Mit Martina Ertl-Renz tritt nach dieser Saison die erfahrenste Weltcupathletin von der Skibühne ab. Für den Deutschen Skiverband ist sie aufgrund der vielen verletzungebedingten Ausfälle im deutschen Lager bei ihren fünften Olympischen Spiele eine der wenigen Medaillenhoffnungen.

Ski2b.com: In Turin stehen für Dich die letzten Olympischen Spiele Deiner Karriere an. Mit welchen Gefühlen wirst Du nach Italien reisen? Wird es eher Vorfreude oder auch ein wenig Wehmut sein?
Martina Ertl-Renz: Einerseite freue ich mich auf meine letzten Olympischen Spiele, da Olympia nur alle vier Jahre stattfindet, und daher schon etwas Besonderes ist. Andererseits freue ich mich aber auch auf die Zeit nach meiner aktiven Karriere, denn die Strapazen gehen in all den Jahren nicht spurlos an einem Athleten vorüber.

Ski2b.com: In welcher Disziplin rechnest Du Dir dort die größten Chancen aus?
Martina Ertl-Renz:Ich rechne mir durchaus Chancen in jeder Disziplin aus, in der ich an den Start gehe. In Turin bin ich im Riesenslalom, im Super-G und in der Kombination dabei.

Ski2b.com: Olympia-Gold fehlt noch in Deiner reichhaltigen Medaillensammlung. Die richtige Motivation, um danach die Skier zufrieden in den Skikeller zu stellen?
Martina Ertl-Renz:Ich weiß, wie schwer es ist, Olympia-Gold zu gewinnen. Ich wäre aber auch mit einer anderen Medaille sehr, sehr zufrieden.

Ski2b.com: Du bist seit vielen Jahren im Weltcup unterwegs. Turin werden Deine fünften Olympischen Spiele sein. Wie hat sich seit Albertville 1992 der Skisport technisch verändert?
Martina Ertl-Renz:Der Skisport hat sich enorm verändert. Sowohl bei der Technik, beim Material, ja einfach alles hat sich verändert und weiterentwickelt. Man muss sich da nur einmal wieder die alten Rennen anschauen.

Ski2b.com: Wie schätzt Du den bisherigen Saisonverlauf ein? Bist Du im Soll bei der Vorbereitung auf Olympia?
Martina Ertl-Renz:Bisher waren die Rennen eher durchwachsen. Allerdings geht es Stück für Stück aufwärts, und das ist mit Blick auf die Winterspiele gut so.

Ski2b.com: Das DSV-Team ist in diesem Winter bislang schon arg von Verletzungspech gebeutelt worden. Hilde Gerg musste vorzeitig die Karriere beenden und Maria Riesch mit Kreuzbandriss gar unter das Messer. Wie verkraftet Eure Mannschaft diese Ausfälle?
Martina Ertl-Renz:Es ist natürlich nicht einfach, die vielen Ausfälle zu verkraften. Trotzdem müssen wir damit zurecht kommen, so schwer das auch manchmal ist. Letztendlich steht ja jeder alleine am Start und muss dann seine Leistung zeigen.

Ski2b.com: Mit Deinen 32 Jahren hast Du es mit Gegnerinnen zu tun, die beinahe deine Töchter sein könnten. Werden die Oldies den jungen Wilden bei Olympia noch einmal in die Suppe spucken?
Martina Ertl-Renz:Bei den Olympischen Spielen kann alles passieren. Wie man in der laufenden Saison sieht, sind auch die beiden Österreicherinnen Alexandra Meissnitzer und Michaela Dorfmeister top in Form. Da spielt das Alter keine Rolle.

Ski2b.com: Du bist nun die Rekordhalterin für die meisten bestrittenen Weltcuprennen. Was bedeutet Dir dieser Rekord?
Martina Ertl-Renz:Ich bin schon stolz darauf, solange dabei zu sein. Was mir dabei aber noch viel wichtiger ist, ist die Tatsache, dass ich in all den Jahren auch immer in der Weltspitze war. Obwohl es in der Zeit viele verschiedene Entwicklungen gegeben hat, konnte ich meistens um Siege mitfahren.

Ski2b.com: Im März 2006 wirst Du Deine lange und erfolgreiche Karriere beenden. Was bleibt am Ende der aktiven Karriere am meisten hängen? Was war das absolute Highlight?
Martina Ertl-Renz:In Erinnerung bleiben besonders all meine Weltcupsiege und natürlich die Medaillen, die ich in den Jahren sammeln konnte. Zu den absoluten Highlights gehören aber die Goldmedaille in der Kombination bei der Weltmeisterschaft in St. Anton 2001 und auch das Team-Gold von den Weltmeisterschaften im letzten Jahr in Bormio.

Ski2b.com: Nach Deiner aktiven Karriere wirst Du in das Sportgeschäft Deines Mannes einsteigen. In wie weit kannst Du dort Deine Erfahrungen als Skirennläuferin einbringen?
Martina Ertl-Renz:Im Moment stehe ich ihm mit Rat und Tat und mit meiner langjährigen Erfahrung im Weltcup zur Seite. Nach meiner Karriere möchte ich mich natürlich mehr einbinden und den ein oder anderen Kunden auch persönlich beraten.