Ski2b.com: Wie bewertest Du die Lage im alpinen Bereich des DSV? Worin liegen Deiner Meinung nach die Ursachen für die momentane Krise im alpinen Sektor?
Stefan Stankalla: Die Lage im alpinen Bereich ist sehr ernst. Einerseits ist Skifahren nicht mehr die dominante Wintersportart für Schüler und Jugendliche, andererseits wurden in der Vergangenheit Fehler gemacht, die sich jetzt immer dramatischer auswirken.

Ski2b: Welche Maßnahmen sollten Deiner Meinung nach ergriffen werden, um den alpinen Skirennsport in Deutschland wieder nach vorne zu bringen, damit der DSV bei einer eventuellen WM im eigenen Land 2011 mit einer schlagkräftigen Mannschaft antreten kann?
Stefan: Derzeit haben wir wenige renommierte Athleten, die Weltklasse-Leistungen bringen und beinahe ebenso wenig Talente, die den Sprung in die Weltklasse schaffen können. Wir müssen den alpinen Skisport wieder attraktiver für die Schüler und Jugendlichen machen, damit aus einer breiten Basis gezielt Talente gefördert werden können. Die Verbindung von Schule und Sport ist dabei ein wichtiges Thema. Wenn nicht beides gut koordiniert nebeneinander ablaufen kann, dann zieht gerade in Deutschland immer der Sport den kürzeren. Desweiteren muss sich der Deutsche Skiverband auf gewisse Kern-Disziplinen konzentrieren und einen systematischen Aufbau seiner Athleten über mehrere Jahre kontinuierlich verfolgen. Ein Benchmark mit Skinationen wie etwa Schweden, Kanada oder Finnland, die ähnliche Probleme hatten, könnte helfen.

Ski2b: Aus Deiner eigenen Erfahrung heraus: Wie hast Du die eigene Förderung durch den DSV wahrgenommen? War das Nachwuchskonzept ausreichend?
Stefan: Die Förderung des DSV war für mich sehr gut. Leider gab es damals noch kein wirkliches Konzept, das Schule und Sport gleichberechtigt verbunden hat. Die Struktur mit Stützpunkt-Mannschaften und DSV-Kadern hat mir auf meinem sportlichen Werdegang weitergeholfen. Allerdings sind während dieser Zeit, aus Mangel an Auffang-Möglichkeiten, viele Athleten ausgemustert worden, die später für eine breite Basis gefehlt haben.