Der deutsche alpine Rennsport ist aus meiner Sicht nicht erst seit kurzem in der Krise, sondern bereits seit mindestens fünf bis sechs Jahren. Dieses wurde jedoch durch die sehr guten Leistungen unserer Damenmannschaft (mit einigen, wenigen arrivierten Athletinnen) immer wieder kaschiert. Eigentlich sollte jedem aufmerksamen Beobachter der Szene bereits seit einiger Zeit klar sein, dass, wenn diese erfolgreichen Athletinnen wie nun geschehen, verletzt sind oder ihren Rücktritt erklären, nicht mehr viel an Erfolg für den DSV übrig bleibt.

Für diese Krise sind viele Faktoren maßgebend (nachfolgend die, aus meiner Sicht, Wichtigsten):

Fehlende Infrastruktur:
Man könnte sagen, die fehlende Infrastruktur für das Training unseres Nachwuchses liegt daran, dass wir uns nur am Rande der Alpen befinden und somit nur begrenzte Möglichkeiten für ein konsequentes Ski-Training besitzen. Dies ist sicherlich richtig. Das Angebot an räumlich nahen Trainingsmöglichkeiten könnte jedoch wesentlich verbessert werden, wenn es für die Betreiber unserer Skigebiete lukrativere und einfachere Möglichkeiten geben würde in Lift-, Flutlicht- und vor allem in Beschneiungsanlagen zu investieren (viele Unternehmen in den EU-Staaten bekommen Fördermittel um Investitionen zur Bestandssicherung tätigen zu können, warum nicht unsere Liftbetreiber?). Genehmigungsverfahren für Beschneiungsanlagen sind leider immer noch zu bürokratisch und von zu wenig Erfolg gekrönt. Investitionen in neue Beschneiungs- bzw. Liftanlagen sind jedoch für nicht nur für das Training unseres Skinachwuchses notwendig, sondern sind auch für den Fremdenverkehr in unseren Regionen ganz wesentlich. Hier denke ich, sollte sich die bayrische Staatsregierung einige Gedanken machen.
Was die Infrastruktur und die Investitionen in unseren regionalen Trainingsgebieten (SV Inngau) betrifft, so muss man sagen, dass hier in den letzten Jahren sowohl in Oberaudorf (neue Liftanlage mit Beschneiung und Flutlicht) als auch am Sudelfeld (Ausbau der Beschneiung, teilweise neue Liftanlagen) bereits einiges passiert ist. Leider jedoch sind sich die Betreiber (Oberaudorf und Sudelfeld) immer noch nicht über eine gemeinsame Skikarte, die in beiden Gebieten gültig ist, einig. Woraus dann wiederum zusätzliche Kosten für die Athleten entstehen.
Ein großer Vorteil für unseren Trainings- und Rennbetrieb am Sudelfeld ist die Bereitschaft seitens der Liftbetreiber uns tatkräftig zu unterstützen, in dem sie uns nach Wunsch gut präparierte Trainings- und Rennpisten zur Verfügung zu stellen.

Schule/Ausbildung:
Das Problem Schule hat sicherlich nicht nur der alpine Skisport, sondern auch alle anderen Sportarten. Im unserem Fall ist das Problem jedoch umso gravierender, da unsere Rennläufer nicht wie der Fußballer mit dem Fahrrad in fünf oder zehn Minuten am Sportplatz sind. Unsere Athleten müssen nachmittags sofort nach der Schule eine Anreise von mindestens einer ca. halben Stunde bis zu einer Stunde zum Skigebiet in Kauf nehmen. Nicht zu vergessen ist hier die Abreise mit dem entsprechendem zeitlichen Aufwand. Das bedeutet für unsere Athleten, dass jeweils der ganze Nachmittag in ihrem Terminkalender belegt ist.
Wenn nun hier, wie geschehen, in den Gymnasien noch ein G8 eingeführt wird, in dem die Schüler drei bis vier Nachmittage Unterricht haben, kann man sich sicherlich leicht ausmalen, dass einige der Athleten im alpinen Bereich die angebotenen Trainings nicht mehr wahrnehmen können (unter anderem auch einige meiner Athleten). Hier bin bzw. war ich sehr verwundert, warum unsere Sportverbände bzw. auch der DSV nichts, aber auch gar nichts gegen die Einführung des G8 an den Gymnasien unternommen haben, denn letztendlich sind die Nachwuchssportler deren Potential für die Zukunft.
Sicherlich ist die Einführung der Partnerschulen des Wintersports hierbei ein Lichtblick für die Zukunft, doch nicht alle der talentierten Kinder können diese Einrichtungen nutzen. Zudem wird dieses Angebot für unsere Rennläufer erst mit einem Übertritt in eine Kadermannschaft bzw. bei, von der jeweiligen Schule koordinierten und geleiteten Trainingsmaßnahmen wirklich interessant. Denn wenn die Schüler der Wintersportschulen in den Vereinen trainieren, kann der Unterricht nur sehr schwer darauf abgestimmt werden, da von den einzelnen Vereinen an unterschiedlichen (Nachmitt-)Tagen trainiert wird.

