Der Endspurt hat begonnen: Im schwedischen Are steht für die Ski-Elite noch einmal ein hartes Programm an. Bis zu fünf Wettbewerbe in fünf Tagen werden die Allrounder vom 15. bis 19. März absolvieren. Dabei stehen auch einige Weltcup-Entscheidungen noch aus.

Elitäres Treffen
Traditionell findet das Weltcup-Finale im Jahr vor einer alpinen Ski-WM dort statt, wo nächste Saison die Welttitelkämpfe ausgerichtet werden. Für die Veranstalter in Are sind die Weltcup-Finals also eine Generalprobe für das Großereignis von 2007. Dabei wird der Testlauf für die WM nur mit einem kleinen Feld bestritten, denn zu den Finals qualifizieren sich nur die jeweils 25 Besten einer Disziplin, sowie alle, die insgesamt auf mehr als 400 Zähler kommen. Außerdem erhalten die frisch gekürten Junioren-Weltmeister in Are einen Startplatz.

Kristallkugeln zu vergeben
Die besondere Spannung bei den Finals resultiert aber aus deren entscheidendem Charakter. Bislang stehen bereits in vier von zehn Kategorien die Sieger und Siegerinnen fest. Vor allem bei den Damen gab es bereits drei vorzeitige Entscheidungen: Michaela Dorfmeister sicherte sich gleich beide Speed-Trophäen in Abfahrt und Super-G und kann ihre wohl letzten Auftritte auf dieser Bühne nun wirklich genießen. Janica Kostelic ist in der Slalom-Wertung nicht mehr einzuholen. Bei den Herren steht seit den Rennen in Japan der Gesamt-Weltcupsieger bereits fest: Benjamin Raich entthronte dort den Amerikaner Bode Miller. Die restlichen Kugeln sind aber noch nicht vergeben. Dabei hat sich Janica Kostelic in der Gesamtwertung der Damen bereits einen beträchtlichen Vorsprung herausgefahren. Vier Rennen vor Schluss liegt sie 254 Zähler vor ihrer Konkurrentin Anja Pärson. Die wird es auch mit dem Heimvorteil auf ihrer Seite kaum schaffen, der Kroatin diesen Vorsprung noch abspenstig zu machen.

Speedfahrer fahren vor
Im Kalender sind dabei zunächst die Speedfahrer an der Reihe. Am 15. März stehen beide Abfahrten auf dem Programm. Bei den Damen geht es dabei nur noch um den Kampf um die Plätze hinter Dorfmeister. Mit Alexandra Meissnitzer liegt eine weitere Österreicherin in aussichtsreicher Position, um es auf die ersten drei Plätze zu schaffen. Dagegen werden Lindsey Kildow und Janica Kostelic ihre zuletzt starke Form auch in Schweden unter Beweis stellen wollen. Spannender aber geht es bei den Herren zu: Dort führt Michael Walchhofer das Klassement mit 498 Punkten an, gefolgt von seinem Landsmann Fritz Strobl (beide AUT, 441). Rein rechnerisch haben auch noch Daron Rahlves (USA, 408) und der Liechtensteiner Marco Büchel (400) Chancen auf den Gesamtsieg, sie müssten aber auch bei einem eigenen Sieg noch auf den Ausfall der Führenden hoffen. Zum ersten Mal nach seinem spektakulären Olympiasieg wird auch Antoine Deneriaz (FRA) wieder im Weltcup auflaufen. Er liegt aber als 16. der Wertung weit zurück. Sein Comeback nach der kurzen Weltcup-Pause gibt in Are auch US-Star Bode Miller.

Super-G: Acht Herren fahren um die Kugel
Auch im Super-G am 16. März steigt die Fieberkurve der Ski-Damen nur langsam. Auch dort ist Michaela Dorfmeister nicht mehr einzuholen und führt vor Teamkollegin Alexandra Meissnitzer und Nadia Styger (SUI). Vielleicht sehen wir aber auch in Are ein ähnlich spektakuläres Rennen wie zuletzt in Hafjell (NOR), als sich drei Damen den Sieg teilten und Kelly Vanderbeek mit nur einer Hundertstel Rückstand das Podium verpasste. Bei den Herren ist die Entscheidung in dieser Disziplin dagegen völlig offen. Hermann Maier führt zwar derzeit mit 232 Punkten, allerdings haben noch sieben weitere Athleten die Chance auf die kleine Kristallkugel. Der zweitplatzierte Aksel-Lund Svindal (NOR, 224) war zuletzt in guter Form und wird sich ähnlich wie die Routiniers Aamodt (NOR, 191), Rahlves (USA, 189) und Hoffmann (SUI, 165) nicht so leicht um diese Chance bringen lassen. Ihnen gegenüber steht die wohl kommende Generation, mit Hannes Reichelt (AUT, 221) und dem Kanadier Erik Guay, der mit 204 Zählern derzeit Vierter ist. Dieses Rennen verspricht also Hochspannung!

