Die Olympischen Spiele haben den Trend bestätigt, der sich bereits im Weltcup abgezeichnet hat: Deutschland ist keine alpine Nation von Rang mehr. Weder bei den letzten alpinen Weltmeisterschaften noch bei Olympia konnten DSV-Sportler eine Einzelmedaille erringen. Im aktuellen Weltcup-Geschehen fahren die Deutschen zumeist hinterher oder sind, wie bei den Speed-Disziplinen der Herren, gar nicht mehr vertreten. Ist das nur eine Folge von ungewöhnlich vielen Verletzungen oder steckt der gesamte deutsche Skisport in einer Strukturkrise? Dieser Frage möchte Ski2b in den kommenden Wochen auf den Grund gehen und dazu die Meinungen und Stimmen von verschiedenen Seiten einholen, von Funktionären, Sportlern und Trainern.

Nur Rang zehn in der Nationenwertung
Die Fakten sind klar: Deutschland ist zurückgefallen hinter die großen Skinationen - und spielt im internationalen Vergleich aktuell keine bedeutende Rolle. Die Medaillenspiegel der alpinen Skisportler bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen waren zumeist Nullnummern - mit der rühmlichen Ausnahme des Team-Goldes von Bormio 2005. In der Weltcup-Nationenwertung, bei der alle Zähler der Sportler jedes Landes addiert werden, lässt sich der Trend wohl am deutlichsten ablesen. Gehörte das DSV-Team bis 1998 noch stabil zu den besten fünf Nationen - mit gelegentlichen Ausreißern nach oben - zeichnet sich seitdem ein stetiger Abwärtstrend ab. Und in diesem Winter wurde der bisherige Tiefpunkt erreicht. Nach den Olympischen Winterspielen belegte Deutschland im Winter 2005/2006 nur Rang zehn.

Zufall oder Strukturproblem?
Natürlich ist dieser schwache Wert zunächst auch auf eine Häufung von Verletzungen zurückzuführen. Zudem tritt eine Generation erfolgreicher Athleten ab - oder hat den Rücktritt vom aktiven Rennsport bereits vollzogen. Ein Generationenwechsel steht also an, und die Zukunft wird zeigen müssen, ob die aktuellen Talente den deutschen Skisport wieder in die Erfolgsspur bringen können. Allerdings ist die Zahl der Hoffnungsträger klein - es fehlt die Masse guter Skifahrer. Wo vor zehn Jahren noch die Speedfahrerinnen für einen Weltcup-Startplatz hart kämpfen mussten, ist Petra Haltmayr inzwischen eine Einzelkämpferin. Die aktuelle Messlatte für die Qualität der deutschen Nachwuchsathleten sind die Junioren-Weltmeisterschaften, die im März 2006 in Quebec (CAN) ausgetragen wurden.

Offener Diskurs gesucht
Vor diesem Hintergrund bietet Ski2b.com ein Forum, bei dem die folgenden Fragen offen diskutiert werden sollen: Wie kann die Jugendarbeit in Deutschland effektiver gestaltet werden? Wie arbeiten die Vereine, die nach den Stars von morgen scouten, wie werden die entdeckten Talente weiter gefördert und erreichen dadurch die Kader des DSV?

Blick über die Grenzen
Zudem will Ski2b auch einen Blick über die nationalen Grenzen werfen und sich unter anderem die sehr erfolgreiche Nachwuchsarbeit in Österreich anschauen. Auch der Schweizer Skiverband Swiss Ski musste sich nach den enttäuschenden Weltmeisterschaften 2005 umorientieren und hat nun ein nationales Leistungszentrum eingerichtet. Ob dieser Weg für die Schweizer Erfolg verspricht, wird aber erst in einigen Jahren sichtbar werden - denn die Jugendarbeit bringt natürlich keine kurzfristigen, sondern langfristige Erfolge. Daher sollte der Deutsche Skiverband bereits heute eine Frage nicht aus dem Auge verlieren: Welche Strategie verspricht den größten Erfolg, um bis zur möglichen Heim-WM 2011, die in Garmisch-Partenkirchen stattfinden könnte, ein starkes Team aufzubauen? Dafür haben wir in diesem Special viele interessante Gesprächspartner gefunden.