Ich habe es ihm nicht geglaubt, aber Antoine hat Wort gehalten. Ich sprach mit Deneriaz noch nach dem letzten Training und da hat er mir gesagt, dass er den Champagner schon kalt gestellt habe. "Marc, es wird morgen ein Donnerwetter geben." Er hat es dann allerdings so richtig ‚krachen’ lassen und mich dabei fahrerisch komplett überzeugt. Deneriaz ist der verdiente Abfahrtsolympiasieger und alle vorherigen Favoriten können sich nun an die eigene Nase packen.

Walchhofer blieb unter seinen Möglichkeiten
Aber der Reihe nach: Ich habe ein wirklich interessantes Rennen gesehen, bei dem zunächst alles nach Plan zu laufen schien. Michael Walchhofer lieferte eine solide Fahrt ab und ging auch ein gewisses Risiko. Doch insgesamt meine ich, dass er eine gute halbe Sekunde unter seinen Möglichkeiten geblieben ist. Es war eine ordentliche Fahrt, aber eben keine perfekte Vorstellung. Vielleicht hat Michael die Trainingsfahrten zuvor schlicht weg zu leicht genommen. Im Rennen fehlt dann das letzte Vertrauen in die eigene Leistungsfähigkeit. Man muss meiner Meinung nach die Grenzen einer Strecke vorher ausloten und nicht nur abbremsen und auf Startplätze pokern.

Eigenartige Vorbereitung der US-Athleten
Dennoch ist Walchhofer bezogen auf seine Möglichkeiten einigermaßen im Soll geblieben, aber dann kam aus meiner Sicht eine ganze Ansammlung von schwachen Fahrten der vermeidlichen Favoriten- für mich hatte es den Anschein, als ob gleich Reihenweise weniger aggressiv gefahren worden ist, als in den Tagen zuvor im Training. Bode Miller ist die untere Hälfte der Abfahrt ja beinahe aufrecht gefahren und auch Daron Rahlves hat einen schwarzen Tag erwischt. Wenn ich böse gestimmt wäre, dann müsste ich vermuten, dass es an der US-Party am Vorabend im Irish Pub gelegen haben muss und besonders an der grauenhaften Musik dort. Ich war dort auch kurz, aber mir hätte es jedenfalls die Abfahrtslaune für den nächsten Tag gründlich verdorben. Die ‚Amis’ haben eben eine eigenartige Form der Vorbereitung.

Aamodt wird Medaille noch gewinnen
Doch auch die beiden ÖSV-Akteure Klaus Kröll und Hermann Maier hätte ich auf der bestens präparierten Piste stärker erwartetet. Diese anspruchsvolle Strecke brauchte eine Fahrt mit mehr ‚Mumm’. Das hat der Franzose allen vorgemacht - und das mit Startnummer 30. Da kann sich auch keiner der anderen mit einer zunehmend langsameren Strecke herausreden. Die war nämlich topp - da hätte Anni Friesinger ihre Freude an dem Eis dort am Starthang gehabt.
Richtig überzeugt hat mich eigentlich mein alter Rivale Kjetil Andre Aamodt. Der war auf Silberkurs und hat die Medaille oben am Sprung mit seinem großen Fehler verspielt. Aber Kjetil ist für mich der große Favorit auf Kombi-Gold. Der geht mit einer Medaille nach Hause, auch, weil er richtig attackiert. Das muss man bei einem solchen Ereignis eigentlich von allen Medaillenaspiranten erwarten und da waren einige Herren heute viel zu brav.

Kompliment an Bruno Kernen
Ein Kompliment geht von mir aber an den Bruno Kernen. Der hat gerade im unteren Abschnitt eine technisch saubere Klinge gefahren. Die Strecke taugt dem Schweizer eben und er war psychisch im Vorteil, da er hier ja schon einmal Weltmeister geworden ist. Dann muss ich noch ein Wort zu dem Verkehrschaos los werden.

Nicht zuschauerfreundlich
Die Autokolonne reichte noch 15 Kilometer ins Tal, da waren schon die ersten zehn Fahrer unten. Ich hoffe, die Leute hatten einen guten Radioempfang. Aber auf der Haupttribüne hatte man auch keine wirklich gute Sicht. Das war alles nicht zuschauerfreundlich. Dem Deneriaz wird das aber sicherlich alles egal sein.

Der schwimmt bestimmt schon im Champagner - zurecht!