Riesenslalom-Kugel an Pärson?
Nach den Speed-Rennen stehen die Höhepunkte für die Techniker auf dem Programm. Während die Herren am 17. März zunächst mit dem Riesenslalom beginnen, fahren die Damen erst die Slalom-Entscheidung aus. Am 18. März folgen dann die jeweils anderen Disziplinen. Hier werden vor allem die Fans vor Ort mit ihrer Lokalmatadorin mitfiebern. Anja Pärson liegt in der Riesenslalom-Wertung mit 550 Zählern recht klar vor Maria-Jose Rienda-Contreras, die auf 505 Punkte kommt. Da die Spanierin aber zuletzt die besten Leistungen in dieser Disziplin zeigte, ist ihr der Sprung ganz nach oben durchaus noch zuzutrauen. Für Pärson spricht, dass sie den Hang am besten kennt und schon viele gute Ergebnisse in Are vorweisen kann. Doch auch bei den Herren ist diese Wertung noch heiß umkämpft. Benjamin Raich will hier eine weitere Kugel einfahren und führt mit 381 Punkten. Auf seinen Fersen lauert der Italiener Massimiliano Blardone, der 362 Zähler auf seinem Konto hat. Und auch Fredrik Nyberg (SWE, 354), Davide Simoncelli (ITA, 314) und Kalle Palander (FIN, 306) sind rechnerisch noch mögliche Titelträger im Riesenslalom.

Rocca oder Palander? Duell im Stangenwald
Für den Finnen Palander wird es dann auch im Slalom noch einmal richtig ernst. Dort ist er nach seinem Sieg in Shigakogen der einzige verbliebene Herausforderer des Italieners Giorgio Rocca. Bis auf 52 Zähler ist dessen zeitweise gewaltiger Vorsprung inzwischen zusammengeschmolzen, nachdem Rocca mit fünf Siegen in Serie zum Saisonauftakt das Feld noch nach Belieben dominiert hatte. Nun schwächelt Rocca, der auch bei den Spielen leer ausging, während Palander sich zuletzt in glänzender Form zeigte. Ein spannendes Duell zeichnet sich ab. Bei den Damen ist hier nach dem Wochenende in Levi (FIN) alles klar. Janica Kostelic ist nicht mehr einzuholen, dahinter rangieren derzeit Marlies Schild und Anja Pärson. Kathrin Zettel zeigte eine starke Saison mit vielen Podestplätzen, ein Sieg fehlt ihr aber noch.

Team-Event: Weltcup-Debut für das Mannschaftsfahren
Bei der WM 2005 feierte der Nations Team Event seine Premiere. Völlig überraschend gewann damals Deutschland die Konkurrenz und damit die Goldmedaille. Eine Wiederholung des Erfolges steht am 19. März in Are nicht zu erwarten. Top-Favoriten sind die Österreicher, aber auch die Amerikaner sind stark zu bewerten, wenn ihre Stars sich zu guten Leistungen für die Mannschaft hinreißen lassen können. Die erste Version hat aber gezeigt, dass ein Mannschaftsevent seine eigene Dynamik hat und durchaus Platz lässt für Überraschungen. In jedem Fall dürfte der schnelle und abwechslungsreiche Wettkampf wieder viele neue Fans finden.

Deutschland mit sieben Athleten dabei
Kein DSV-Athlet konnte in diesem Winter die magische 400 Punkte-Hürde knacken, sieben Deutsche sicherten sich aber einen Startplatz in Are. Kathrin Hölzl schaffte auf den letzten Metern noch den Sprung unter die Top-25 im Riesenslalom - ein großer Erfolg für sie. Im Slalom war die Teilnahme von Annemarie Gerg und Monika Bergmann-Schmuderer schon recht früh sichergestellt. Petra Haltmayr hat souverän das Ticket für die Speed-Disziplinen gelöst. Am erfolgreichsten aber war in ihrer letzten Saison Martina Ertl-Renz, die nur in der Abfahrt nicht dabei sein wird. Sie feiert in Schweden den Abschluss einer sehr erfolgreichen Karriere und wird danach ihre aktive Laufbahn beenden.
Bei den Herren tritt wie bei Olympia nur ein Zwei-Mann-Team an, um die Farben des DSV zu vertreten. Alois Vogl und Felix Neureuther haben beide einen Startplatz im Slalom erworben. In den anderen drei Disziplinen werden die Wettkämpfe ohne deutsche Beteiligung stattfinden.