Der Amerikaner Ted Ligety hat nach seinem Olympiasieg in der Kombination nun auch seinen ersten Weltcup-Sieg eingefahren. In 2:18.54 Minuten distanzierte er die zeitgleichen Zweitplatzierten Fredrik Nyberg (SWE) und Kalle Palander (FIN) um drei Hundertstel. Der einzige deutsche Starter Felix Neureuther wurde 25.

Windböen sorgen für vier Stunden Verspätung
Der Wind und die Zeitnahme machten den Verantwortlichen beim zweiten Riesenslalom in Yongpyong (KOR) doch schwer zu schaffen. Das für zwei Uhr MEZ angesetzte Rennen wurde wegen orkanartiger Windböen zunächst auf 4:30 Uhr, dann auf 5:30 Uhr und schließlich auf sechs Uhr verschoben. Erst wenige Minuten vor sechs gab Renndirektor Günter Hujara an einem seiner bislang sicher schwersten Arbeitstage grünes Licht für den Start.

Zeitnahme bringt weiteren Ärger
Dann gab es auch noch Probleme mit der Zeitnehmung. Über elf Sekunden Vorsprung hatte die Stoppuhr dem Italiener Blardone zugestanden - möglicherweise hatte ein Blatt Papier die verfrühte Zeitnahme ausgelöst. Danach stritt man sich um den Rückstand des Führenden im Riesenslalom-Weltcup: Im Raum standen eine knappe Sekunde oder 1,5 Sekunden. Mit der schnelleren Zeit wurde Blardone dann in Durchgang eins gewertet, als Sechster. Aufgrund der vielen Verzögerungen wurden die Fahrer dann mit einem Startintervall von nur 40 Sekunden auf die Strecke geschickt.

Simoncelli vor Svindal
Im ersten Durchgang gab es aber auch noch sportliche Höhepunkte. So konnte Vortagessieger Davide Simoncelli erneut unter Beweis stellen, dass ihm dieser Hang besonders liegt und fuhr Bestzeit. Auch Aksel-Lund Svindal fühlt sich in Korea sehr wohl, er wurde Zweiter, dicht gefolgt von Benjamin Raich. Mit bereits acht Zehnteln Rückstand schufen sich Kalle Palander (FIN) und Thomas Grandi (CAN) eine gute Ausgangsbasis auf den Plätzen vier und fünf. Daron Rahlves, Ted Ligety und Fredrik Nyberg lagen bereits etwas mehr als eine Sekunde zurück. Viele Ausfälle gab es im ersten Lauf trotz der Windböen nicht. Eric Schlopy aus den USA und die Italiener Rocca und Mölgg waren die prominentesten Opfer der Piste ‚Rainbow I’.

Finale im Sulz
Der zweite Durchgang wurde bereits eine knappe Stunde nach Ende des ersten Laufs gestartet. Dadurch ergab sich nicht mehr die Möglichkeit, den Lauf umzustecken. Trotz emsiger Pistenarbeiter hatte deshalb die Piste vor allem in unteren Abschnitt bei Plusgraden stark gelitten und ließ einen gleichwertigen Wettkampf nicht mehr zu. Von den fünf schnellsten Laufzeiten kamen vier von den ersten fünf Startern des Finales. Die Besten verloren dagegen am Ende zwischen einer und zwei Sekunden.

Ligety bester Top-Fahrer im Finale
Vor allem Christoph Gruber konnte sich dadurch klar verbessern. 16 Plätze machte er gut und wurde als Zehnter noch zweitbester Österreicher. Er war als Fünfter gestartet und legte die Laufbestzeit auf die Piste. Der Neunte des ersten Durchgangs, Fredrik Nyberg, konnte dann im Finale die erste ernsthafte Zeitmarke setzen, wurde aber direkt vom späteren Sieger Ted Ligety von der Spitze verdrängt. Der Amerikaner kam von den Top-Fahrern im Schlussteil am besten zurecht und ahnte zu diesem Zeitpunkt sicher noch nicht, dass dies bereits sein erster Weltcup-Sieg sein sollte.

Alle scheitern an der Piste
Doch Ligety sah einen Konkurrenten nach dem anderen seine Vorgabe verpassen. Landsmann Daron Rahlves und der vor dem Rennen Führende im Riesenslalom-Weltcup, Massimiliano Blardone aus Italien, blieben deutlich hinter ihm. Thomas Grandi aus Kanada fehlten nur zwei Zehntel - dennoch fiel er am Ende damit bis auf Rang sieben zurück. Ganz eng war es dann bei der Fahrt von Kalle Palander. Doch auch der Finne scheiterte und egalisierte immerhin die Zeit von Nyberg. Jetzt standen nur noch drei Fahrer im Starthaus. Zuerst ging Benjamin Raich auf die Strecke. Doch auch ihm fehlten im Ziel vier Hundertstel - heute reichte dieser Rückstand nur zu Rang vier für den Pitztaler.

Simoncelli und Svindal ohne Chance
Die beiden Führenden nach Durchgang eins gingen mit gehörigem Vorsprung auf die Strecke - aber sie hatten letztlich keine Chance auf eine Spitzenzeit. Zuerst büßte Aksel-Lund Svindal 1,6 Sekunden ein und musste mit Rang sechs Vorlieb nehmen, danach verlor Simoncelli fast zwei Sekunden und damit auch allen Vorsprung. Dennoch wird der Italiener mit den Platzierungen eins und fünf zufrieden aus Korea abreisen. Bei einer ordentlich präparierten Piste wäre für ihn aber durchaus ein weiterer Triumph möglich gewesen. Am Ende war es Ligety, der jubeln konnte.

Neureuther erneut in den Punkten
Felix Neureuther war auch beim zweiten Riesenslalom in Yongpyong der einzige Starter des DSV. Unter den widrigen Bedingungen, die er mit der hohen Startnummer 47 vorfand, war das Erreichen des Finals als 30. eine gute Leistung des Partenkircheners. Im Finale dann nutzte er durchaus den Vorteil der ersten Startnummer und fuhr die fünftbeste Laufzeit. Insgesamt konnte er sich damit um fünf Plätze verbessern und holte als 25. erneut wichtige Weltcup-Punkte. Die positivste Nachricht für ihn ist aber wohl, dass er endlich zwei Rennen in Folge stabile Leistungen gebracht hat.

Weltcup-Wertungen: Punkte für Raich
Platz vier und fünf hat Benjamin Raich in Yonpyong eingefahren und damit seine Ausgangslage im Gesamtweltcup sechs Rennen vor dem Ende der Saison weiter verbessert. Er führt nun mit 1160 Zählern vor dem heute glücklosen Michael Walchhofer (AUT, 831) und Hermann Maier (750). Am ersten Gesamtsieg des Pitztalers dürfte jetzt kaum noch jemand zweifeln. Im Riesenslalom bleibt es dagegen weiter spannend. Hier hat sich Raich die Führung zurückgeholt, liegt aber mit 381 Punkten nur knapp vor Blardone (362) und Nyberg (354). Vor dem letzten Rennen in dieser Disziplin haben auch Davide Simoncelli (314) und Kalle Palander (306) noch rechnerische Chancen auf die begehrte kleine Kristallkugel.

Für die Herren geht der Weltcup in Japan weiter. In Shigakogen stehen am 10. und 11. März noch zwei Slalomläufe an.