levi-Sieger Benjamin Raich, der in diesem Jahr in den Speed-Rennen einen Schritt nach vorne machen will.

Die Favoriten stehen bereit
Doch die Österreicher werden den Kampf um die Podestplätze nicht ohne starke Konkurrenz bestreiten. Das US Ski Team hat mit Bode Miller immer ein Ass im Ärmel - auch wenn es in Finnland noch nicht wie gewünscht klappte. Bei den Rennen wird sich auch zeigen, wie Scott Maccartney und Steven Nyman sich entwickeln können. Beide, wie auch Lokalmatador Erik Guay, könnten in diesem Jahr zur absoluten Spitze zählen, wenn ihnen ein Leistungssprung gelingt. Ein harter Konkurrent für die rot-weiß-rote Armada ist sicher auch Aksel Lund Svindal. Der Norweger siegte im Vorjahr beim Super-G und legte damit den Grundstein für den Gewinn der kleinen Kristallkugel in dieser Disziplin. Und natürlich zählen Routiniers wie der Abfahrts-Olympiasieger Antoine Deneriaz oder Marco Büchel aus Liechtenstein zu den Anwärtern auf den Sieg.

DSV mit jungem Speed-Team
Auf positive sportliche Schlagzeilen hofft auch Swiss Ski. Seit über 1.000 Tagen hat nun kein Schweizer mehr ein Herrenrennen im Weltcup gewinnen können - zuletzt siegte Didier Cuche für die Eidgenossen in Garmisch-Partenkirchen. Allerdings ist das Team um Cuche, Kernen, Hoffmann, Defago und Grünenfelder im Speed-Bereich klar stärker besetzt, als im Slalom. Um die beiden Startplätze des DSV bewerben sich mit Felix Neureuther, Stephan Keppler, Johannes Stehle und Stefan Kogler gleich vier Fahrer. Nachdem im letzten Winter einige Rennen ganz ohne deutsche Beteilungung stattfanden, ist dies schon ein Schritt in die richtige Richtung. Top-Ergebnisse darf man von der jungen DSV-Mannschaft aber deswegen noch nicht verlangen, zumal die beiden Sieger der Vorausscheidung mit sehr hohen Startnummern ins Rennen gehen werden.


Kein Wettbremsen mehr im Training
Vor den Rennen lässt sich also schwerlich sagen, wer ganz vorne landen wird. Im Super-G ist die Spitze vielleicht noch breiter besetzt als in der Abfahrt. Sicher und kaum überraschend ist nur die Erkenntnis, dass die Österreicher wieder das stärkste Team stellen. Ob sich die vielen Materialwechsel auch bemerkbar machen werden, wird zu sehen sein. Die Wahrheit liegt einzig auf der Piste. Erste Indizien für den Rennausgang wird es bei den Trainingsläufen geben, bei denen das unrühmliche Wettbremsen endlich der Vergangenheit angehört. Denn am Samstag starten die Herren nach dem neuen Reglement nicht mehr nach den Trainingsergebnissen, sondern in umgekehrter Reihenfolge der aktuellen Weltrangliste.