Martina Ertl-Renz galt während ihrer aktiven Zeit als eine der vielseitigsten und besten Skifahrerinnen im Weltcupgeschehen der alpinen Damenszene. Zudem war die sympathische Lenggrieserin der Liebling der deutschen Ski-Fans.

Wir zeigen euch hier den Karriereverlauf bis zur Saison 2005/2006. Danach ist dieses Porträt nicht weiter aktualisiert worden. 

Wenn schon Skifahren, dann richtig
Martina Ertl wurde am 12. September 1973 in Bad Tölz geboren. Ihr Vater, Landwirt von Beruf, schnallte ihr bereits mit zweieinhalb Jahren die Ski an. Und Martina, zwei Jahre älter als ihr Bruder Andreas, der ebenfalls im Weltcup aktiv war, stellte sich gar nicht so schlecht an. Also wurde sie Mitglied im Skiclub Lenggries und nahm als Sechsjährige erstmalig an Kinderskirennen teil.

Der Erfolg stellte sich früh ein
Als Jugendliche war Ertl bereits überaus erfolgreich auf den Pisten dieser Welt. So fuhr sie 1991 zur Junioren-Weltmeisterschaft nach Hemsedal in Norwegen und schnappte sich zwei Medaillen, die Silberne im Riesenslalom und die Bronzene in der Kombination. Sie fuhr nicht besonders kraftvoll, dafür aber mit einer hervorragenden Technik und explosiv zwischen den Toren. Das zeigte sich dann auch bei den Deutschen Meisterschaften, bei denen sie als Jungspund den Slalomtitel abgreifen konnte.

Auch starker Karrierebeginn im Weltcup
Während andere Fahrerinnen Jahre brauchten, bis sie im Weltcup Fuß fassten, ging für Ertl der Start gut los. Ihre ersten Rennen bestritt sie in der Saison 1990/1991. Tolle Resultate lieferte sie bei ihren fünf Starts in der darauf folgenden Saison ab. Mit zwei zehnten Plätzen in Italien machte sie auf sich aufmerksam und durfte mit der deutschen Mannschaft zu den Olympischen Spielen in Albertville reisen. Mit noch nicht einmal 20 Jahren war es eine tolle Erfahrung für die 'kleine Tina', die bei ihrem einzigen Rennen, dem Slalom in Meribel, einen sehr guten 15. Platz erreichte.

Vielseitigkeit, die ihresgleichen suchte
Im Winter 1992/1993 wurde die vielseitige Martina Ertl bei Rennen jeglicher Form gesichtet. Ob im Slalom, Riesenslalom, Super-G oder Abfahrt: Ihr gelangen überall gute Ergebnisse. Vor allem im Riesenslalom war sie eine ernstzunehmende Gegnerin, verpasste in Maribor das Stockerl nur knapp. Dieser Sprung gelang ihr dann bei der Ski-WM in Morioka (JAP). Als Dritte hinter Carole Merle und der 'Grand Dame' der Österreicherinnen, Anita Wachter, gewann sie die Bronze-Medaille. Im März 1994 in Vail dann ihr erster Weltcup-Sieg. Nach zweiten Plätzen in Veysonnaz und bei den Olympischen Spielen in Lillehammer, wo die fantastisch auftrumpfende Italienerin Deborah Compagnoni ihr die Goldmedaille im Riesenslalom wegschnappte, konnte Ertl einen souveränen Sieg mit acht Zehnteln Vorsprung feiern. In der Riesenslalom-Gesamtwertung wurde sie in dieser Saison Zweite.

Ertl ist die Weltspitze
Ohne jemals in ihrer Karriere zu langsam gewesen zu sein, um in der Weltspitze mitzufahren, wurde Ertl zum Inbegriff für Kampfeswillen und Schnelligkeit. In den Wintern 1994/95 und 1995/96 triumphierte sie sechsmal, zum ersten Mal auch im Slalom in Garmisch-Partenkirchen, außerdem in Maribor (2x), Vail, Val d'Isere und Veysonnaz. Das bedeutete einen zweiten Rang in der Weltcup-Gesamtwertung 1996 und den Gewinn des Riesenslalom-Weltcups. Zu der WM nach Sierra Nevada (SPA) war sie als eine der Top-Favoritinnen angereist, musste sich aber wiederum Deborah Compagnoni und Karin Roten Meier geschlagen geben und holte Bronze im Riesenslalom. Ein Sieg bei einem Großereignis war ihr noch nicht vergönnt. Nach sehr erfolgreichen Jahren dann ein Rückschlag. Ertl verletzte sich gleich zweimal am Knie und durchlebte eine schwierige Saison 1996/97, in der sie zwar Rennen bestritt, jedoch als bestes Ergebnis lediglich einen dritten Platz in Vail vorzuweisen hatte.

Nur über Ertl geht der Sieg
Unglaubliche 12mal schaffte sie 1997/1998 den Sprung auf's Treppchen bei Weltcup-Rennen. Fünf gewann sie, sechs mal wurde sie Zweite. Ging Ertl an den Start, starrte der gesamte Ski-Zirkus gebannt auf die Piste. Wieder ließ sie sich den Riesenslalom-Weltcup nicht nehmen und wieder wurde sie Zweite im Gesamt-Weltcup. Und wieder blieb ihr der Erfolg bei Olympischen Spielen verwehrt. Zwei bittere vierte Plätze im Slalom und Riesenslalom in Nagano waren bei den Siegen von Hilde Gerg und der Konkurrentin Deborah Compagnoni das Resultat, das Ertl nicht zufrieden stellen konnte. Auch die Silbermedaille in der Kombination entschädigte nur ein wenig für das 'Blech' in den Spezialrennen.

