Janica Kostelic aus Zagreb ist der Shootingstar der letzten Jahre. Die Kroatin, die 1998 in Cortina d'Ampezzo ihr Weltcup-Debüt feierte, konnte bereits 1999 als 17-Jährige in St. Anton ihren ersten Weltcup-Sieg verbuchen, als sie die Kombination gewann. Doch das war erst der Anfang der langen Erfolgsgeschichte der Kostelic.

Spezialistin für technische Disziplinen
Janica legte im Winter 1999/2000 richtig los. Während die meisten ihrer gleichaltrigen Kolleginnen sich noch im Europacup und in FIS-Rennen bemühten Anschluss zu finden, ging Kostelic im Weltcup zum Angriff über. Und das mit Erfolg. Immer noch 17 Jahre jung gewann sie die beiden Slalom-Rennen in Serre Chevalier und in Sestriere, doch dann verletzte sie sich schwer am Knie und musste den Rest der Saison aussetzen. Vielen anderen hätte dieses vielleicht einen Knacks gegeben und sie hätten den Anschluss nur schwer wiedergefunden. Nicht so Frau Kostelic, die in ihrem dritten Rennen nach der Verletzung wieder einen Sieg einfahren konnte und bei in Park City die Konkurrenz in Person von Martina Ertl mit 1,5 Sekunden Rückstand deklassierte. In der gleichen Saison folgten Siege in Aspen, Sestriere (2x), Semmering, Flachau (2x), Ofterschwang und Garmisch-Partenkirchen. Und Kostelic war zu dem Zeitpunkt noch nicht einmal 20 Jahre alt. Da ließ es sich auch entschuldigen, dass sie trotz Mitfavoritenstellung bei der WM in St. Anton leer ausging.

Unglaubliche drei Goldmedaillen bei Olympia
Ganz anders verlief die Saison 2001/2002. Nachdem Kostelic zwischen März und September drei Mal am Knie operiert werden mußte, stieg sie erst Ende November wieder in den Weltcup ein.
Im Verlauf der Saison steigerte sich Kostelic kontinuierlich, nachdem sie aufgrund der Verletzung schwach begonnen hatte, konnte aber nach dem Gewinn des Gesamtweltcups im Jahr davor kein einziges Rennen gewinnen.
Doch sie wusste, dass ihre Stunde noch kommen sollte. Und sie kam dann auch: Bei den Olympischen Spielen in Salt Lake City. Zunächst gewann sie die Kombination mit großem Vorsprung und wurde somit erste kroatische Goldmedaillengewinnerin bei Olympischen Spielen überhaupt. Den darauf folgenden Slalom entschied sie mit sieben Hundertsteln Vorsprung vor Laure Pequegnot für sich. Und auch im Riesenslalom gönnte Kostelic keiner anderen Fahrerin die Goldmedaille und siegte deutlich vor Pärson und Nef. Mit diesem Triple hat sie sich auf ewig in die Geschichtsbücher der Olympischen Spiele eingetragen. Um den Triumph zu vervollständigen gewann sie zum Ende der Saison noch den Weltcup-Slalom in Innerkrems.

Dominanz nur durch Knieprobleme zu durchbrechen
Die Saison 2002/2003 ist eigentlich schnell erzählt. Kostelic fuhr vorne weg, die anderen Fahrerinnen hinterher. Das Naturtalent fuhr sechs Saisonsiege ein, fuhr weitere sechs Mal auf das Podest und wurde zudem Doppelweltmeisterin in St. Moritz (Kombination und Slalom). Natürlich bedeutete diese Meistersaison den abermaligen Gewinn der Weltcup-Gesamtwertung, sowie der kleinen Kristallkugeln des Kombinations-Weltcup und des Slalom-Weltcups. Kostelic fährt wie von einem anderen Stern, und hätte sie nicht den kompletten Winter 2003/2004 verletzungsbedingt passen müssen, dann hätte sie bestimmt noch mehr als ihre bisherigen Weltcup-Siege auf dem Konto.

Wahnsinns-Comeback
Im Weltcup-Winter 2004/2005 gab Janica Kostelic ihr Comeback - und was für eins. Als ob sie nie weg gewesen wäre sorgte sie gleich mit Top-Platzierungen für Staunen bei ihren Kolleginnen. Das dritte Rennen nach ihrem Comeback, den Slalom in Aspen, gewann die Kroatin und im weiteren Verlauf der Saison machte sie gerade bei den Speed-Events mit grandiosen Auftritten auf sich aufmerksam. Bei der WM in Bormio war dann endgültig ihre Stunde gekommen. Drei Goldmedaillen, darunter die wohl erstaunlichste in der Abfahrt, war die glorreiche Ausbeute. Und auch den Gesamt-Weltcup hätte sie beinahe gewonnen. Nur Anja Pärson war am Ende noch stärker und lag ganze drei Punkte vor der Kroatin. In den kommenden Jahren dürfen wir uns wohl auf einen spannenden Zweikampf zwischen diesen beiden Damen freuen.

Grand-Slam 2005/2006
Noch besser lief es in der Olympischen Sasion 2005/2006 für Kostelic. Mit dem Sieg beim Slaom in Ofterschwang hatte sie in allen fünf alpinen Disziplinen binnen einer Saison siegen können - eine Leistung, die zuvor nur Petra Kronberger einmal geglückt war. Damit hat sich die Kroatin für immer in den Ski-Geschichtsbüchern verewigt. Vergoldet hat sie diese Leistung durch eine weitere Goldmedaille bei den XX. Olympischen Winterspielen 2006 in Turin, wo sie ihren Titel in der Kombination verteidigen konnte.

Wie im Märchen
In ihrem Heimatland Kroatien ist sie längst die 'Schnee-Königin'. Beweis: Sie dominiert nicht nur den Weltcup als eine der besten Skiläuferinnen aller Zeiten, sondern auch die kroatische Post: 'ihr Volk' verewigte sie bereits auf einer Briefmarke, die es Janica zu Ehren herausgab!

Steckbrief
Geboren: 05.01.1982 in Zagreb
Nation: Kroatien
Größe: 174 cm
Gewicht: 66 kg
Hobbies: Sammelt Shirts von Sport-Stars, Handball
Web: www.kostelic.com

Erfolge
Mit einem unglaublichen Gold-Triple hat Janica Kostelic in Salt Lake City (USA) Sportgeschichte geschrieben und als erste alpine Skirennläuferin vier Olympia-Medaillen in acht Tagen gewonnen. Nun ein kurzer Blick in ihren Karrierespiegel - die einzelnen Disziplinen sind wie folgt abgekürzt: DH=Abfahrt, SG=Super-G, GS=Riesenslalom, SL=Slalom, K=Kombination

Olympische Spiele:
2006 in Turin (ITA): K (1), SG (2), SL (4)
2002 in Salt Lake City (USA): SG (2), GS (1), SL (1), K (1)
1998 in Nagano (JPN): DH (25), SG (26), GS (24), K (8)

Weltmeisterschaft:
2005 in Bormio (ITA): DH (1), K (1), SL (1), GS (DNS)
2003 in St. Moritz (SUI): SG (19), K (1), GS (13), SL (1)
2001 in St. Anton (AUT): SG (13), SL (5),
1999 in Vail/Beaver Creek (USA): DH (29), SG (22), GS (23), K (7)

Weltcup:
Weltcup-Gesamtsiegerin 2001, 2003 und 2006
Weltcup-Gesamtwertungs-Zweite 2005
Weltcup-Disziplinen-Siegerin im Slalom 2001, 2003 und 2006
insgesamt 30 Weltcup-Siege