Damen-Cheftrainer Wolfgang Maier nimmt am Ende der Weltcup-Saison 2005/2006 Stellung zur derzeitigen Situation im Damen-Bereich des Deutschen Skiverbands.

Ski2b.com: Wie fällt das Fazit der Olympia-Saison 2005/2006 aus? Wo stehen die DSV-Damen leistungstechnisch?
Wolfgang Maier: Nach den Ergebnissen im Weltcup und Olympischen Spielen ohne Medaille lässt sich natürlich kein positives Fazit der vergangenen Saison ziehen. Gleichwohl spiegelt diese Saison aber nicht die wahre Leistungsstärke des DSV-Damen-Teams wieder. Gerade auf Europacup-Ebene verfügen wir über Läuferinnen, denen es innerhalb der nächsten zwei Jahren gelingen sollte, an den Spitzenbereich im Weltcup heran zu fahren.

Ski2b: Wo liegen die Ursachen für die fehlenden Erfolge des DSV in den letzten Jahren?
Wolfgang Maier: Wir haben es ganz klar nicht geschafft, junge Athletinnen an das Weltcup-Niveau heranzubringen. Dazu schwächten viele Verletzungen die Schlagkraft der bestehenden Weltcup-Mannschaft. Unsere personelle Decke ist derzeit zu gering, um Ausfälle einer Maria Riesch oder einer Hilde Gerg kompensieren zu können.


Ski2b: Welche Konzepte, Lösungsansätze gibt es im Damen-Bereich, damit wieder mehr Top-Platzierungen in der Zukunft erreicht werden?
Wolfgang Maier: Wir haben bereits 2003 neue Strukturen installiert. Diese Strukturen wurden langfristig angelegt und daran halten wir auch fest. Eckpunkte sind eine intensive und individuelle Förderung unserer Talente, ein schlagkräftiges Trainerkollektiv zu bilden und das Ziel, Athleten in jungen Jahren in der jeweiligen Wettkampfebene nach oben zu führen.

Ski2b: Wer sind die hoffnungsvollsten Athletinnen im Nachwuchs-Bereich? Worauf wird es bei Ihnen ankommen, damit sie den Sprung in die Weltspitze schaffen?
Wolfgang Maier: Mehrere Athletinnen zeigen eine viel versprechende Entwicklung: Fanny Chmelar, Carolin Fernsebner, Veronika Staber, Gina Stechert oder auch eine Viktoria Rebensburg. Generell ist es unsere Aufgabe junge Talente konsequent und individuell zu fördern. Hierzu gehört auch, das persönliche Umfeld bestmöglich zu gestalten, so dass ein Miteinander von Schule und Sport möglich ist.

Ski2b: Wie wichtig wäre eine WM 2011 im eigenen Land für den alpinen Bereich? Was erwarten Sie für positive Effekte durch eine erfolgreiche Bewerbung?
Wolfgang Maier: Alpine Weltmeisterschaften in Garmisch-Partenkirchen wären ein deutliches Signal an alle, die den alpinen Skisport in Deutschland unterstützen und betreiben. Des Weiteren könnten die Veranstalter, die über viele Jahre hinweg hervorragende Arbeit geleistet haben, unseren Sport auf einer großen Bühne präsentieren. Insgesamt erwarte ich mir eine Sogwirkung, eine Identifikation mit unserem Sport quer durch die Gesellschaft.

Ski2b: Herr Maier, vielen Dank für das Gespräch.