Sensation bei der Olympia-Abfahrt der Herren: Antoine Deneriaz aus Frankreich überraschte alle Favoriten und siegte in der Zeit von 01:48.80 Minuten. Silber ging an den Österreicher Michael Walchhofer, der 0,72 Sekunden Rückstand hatte. Bronze gewann Bruno Kernen aus der Schweiz (+1,02 Sekunden).

Mit Startnummer 30 zu Gold
Antoine Deneriaz fuhr schon beim Abschlusstraining am Samstag die schnellste Zeit, jedoch war dies durch das Abbremsen der eigentlichen Favoriten relativiert worden. Doch am Sonntag bestätigte der Franzose seine gute Verfassung und deklassierte die Konkurrenz. Mit einem Traumlauf setzte er bei allen Zwischenzweiten neue Bestzeiten und war nach seinem Lauf 0,72 Sekunden vor Walchhofer. Deneriaz legte sich in den Schnee und konnte sein Glück kaum fassen. Ein Jahr nach seinem Kreuzbandriss krönte der Franzose sein Comeback mit Olympia-Gold. Jean-Luc Cretier gewann 1998 als bislang letzter Franzose Gold in der Abfahrt.

Walchhofer lange Zeit in Front
Lange Zeit sah es bei der Abfahrt am Sonntag erneut nach einem österreichischen Sieg aus. Michael Walchhofer bremste sich beim Abschlusstraining zu einer niedrigen Startnummer und setzte einen guten Lauf hin. Er riskierte viel und fuhr eine enge Linie. Damit gelang ihm zu diesem Zeitpunkt auch die Bestzeit. Gerade der erste Sprung war spektakulär, als Walchhofer kurz ausgehoben wurde, dies aber grandios korrigierte. Bis zu Deneriaz durfte der Österreicher dann auf Gold hoffen, wurde aber von Deneriaz aus allen Träumen gerissen.



Kernen bestätigt gute Verfassung
Grund zum Jubeln hatten die Schweizer. Nachdem der bisherige Winter schon einige gute Platzierungen für die Eidgenossen hervorbrachte, konnte Bruno Kernen gleich zu Beginn der alpinen Wettbewerbe für ein Highlight sorgen. Kernen gewann 1997 auf dieser Strecke den Weltmeistertitel und auch am Sonntag zeigte er, dass ihm die Piste liegt. Durch eine hervorragende Fahrt im unteren Teil schob er sich im Endklassement auf den dritten Rang.

Pech für Aamodt
Einer der großen Pechvögel war Kjetil-Andre Aamodt. Der Norweger hat bereits sieben olympische Medaillen gesammelt und lag lange Zeit auf dem dritten Rang. Aamodt riskierte alles bei seinem Lauf und war bis zur letzten Zwischenzeit nah dran. Ein Fehler im unteren Teil kostete ihn dann letztlich die Medaille. Dennoch muss man mit Aamodt in den weiteren Rennen bei Olympia rechnen.

Maier noch nicht topfit
Neben Walchhofer gingen Hermann Maier, Fritz Strobl und Klaus Kröll für den ÖSV an den Start. Hermann Maier war durch seine leichte Erkrankung der Bronchien noch etwas geschwächt. Nach seinem Lauf stand er erschöpft im Zielraum und war nicht ganz zufrieden. Nach starkem Beginn hatte er einige Fehler und wurde am Ende Sechster. Titelverteidiger Strobl ging schon mit Startnummer vier ins Rennen, riskierte aber etwas zu wenig und belegte den achten Rang. Nicht so gut lief es für Kröll, der im Ziel einen großen Rückstand hatte und nur 22. wurde.

US-Amerikaner geschlagen
Zu den geschlagenen Favoriten zählten auch die beiden US-Amerikaner Daron Rahlves und Bode Miller. Rahlves hatte am Donnerstag noch das Training beherrscht, kam jedoch im Rennen im oberen Teil nicht zurecht und verlor dort schon neun Zehntel. Unten fuhr Rahlves dann gewohnt stark, doch es reichte am Ende nur zu Platz zehn. Miller dagegen fuhr oben stark und war dort in Front. Doch dann wählte er unten nicht die beste Linie und fiel zurück. Mit Rang fünf war Miller aber dennoch bester US-Athlet.

Ghedina ohne Chance
Für die einheimischen Italiener gab es bei der Abfahrt nichts zu holen. Gerade für Kristian Ghedina sollte es noch einmal ein Highlight seiner Karriere werden, doch wie schon im Training kam Ghedina überhaupt nicht mit der Piste zurecht. Konstant verlor er an Zeit und hatte keine Chance auf eine vordere Platzierung. Bester Italiener wurde am Ende Patrick Staudacher auf dem neunten Rang, der insbesondere unten vorzüglich fuhr.