Norbert Coray verfügt über einen guten Einblick in die Ausbildungspraxis des Schweizer Skiverbandes Swiss Ski: Er koordiniert als Chef der Interregion Ost die Arbeit mit den Talenten in der Ostschweiz, einer von drei Verwaltungsregionen bei den Eidgenossen.

Ski2b.com: Wie funktioniert die Jugendarbeit bei Swiss Ski? Über welche Förderungsmaßnahmen wird den talentierten Skifahrern der Sprung zu den nationalen Auswahlkadern ermöglicht?
Norbert Coray: Die Basis unserer Jugendarbeit liegt in den Skiclubs. Darüber hinaus fließen die talentierten Jugendlichen, ab Schüler II, in die regionalen Stützpunkte und bei Erreichen des Juniorenalters in die Interregionalen Trainingsgruppen.

Ski2b: Nur über effektives Scouting können die größten Talente auch wirklich unterstützt werden. Wie erfolgt die Sichtung von solchen Talenten?
Norbert Coray: Im Schülerbereich drängen sich die jungen Athleten über regionale wie interregionale Ausscheidungsrennen für die nationalen Rennen auf. Seit fünf Jahren werden bei den nationalen Rennen die Besten ca. 40 Mädchen und Knaben ausgelesen und zu den Summer Camps eingeladen, diese elitären Ski- und Konditionstrainingscamps werden von Swiss-Ski geleitet und umfassen etwa 22 Trainingstage.
Bei den JuniorInnen erfolgt die Auslese der Athleten zum Teil über die Resultate an FIS- und Europacup-Rennen, das Scouting erfolgt über die C-Kader Trainer und die von Swiss-Ski eingesetzten Interregions-Chefs.

Ski2b: Welche Strukturen und Trainingsbedingungen findet ein talentierter Athlet in der Schweiz vor, die seine weitere Karriere fördern?
Norbert Coray: Für den Athlet, der eine Berufsausbildung absolviert, sind die Trainingsbedingungen nach wie vor sehr schwierig, Trainingszeiten, Trainingsumfang, Berufsschule, Erholungsphasen usw.
Für Athleten, die sich schulisch weiterbilden, bieten sich drei sehr gut funktionierende Sportgymnasien an. An diesen Sportschulen werden die Schüler, neben der schulischen Ausbildung, auch mit Ski- und Konditionstrainings gefördert.
Neu entsteht in der Schweiz eine Ski-Akademie, die vom nationalen Verband Swiss-Ski geführt wird. Zielgruppen sind die besten ca. zehn Athleten pro Jahrgang im Juniorenalter. Zusätzlich werden in den drei Interregionen drei Nationale Leistungszentren entstehen, die an die bereits bestehenden Sportgymnasien angeschlossen werden. Zielgruppen ist hier der letzte Schüler-Jahrgang und die Junioren-Jahrgänge.

Ski2b: In welchem Alter sollte ein Kind als Talent erkannt und gefördert werden, um es im Skisport nach ganz vorne zu bringen?
Norbert Coray: Um einen Athleten richtig ausbilden zu können, ist es nicht nur wichtig, den Athleten zu entdecken, sondern ihn in die für seinen Lebensabschnitt wichtigen Faktoren zu schulen und vorhandene Defizite aufzuarbeiten.

Ski2b: Wieviel Zeit benötigt ein jugendlicher Athlet für Training und wie werden Schule und Sport unter einen Hut gebracht?
Norbert Coray: Der Trainingsaufwand ist heutzutage enorm. Die sportlichen Anforderungen an die Jugendlichen steigern sich jährlich. Nicht nur die Konkurrenz, sondern auch das Material erfordert vom Athleten eine überdurchschnittliche Fitness, damit Verletzungen minimiert werden können.
Um die Weltspitze zu erreichen hat der Athlet nur eine gewisse Zeit, seinen Körper mit den dafür wichtigen konditionellen Faktoren auszubilden und das benötigt viel Zeit. Somit muss ein Weg gefunden werden, die Ausbildungszeit zu verlängern, damit man nach der Sportlerkarriere in ein Berufsleben eintreten kann.

Ski2b:Vielen Dank für das Interview!