Zu hohe Kosten für die Athleten im Nachwuchsbereich:
Die Kosten für den alpinen Skisport sind enorm hoch. Das kann sicher jeder, der sich eine einfache Skiausrüstung besorgt und im Winter nur wenige Tage beim Skifahren ist, bestätigen. Für einen ambitionierten Nachwuchsläufer im Schülerbereich sind seitens der Eltern jährlich ca. 3.000 - 5.000 EUR an Investitionen zu tätigen. Im Bereich der Kinder (S8-S11) und teilweise auch im Bereich der Schüler (S12-S14) könnte hier durchaus durch regulative Maßnahmen eine Kostenreduzierung für die Eltern herbeigeführt werden. In diesen Nachwuchs-Bereichen, das kann ich aus eigenen Erfahrungen berichten, herrscht ein regelrechtes Wettrüsten was die Ausrüstung, das Wachs etc. betrifft. Ein Versuch Seitens des DSV dieses so genannte Wettrüsten einzudämmen wurde vor ca. fünf bis sechs Jahren bereits einmal unternommen. Dieser Versuch scheiterte jedoch, da er zu halbherzig vorgetragen wurde und sich die Gaue freiwillig verpflichten sollten. Was jedoch daran scheiterte, dass Keiner den "Ersten" machen wollte.

Mangelnde Perspektiven im Jugendalter (Schüleralter S 14):
Einer der wichtigsten Punkte, warum der DSV im Moment (und sicherlich auch in naher Zukunft) zu wenig Spitzenathleten hat, ist die mangelnde Breite an guten Rennläufern im Schüler-Bereich und auch im Bereich der Kaderathleten. Wenn man die Fluktuation der Aktiven vom Kinder- über den Schüler- hin zum Jugendbereich beobachtet, wird man feststellen, dass nicht einmal mehr zehn Prozent der Aktiven den Weg bis in die Jugend schaffen. Alle anderen sind irgendwo "auf der Strecke" geblieben. Warum ist das so? Und was kann man (die Vereine, die Gaue, die Landesverbände und der DSV) dagegen tun?
Der erste Ansatz ist sicherlich noch mehr Werbung für den Skisport zu machen (durch die Vereine aber auch durch den Verband) und diesen aber auch erschwinglicher zu gestalten, um noch mehr Kinder und auch Eltern für diesen Sport zu gewinnen.
Ein weiterer Punkt zur Verbesserung dieser Situation ist sicherlich das aktive Aufzeigen von Perspektiven für unsere jungen Rennläufer (egal, ob als Rennläufer, Trainer oder Skilehrer oder in alternativen alpinen Skisportdisziplinen).
Man könnte z.B. auch seitens des DSV mehr Schülern, die in den Jugendbereich wechseln die Chance geben, sich über Sichtungen doch noch für einen Stützpunkt oder Kaderstatus zu qualifizieren. Wenn ich höre, dass z.B. der Schweizer Skiverband jährlich ca. je 40 Talente (weiblich und männlich) zur Sichtung (Scouting) aufnimmt, während es im DSV gerade einmal je 10-15 Schüler sind, dann kann dies sicherlich beim DSV noch etwas erweitert werden. Ist man beim Übergang zur Jugend in keinem Stützpunkt oder in einer Mannschaft, "darf" man sich bisher nur bei NJR-Rennen und DSV-Punkterennen messen und hat nur sehr sehr geringe Möglichkeiten doch noch nach "Oben" zu kommen. Zudem werden diesen verbliebenen Aktiven zur Zeit zu wenige Alternativen zum alpinen Rennlauf aufgezeigt. Das bedeutet, dass viele Athleten vom Übergang Schüler/Jugend (bzw. bereits auch vorher) verloren gehen. Wenn diese Rennläufer hier jedoch mit dem Skisport aufhören, dann war die gesamte Arbeit seitens der Vereine umsonst. Umsonst deswegen, weil diese Aktiven auch ihre Erfahrungen, die sie in ihrer aktiven Laufbahn gesammelt haben nicht mehr weitergeben werden (z.B. als Vereinstrainer). Ohne engagierte Trainer, die die Ausbildung, die Lust und (sehr wichtig) auch die notwendige Zeit für einen Trainerjob im Verein haben, können jedoch keine Talente gefördert werden und genau die braucht der DSV nun mehr denn je. Ein Verein wie der SC Bad Aibling zum Beispiel benötigt, um einen vernünftigen Trainingsbetrieb aufrecht erhalten zu können mindestens vier Trainer für das Konditions- und Skitraining. Diese Leute müssen alle oben genannten Bedingungen erfüllen. Doch woher soll man diese rekrutieren, wenn doch die meisten ehemaligen Rennläufer mit dem Skisport aufgehört haben?

