Die vier deutschen Olympia-Teilnehmerinnen, Monika Bergmann-Schmuderer, Martina Ertl-Renz, Annemarie Gerg sowie Petra Haltmayr, äußern sich zu ihrer bisherigen Saison und wagen einen Ausblick auf Olympia.

Monika Bergmann-Schmuderer
Die bisherige Saison würde ich als durchwachsen bezeichnen. Es spielten mehrere Faktoren zusammen, die es mir heuer nicht eben leicht machten, gute Resultate zu erzielen und meinem eigenen Anspruch gerecht zu werden. Zum einen war der Saisonstart mit Platz 25 in Aspen nicht gerade berauschend, zum anderen hatte ich mit Rückenproblemen zu kämpfen. Wenn man dann auch nur in einer Disziplin startet, ist es schwer, einen Wettkampf-Rhythmus zu finden. Trotz dieser Widrigkeiten lasse ich mich aber nicht aus der Ruhe bringen, sondern bereite mich professionell auf die olympischen Rennen vor. Dazu gehört auch, dass ich mich auf schwierige, weil eisige Pistenverhältnisse einstelle. Aus Erfahrung weiß ich, dass die Organisatoren gerne mit Wasser präparieren. Der Slalomhang ist ohne Einschränkung olympiawürdig. Er gehört eher zur steileren Sorte, weist kleine Wellen auf und läuft im unteren Teil flach aus. Mir gefällt der Hang nicht nur, weil ich dort vor zwei Jahren beim Saisonfinale 5. wurde.
Da ich keinen Druck von Außen als so genannter Favorit habe, kann ich völlig befreit an den Start gehen. Meine Devise lautet: Es gibt nichts zu verlieren, ich kann nur gewinnen!"

Martina Ertl-Renz
"Nach einem guten Start in die Saison mit Platz 8 im Riesenslalom von Sölden und einem 4. Rang beim Super-G von Lake Louise, hatte ich in den darauf folgenden Rennen mit Schwierigkeiten zu kämpfen. Zum einen tat ich mich schwer, die optimale Feinabstimmung des Materials für bestimmte Bedingungen zu finden. Zum anderen verlor ich ein wenig die Lockerheit, die ich brauche, um in den Rennen Top-Platzierungen zu erzielen. Trotz einiger Lichtblicke wie Platz 6 im Slalom von Maribor oder Rang 9 im Riesenslalom von Lienz, konnte ich bisher nicht die Leistung zeigen, wie ich es mir vor der Saison vorgestellt habe. Ich habe im Laufe meiner langen Karriere ähnliche Phasen - gerade vor Großereignissen - schon öfter erlebt und weiß deshalb damit umzugehen. Ich bin zuversichtlich, dass ich bei den Spielen wieder in Form bin.
In Turin bestreite ich meine fünften und letzten Olympischen Spiele. Während die Slalom und Riesenslalomhänge anspruchsvoll und abwechslungsreich sind, mangelt es der Super-G-Strecke an technischen Schwierigkeiten.
Ich freue mich ganz enorm auf die Olympischen Spiele, denn ich werde sie sicher ganz bewusst erleben. Meine Zielsetzung ist aber klar: Ich will nicht nur dabei sein, sondern wenn möglich eine Medaille holen."

Annemarie Gerg
In dieser Saison lief es zunächst so gut wie nie zuvor. Den Grundstein dafür legte ich in der Sommervorbereitung, die ich erstmals ohne Verletzungen und Krankheiten absolvieren konnte. Bereits beim Überseetraining in Neuseeland merkte ich, dass ich sehr schnell unterwegs war. Das Gefühl täuschte mich nicht, denn im ersten Weltcup-Slalom fuhr ich auf Platz fünf und löste direkt das Ticket für die Olympischen Spiele. Im nächsten Rennen steigerte ich mich auf Platz vier und auch im Riesenslalom holte ich mit dem 11. Platz das bisher beste Ergebnis meiner Karriere in dieser Disziplin. Ich fühlte mich top fit, zog mir dann aber im Training Ende Dezember eine Trümmerfraktur im linken Daumen zu.
Zunächst war ich geschockt, kämpfte mich dann aber mit einer Schiene und Schmerzmittel durch die nachfolgenden Rennen. Aufgrund der Verletzung verlor ich zunächst etwas an Stabilität im Oberkörper. Mittlerweile konnte ich das aber wieder korrigieren. Die Schiene, mit der ich auch die olympischen Rennen bestreiten werde, behindert mich kaum noch, zudem fahre ich auch wieder schmerzfrei. Den olympischen Slalomhang kenne ich gut. Das Gelände liegt mir. Ich mag es, wenn verschiedene Kriterien abgefragt werden. Ich denke, Sestriere ist ein guter Ort, mein Können unter Beweis zu stellen. Mein Ziel ist es, zwei technisch erstklassige und vor allem angriffslustige Läufe zu zeigen. Wenn mir das gelingt, kann es für ganz weit nach vorne
reichen."

Petra Haltmayr
"Neben einigen sehr guten Rennen unterliefen mir in der laufenden Saison auch oftmals überflüssige Fehler, die mich um weitere gute Platzierungen brachten. Trotzdem fühle ich mich in diesem Winter im Kopf stärker, lasse mich nicht mehr so schnell verunsichern.
Misserfolge nehme ich mir weit weniger zu Herzen als früher. Vielmehr motiviere ich mich an den positiven Dingen. Wirklich gut getan hat mir der vierte Platz in der Abfahrt von Val d’Isère, mit dem ich mich direkt für die Olympischen Spiele qualifizieren konnte. Das Ergebnis nahm mir Druck, worauf ich die nachfolgenden Rennen mit vollem Risiko bestreiten konnte. Die Strecken in San Sicario kenne ich nicht, da ich an den Rennen im letzten Jahr wegen Krankheit nicht teilgenommen habe. Einerseits fände ich es gut, auf den Pisten schon einmal unterwegs gewesen zu sein. Andererseits wurde aber auch einiges an den Strecken verändert. Insofern lasse ich mich überraschen und nehme es,
wie es kommt.
Die Teilnahme an den Olympischen Spielen ist der Traum eines jeden Sportlers. Ich freue mich schon jetzt auf die Eröffnungszeremonie und die Stimmung im olympischen Dorf. Mein Ziel ist es, in San Sicario meine besten Rennen zu fahren. Wenn mir das gelingt, ist alles möglich."