1998/99 kein Weltcup-Sieg
Eine Saison ohne Sieg. Das kam nicht oft vor in der Karriere der naturverbundenen Bayerin. Und trotzdem kann man 1998/99 nicht als durchschnittlich abtun, immerhin wurde Ertl Gesamt-Weltcup-Vierte und sechs mal Zweitplatzierte. Nur die WM in Vail lief so gar nicht nach Martinas Geschmack. Zwei fünfte Ränge waren zwar ein gutes Ergebnis, aber leider kam wieder kein Sieg bei einer Großveranstaltung heraus. Das gelang ihr dann endlich 2001 in St.Anton. Noch zum Jahreswechsel 2000/2001 war nach einer Verletzung, die sie sich damals beim Slalom am Semmering vor den Toren Wiens am Knie zugezogen hatte, nicht an eine Teilnahme bei der Weltmeisterschaft zu denken. Doch dann wurde sie Weltmeisterin in der Kombination. Deutlich, mit fast drei Sekunden Vorsprung, holte sie sich den Titel der vielseitigsten Fahrerin. Eine fantastische Leistung.

Olympia versöhnt Ertl mit der Saison 2001/2002
Bei den Olympischen Spielen in Salt Lake City hatte Ertl einmal mehr ihre Kämpferqualitäten unter Beweis gestellt. Ihre dritte olympische Medaille half der ehrgeizigen Allrounderin aus einer schwierigen Lage heraus. Zuvor war im Weltcup nicht viel zusammengelaufen. Aber mit Training und Mut zur Aggressivität hatte sich die Deutsche wieder auf das Stockerl gefahren.

Sieg zum Auftakt in Sölden
Der Weltcup-Winter 2003/2004 begann für Martina Ertl äußerst erfolgreich. Gleich beim ersten Riesenslalom der Saison in Sölden konnte Ertl wieder einmal einen Weltcup-Sieg feiern. Bis zum Ende der Saison erreichte sie noch drei weitere Podestplatzierungen.

Gold im Teamwettbewerb
Im nachfolgenden Jahr standen für Ertl die wohl letzten Weltmeisterschaften ihrer Karriere an. In den Einzelwettbewerben konnte Ertl kein Edelmetall gewinnen, wobei gerade der vierte Rang im Riesenslalom äußerst unglücklich war. Doch beim letzten Event der Titelkämpfe, dem erstmals ausgetragenen Teamwettbewerb, trug Ertl maßgeblich zum überraschenden Sieg der deutschen Mannschaft bei. Damit gewann sie ihr zweites Gold bei Weltmeisterschaften.

Podest in Are zum Karriereende
Nach ihrer Hochzeit im Sommer 2005 ging die Deutsche als Martina Ertl-Renz in der Saison 2005/2006, die zugleich ihre letzte sein sollte. Dabei lief nicht immer alles nach Wunsch, in einigen Rennen lag die erfolgsverwöhnte DSV-Fahrerin weit hinter der Spitze zurück. Auch die Olympischen Spiele 2006 in Turin geizten mit Erfolgen. Wie das gesamte deutsche Team ging auch Ertl-Renz leer aus. Immerhin Platz sieben belegte die Lenggrieserin als bestes Resultat in der Kombination. Doch ohne ein Erfolgserlebnis verabschiedete sich die Klassefahrerin Ertl-Renz nicht vom Weltcup: Bei den Finals im Are (SWE) gelang ihr im Super-G der Sprung auf das Podest. So verließ die Deutsche in Siegerpose die internationale Ski-Bühne.

Steckbrief
Geboren: am 12.09.1973 in Bad Tölz
Nation: Deutschland
Größe: 162 cm
Gewicht: 62 kg
Hobbies: Sport, lesen, ausgehen
Web: www.martina-ertl.de

Erfolge
Es folgt ein Blick auf den erfolgreichen Karriereverlauf von Martina Ertl. Die einzelnen Disziplinen sind wie folgt abgekürzt: DH=Abfahrt, SG=Super-G, GS=Riesenslalom, SL=Slalom, K=Kombination

Olympische Spiele:
2006 in Turin (ITA): SL (DNF), GS (15), SG (16), K (7)
2002 in Salt Lake City (USA): SL (5),GS (DNF),SG (11),K (3)
1998 in Nagano (JAP): SL (4), GS (4),SG (7),K (2)
1994 in Lillehammer (NOR): SL (14),GS (2),DH (4),K (5)
1992 in Albertville (FRA): SL (15)

Weltmeisterschaft:
2005 in Bormio (ITA): GS (4),K (7),SL (DNF),Team (1), SG (DNF)
2003 in St. Moritz (SUI): SL (DNF),GS (10),SG (11),K (6)
2001 in St. Anton (AUT): SL (DNF),GS(DNF), K (1)
1999 in Vail (USA): SL (DNF),GS (5),DH (10),SG (5)
1997 in Sestriere (ITA): GS (12),SG (16)
1996 in Sierra Nevada (SPA): SL (DNF),GS (3),SG (8),K(8)
1993 in Morioka (JAP): SL (17),GS (3),SG (12)

Weltcup:
Weltcup-Disziplinen-Siegerin im Riesenslalom 1996 und 1998
2. Platz im Gesamtweltcup 1996 und 1998
insgesamt 14 Weltcup-Siege