Josef Schild ist staatlich geprüfter Skilehrer und als Skitrainer bereits seit 1985 für den SC Dienten für die Ausbildung der Kinder und Schüler zuständig. Seit 1992 ist er auch Referent im Apinreferat des Salzburger Landesschiverbandes. Das beste Beispiel seiner Ausbildungsarbeit aber ist sicher seine eigene Tochter Marlies Schild, die derzeit zu den weltbesten Skirennläuferinnen zählt und auch bei den Olympischen Winterspielen zweimal mit Edelmetall dekoriert wurde. Im Gespräch mit Ski2b.com erläutert er das erfolgreiche österreichische Ausbildungssystem.

Ski2b.com: ÖSV-Athleten beherrschen sein Jahrzehnten die skialpinen Wettbewerbe. Fast in jedem Jahr kommen neue Supertalente an die Weltspitze heran. Was ist das Erfolgsrezept der österreichischen Jugendarbeit? Wie funktioniert die Jugendförderung in ihrer Heimat, dem Pinzgau?
Josef Schild: Grundsätzlich ist das Ziel unserer Nachwuchsarbeit in Österreich, dass soviele Kinder wie nur möglich für den alpinen Skirennsport begeistert werden können. Die Ausbildung findet hier in den einzelnen Vereinen statt. Die skitechnischen Grundlagen und die Begeisterung werden hier gelegt. In unserer Heimat, dem Pinzgau, wird diese Arbeit in 30 Vereinen durchgeführt. Für die 6- bis 10-jährigen Kinder werden regionale Kindercuprennen in den einzelnen Talschaften mit ca. 3-4 Rennen veranstaltet. Die Teilnehmerzahl pro Rennen beträgt etwa 60 bis 100 Starter. Für die letzten beiden Kinderjahrgänge wird noch ein Bezirkskinderrennen als Sichtung bzw. als Qualifikation für das Landeskinderrennen veranstaltet. Teilnehmerzahl: 120 bis 140 Starter! 25 Kinder dieses Rennens sind dann für das Landeskinderrennen (Teilnehmerzahl: 130 Starter) des Salzburger Landesschiverbandes qualifiziert. Die besten Rennläufer des letzten Kinderjahrganges werden dann mit einer zusätzlichen Technikauswertung in einem Schüleraufsteigerkader zusammengefasst. Für den Schüler- und Jugendrennläufer werden sechs bis sieben Bezirksskirennen veranstaltet. Teilnehmerzahl: 180 - 190 Starter! Die Schülerjahrgänge müssen sich bei diesem Rennen für die Landescuprennen qualifizieren (Startquote Pinzgau: 25 Starter)! Bei den Landescuprennen (10 Rennen pro Saison) starten je nach Bewerb ca. 190 bis 230 Rennläufer. Die Ergebnisse dieser Rennen bilden die Grundlage für die Teilnahme an den österreichischen Schülermeisterschaften. Startquote Salzburg: 25 Starter. Ebenso bilden die Rennergebnisse mit einer Technikbewertung die Grundlage für die Aufnahme in den Salzburger Schülerkader. Der Kader wird jedes Jahr neu erstellt. Kadergröße: ca. 22 RennläuferInnen. Im Jugendalter bilden die Rennergebnisse bei den FIS-Rennen die Grundlage für die Aufnahme in den Salzburger Jugendkader. Ab dem zweiten Jugendjahr besteht die Möglichkeit, in den österreichischen Nachwuchskader aufzusteigen.

Ski2b: Welche Strukturen und Trainingsbedingungen findet ein talentierter Athlet in Österreich vor, die seine weitere Karriere fördern?
Josef Schild: Mit dem letzten Kinderjahrgang ist meistens der Umstieg von Volksschule in eine Hauptschule oder ein Gymnasium verbunden. Ab diesem Alter sollte sichergestellt sein, dass während der Wintermonate neben dem Wochenendtraining auch während der Woche noch an zwei Tagen Skitraining möglich ist. In unserem Bezirk besteht diese Möglichkeit an zwei Schulen, die ein spezielles Skitraining anbieten. Daneben gibt es noch mehrere Vereine und Talschaften, die dieses Training ebenso anbieten. Das Skitraining wird von Oktober bis Mai durchgeführt. Im Vordergrund steht bei den 10- bis 14-jährigen Rennläufern die skitechnische und körperliche Ausbildung, vor dem reinen Rennfahren. Wichtig für diese Altersgruppe ist, dass sie Spaß und Leidenschaft für den Leistungssport 'Ski Alpin' entwickeln.
Nach dem Abschluss der Grundschule besteht nunmehr die Möglichkeit, in eine weiterführende Schule (Gymnasium, Handelsschule, Hotelfachschule...) umzusteigen, wo neben der schulischen Ausbildung die Ausbildung zum Skirennläufer möglich ist. Grundlage für die Aufnahme an eine dieser Schulen ist die positive Ablegung einer Aufnahmeprüfung. An diesen Schulen ist das Konditions- und Skitrainig an fünf Tagen während der Woche und von September bis Juli möglich. Die Programme und Termine werden österreichweit mit den Schulen und den Landesverbänden koordiniert.

Ski2b: In welchem Alter sollte ein Kind als Talent erkannt und gefördert werden, um es im Skisport nach ganz vorne zu bringen?
Josef Schild: Ab dem 10. bis 12. Lebensjahr sollten Kinder, welche ein gewisses Talent für das Skifahren mitbringen, in einem System zusammengefasst und gemeinsam gefördert werden. Wichtig ist jedoch, dass bis zum Ende der schulischen Ausbildung (18./19. Lebensjahr) so viele Talente wie möglich der Ausbildung zum Skirennläufer erhalten bleiben.