Resümee:
Ich denke, die Dinge, die ich oben angemerkt habe hören sich ziemlich kritisch an und es ist auch durchaus so gemeint, denn, wenn man sich der Probleme nicht bewußt ist, kann man sie auch nicht abstellen. Leider kann ich die aus meiner Sicht vorhandenen Probleme hier nur ansprechen und auch nicht alleine lösen. Zur Lösung können wir jedoch bestimmt alle, die diesem Sport verbunden sind, gemeinsam beitragen, in dem wir im Verein, auf Gauebene, im Landesverband und gemeinsam mit dem DSV daran arbeiten. Hierfür würde ich mir jedoch wünschen, dass auch der DSV auf die Probleme und auch Wünsche und Erfahrungen der Trainer, die an der Basis arbeiten, künftig etwas mehr eingeht. Fazit ist aus Meiner Sicht: Wir brauchen im alpinen Skisport eine größere Basis in allen Altersstufen, aus der wir Spitzenathleten formen können (siehe ÖSV).

SC Bad Aibling:
Um einen kleinen Beitrag dazu zu leisten, die Basis an Athleten zu vergrößern und somit den alpinen Skisport in Deutschland wieder weiter nach oben zu bringen, hat sich der SC Bad Aibling seit ca. 10 Jahren zum Ziel gesetzt, aktiv an der Formung von alpinen Spitzensportlern mitzuwirken. Hierfür wird vom Verein jedes Jahr, zusätzlich zu den Unkostenbeiträgen der Eltern, ein Etat von 7.500 EUR für den Renn- und Trainingsbetrieb zur Verfügung gestellt (plus nochmals ca. den gleichen Betrag für den Betrieb von zwei Vereinsbussen) . Die Mannschaft des SC Bad Aibling ist von anfänglich 7 Aktiven auf im Moment ca. 35 Rennläuferinnen und -läufer unterschiedlichsten Alters gewachsen. Um die Kosten für die Aktiven zu minimieren versuchen wir über Sportgeschäfte und Hersteller die Ausrüstung zu bezahlbaren Konditionen zu erhalten. Zudem wird die gebrauchte Ausrüstung untereinander verkauft oder getauscht. Unsere Athleten, die den Sprung in Stützpunkt oder Kader des DSV nicht geschafft haben, werden ausgebildet und in den Trainingsbetrieb (z.B. als Trainer für unsere jüngsten Rennfahrer) eingegliedert. Durch diese Aktivitäten haben sich in den letzten Jahren auch bereits viele ansehnliche Erfolge auf regionaler und überregionaler Ebene eingestellt. Wodurch wir auch einige Sponsoren gewinnen konnten, die uns in der Nachwuchsarbeit finanziell unterstützen.
Einige unserer jugendlichen Athleten nutzen zudem seit ca. zwei Jahren erfolgreich und mit Begeisterung das Angebot im Freestyle-Bereich, insbesondere im Skicross. In diesem Bereich wird sich der SC Bad Aibling in Zukunft sicherlich vermehrt engagieren, da sich dieser junge Skisportbereich bei den Jugendlichen bereits jetzt großer Beliebtheit erfreut und sicherlich bald noch viel mehr Anklang finden wird.