Am Ende eines turbulenten Tages feierte der Norweger Kjetil Andre Aamodt seinen vierten Triumph bei Olympischen Spielen und verteidigte damit als ersten alpiner Athlet überhaupt einen Olympiasieg. In 1:30.65 Minuten blieb er knapp vor dem Österreicher Hermann Maier. Bronze sicherte sich der Schweizer Ambrosi Hoffmann.

Wetterchaos in Sestriere
Pünktlich um elf Uhr startete der Wettbewerb, bei Schneefall und schlechter Sicht. Als nach 17 Startern sich die Bedingungen so weit verschlechtert hatten, das an einen regulären Wettkampf nicht mehr zu denken war, brach Renndirektor Günter Hujara das Rennen folgerichtig ab. Nach einigen weiteren Verzögerungen verschob sich der Start mehrfach bis auf 14:45 Uhr - und die Veranstalter hatten Glück. Das Wetter klarte auf, die Sonne brach hervor und am Ende herrschten gute Bedingungen. Leidtragender war der Franzose Dalcin, der als Führender im ersten Anlauf sich bereits als Überraschungssieger hatte fühlen können. Beim zweiten Start konnte er seien Leistung nicht bestätigen und fiel aus dem Rennen.

Aamodt im entscheidenden Moment vorne
Als erster der Spitzenfahrer setzte Ambrosi Hoffmann eine sehr gute Zeit und sicherte sich damit schließlich sogar eine Medaille - bereits die dritte für die Eidgenossen. Erst Aamodt sorgte für eine neue Bestzeit, die schließlich auch Bestand haben sollte. Nach allem Trubel spielte der Norweger seine Erfahrung aus, und fand die beste Route durch die entscheidende Kurve Aqua Minerale. Im Ziel musste der Titelverteidiger, der in der Abfahrt nur um Hundertstel an einer Medaille vorbeigeschrammt war, noch einige Fahrer ausharren. Erst als Hermann Maier mit Startnummer 30 als letzter der Favoriten die Bestzeit um 13 Hundertstel verfehlte, ließ sich der Norweger zum vierten Olympiasieg gratulieren. Es ist seine achte Medaille bei Olympia insgesamt - eine sagenhafte Erfolgsbilanz, die ihm einen Platz unter den besten Skifahrern aller Zeiten sichern wird.

ÖSV-Bilanz enttäuschend
Gold hatten die Österreicher fest eingeplant im Super-G. So stark war die Mannschaft, dass der amtierende Vizeweltmeister keinen der vier Startplätze in der Paradedisziplin bekam - Michael Walchhofer reiste deswegen bereits aus Turin ab. Doch der Gesamtweltcupführende Benjamin Raich enttäuschte als 21. ebenso wie die Sieger aus Garmisch und Beaver Creek, Christoph Gruber (19.) und Hannes Reichelt, der Zehnter wurde. Einzig Hermann Maier konnte überzeugen und rettete mit seiner Silberfahrt etwas die Bilanz des ÖSV-Herrenteams, das damit weiter auf den ersten Sieg bei diesen Winterspielen warten muss.



Rahlves und Miller erneut schwach
Es war auch nicht das Rennen der hochgehandelten Amerikaner. Während Daron Rahlves wie schon bei der Abfahrt früh in Rückstand geriet und somit nur einen neunten Platz belegte, schied Bode Miller sogar aus - wenn auch nicht ohne eine spektakuläre Einlage. Es erinnerte an die WM 2005 in Bormio, als er ein Tor umriss und einige Meter auf einem Ski balancierte, um den drohenden Sturz zu vermeiden. Im Gegensatz zu Bormio hat Miller bei diesen Spielen aber noch nichts Zählbares auf seinem Konto. Bester Amerikaner war an diesem Tag Scott Macartney auf Platz sieben. Vor den technischen Wettbewerben zählen die US-Speedfahrer damit zu den Verlierern der Spiele.

Nur Blech für Guay
Die Abfahrt konnte der junge Kanadier Erik Guay nicht bestreiten - beim Super-G zeigte er einen couragierten Lauf und verpasste am Ende als Vierter das Edelmetall nur um eine Zehntelsekunde. Er und Francois Bourque, der Rang acht belegte, sorgten immerhin für ein gutes kanadisches Mannschaftsergebnis und untermauerten den Medaillenanspruch der kanadischen Alpinen für die Spiele in vier Jahren vor heimischem Publikum. Deutsche Teilnehmer waren auch beim Super-G nicht am Start.