Der ehemalige Bundesliga-Triathlet Sven Renz betreibt zusammen mit seiner Frau Martina Ertl-Renz ein Sportfachgeschäft in der Münchener Innenstadt. Im Interview mit Ski2b erklärt er, worauf es ankommt, wenn ein Kunde einen neuen Skischuh sucht, der individuell auf seinen Fuß abgestimmt sein soll.

Ski2b.com: Hallo Sven. Du bist Fachmann für die Anpassung von Skischuhen - warum sollte eine Anpassung des Schuhs an den Fuß stattfinden?
Sven Renz: Erst einmal ist es wichtig zu sehen, welche Voraussetzungen der Fuß hat. Wir messen also, wie breit der Fuß ist und wie groß, welchen Umfang der Unterschenkel hat, und vieles mehr. Welche Schale passt, hängt dann von deren Passform ab und vom Volumen. Der Fuß ist weich, aber die Schale ist hart - sie kann sich beim Fahren nicht anpassen. Nur wenn vorher eine Anpassung erfolgt, lassen sich Druckstellen vermeiden. Das bringt dann optimalen Komfort, eine optimale Kraftübertragung und Schmerzfreiheit.

Ski2b.com: Für wen eignet sich die Anpassung?
Sven Renz: Die eignet sich prinzipiell für jeden. Die Kunden sind ja ganz unterschiedlich in ihren Ansprüchen. Manche haben viel Erfahrung und stehen 50 Tage im Jahr auf Skiern - die wissen, wo sie Probleme haben, weil sie alle zwei Jahre einen neuen Skischuh brauchen. Wer aber wenig Erfahrung hat, kann selbst schlecht beurteilen, ob der Schuh passt. Oft kauft man dann die Schale zu groß, weil man sich denkt: Wenn es hier schon drückt - wie ist es dann erst auf der Piste? Das ist aber nicht richtig.

Ski2b.com: Ich will mir bei dir einen genau passenden Skischuh zulegen. Was passiert jetzt?
Sven Renz: Zuerst machen wir einen Fußabdruck und messen alles genau aus. Risthöhe, Wadenhöhe, Länge und Breite ... alle diese Daten gehen dann in die Maßanleitung. Dort wird dann der perfekte Schuh ausgesucht. Wir haben alle Modelle innen ganz genau ausgemessen und wissen daher sicher, welche Schalen wirklich passen. Der Kunde bekommt dann ein oder zwei Schuhe zum Probieren. Natürlich muss man auch berücksichtigen, wie und wo gefahren wird. Wer mit einer guten Technik auf eisiger Unterlage fährt, braucht einen engeren Schuh als jemand, der nur in Powder-Parks unterwegs ist oder auch als ein Ski-Anfänger. Danach kommt dann der handwerkliche Teil, wenn der Schuh angepasst wird.

Ski2b.com: Was passiert dabei?
Sven Renz: Je nach Bedarf eine ganze Menge - die Schale wird vielleicht erhitzt und ausgebeult, geschliffen, die Schnallen ausgetauscht, der Innenschuh ausgeschäumt oder eine Einlegesohle präpariert. Je nachdem, wo der Schuh noch nicht perfekt sitzt.

Ski2b.com: Schadet das der Optik des Schuhs?
Sven Renz: Nein, die Veränderungen erfolgen im Rahmen dessen, was das Material zulässt. Der Schuh sieht hinterher nicht verbeult aus - man sieht höchstens im Vergleich zum Standardmodell, dass die Form nicht ganz gleich ist.

Ski2b.com: Wie lange dauert der Vorgang?
Sven Renz: Der Kunde muss zwei Termine mit jeweils einer Stunde einrechnen. Die Umarbeitung kann je nach Fall noch einmal bis zu eineinhalb Stunden reine Arbeitszeit erfordern.

Ski2b.com: Was rätst du dem Einsteiger beim Skischuhkauf?
Sven Renz: Wer keine Erfahrung hat, sollte sich in gute Hände begeben. Das ist gerade für Frauen wichtig, denn die Damenschalen auf dem Markt sind eigentlich nur abgewandelte Herrenschalen. Hier sollte man weniger Wert auf Steppdeckenfutter und Kuscheloptik legen, denn das sorgt nicht automatisch für einen warmen Fuß. Je besser der Schuh passt, desto weniger Druckstellen gibt es, desto weniger Blut und Nerven werden abgeklemmt, wodurch der Fuß auskühlt. Das ist wirklich wichtig.

Ski2b.com: Vielen Dank für das Interview!