In einer sehr spannenden Riesenslalom-Konkurrenz hat sich der Österreicher Benjamin Raich den Sieg gesichert. Hinter ihm holte überraschend der Franzose Joel Chenal Silber vor Hermann Maier.

Wieder Startverschiebung in Sestriere
Das spannende Finale deutete sich bereits im ersten Durchgang an. Nach den zuletzt starken Schneefällen musste der Start zwar erneut um eine Stunde verschoben werden, um den Neuschnee aus der Piste zu kehren, aber dann zeigte sich das Wetter wie die Piste in Sestriere von seiner besten Seite.

Bourque und Chenal führen ersten Durchgang an
Im ersten Durchgang konnten vor allem der Kanadier Francois Bourque, sowie Joel Chenal überraschen. Bourque setzte sich nach einem tollen Lauf kurzerhand an die Spitze des Klassements und nahm den Klassefahrern Hermann Maier und Frederik Nyberg, die zeitgleich postiert waren, immerhin zwei Zehntelsekunden ab. Noch dazwischen schob sich Chenal und nährte damit die Hoffnung der Franzosen auf einen zweiten Olympiasieg bei den Alpinen.

Spitze eng beieinander
Doch im ersten Durchgang zeigte sich auch, wie eng die Weltspitze in dieser Disziplin derzeit beisammen ist. Bis zum neunten Platz, den Thomas Grandi aus Kanada belegte, waren die Zeitabstände auf den Bronzerang noch unter einer halben Sekunde. Viele Athleten hatten sich daher für das Finale in Position gebracht, um den Angriff auf olympisches Edelmetall anzugehen. In Reichweite der Führung befand sich auch Benjamin Raich, der nach kleineren Problemen im oberen Flachstück den ersten Lauf als Fünfter abschloss.

Finale: Raich im Steilstück eine Klasse für sich
Als der Pitztaler dann im Fianle auf die Piste ging, sah es zunächst nicht nach einem Traumlauf aus. Doch nach dem Übergang ins Steile fuhr Raich plötzlich wie entfesselt und brachte einen gewaltigen Vorsprung ins Ziel. Bereits da schien sicher, dass er eine Medaille erhalten würde. Nach ihm verpasste Hermann Maier mit einem beherzten, aber weniger sauberen Lauf die Spitzenposition um 16 Hundertstel. Der zeitgleiche Schwede Nyberg konnte da nicht mithalten und fiel zurück. Zittern hieß es dann bei der Fahrt des Franzosen Chenal. Der behielt die Nerven und zeigte erneut eine überzeugende Fahrt, konnte allerdings nicht ganz an Raich anknüpfen - so fehlten ihm im Ziel sieben Hundertstel zum Olympischen Gold.

Erster ÖSV Herren-Triumph
Als danach der Kanadier Francois Bourque seine Fahrt aus dem ersten Lauf nicht wiederholen konnte, warf sich Raich im Zielraum jubelnd zu Boden. Es ist sein erster Olympiasieg, nachdem er in Salt Lake City bereits zweimal Bronze gewann. Es ist auch der erste Sieg der österreichischen Herren bei diesen Winterspielen. Zusammen mit der Bronzemedaille Maiers, die bereits sein zweites Edelmetall ist, hat der Riesenslalom-Erfolg die Bilanz der Herrenmannschaft des ÖSV wieder ins rechte Licht gerückt.

Amerikaner bereist in Durchgang eins geschlagen
Alle Hoffnungen begraben mussten dagegen die Amerikener. Kombinations-Olympiasieger Ted Ligety schied mit einer guten Zwischenzeit aus, Daron Rahlves verpatzte auch sein drittes Rennen bei diesen Spielen und kehrt geschlagen in seine Heimat zurück. Für Bode Miller reichte es nach Fehlern im Schlussteil im ersten Lauf nur zu Platz zwölf. Im Finale konnte er endlich sportlich überzeugen und verbesserte sich noch auf den sechsten Rang. Es bleibt aber dabei, dass der Top-Star des US Ski-Teams die nötige Konstanz vermissen lässt und so bislang ohne Edelmetall da steht. Geschlagen war neben den US-Fahrern auch der favorisierte Finne Kalle Palander, der seinen Lauf völlig verpatzte, aber im Rennen blieb.



Neureuther scheidet nach sieben Toren aus
Schlecht lief es auch für den einzigen deutschen Starter. Felix Neureuther hatte sich viel vorgenommen und deutete an, dass er er attackieren will. Bereits nach wenigen Toren kam er aber etwas aus dem Rhythmus, kam zu spät an die nächsten Tore und schied schließlich ganz aus. Dennoch äußerte er sich nach dem Rennen zuversichtlich zu dem noch austehenden Wettbewerb in seiner Lieblingsdisziplin, dem Slalom: "Ich weiß, dass ich super-schnell fahren kann. Ich freue mich schon auf den Samstag." Der Spezialslalom der Herren findet am 25. Februar statt und beschließt die alpinen Wettkämpfe bei diesen Winterspielen. Dort wird aus Sicht des DSV neben Neureuther auch Alois Vogl antreten.