Slalom, Riesenslalom, Super-G und Abfahrt: Kjetil-Andre Aamodt brilliert in jeder Disziplin. Er gehört zu den großen Allroundern des 'weißen Sports', zu nennen in einem Atemzug mit Namen wie Marc Girardelli oder dem Schweizer Pirmin Zurbriggen. Die norwegische Domäne allerdings ist seit jeher die alpine Kombination: Aamodt ist Olympiasieger und dreimaliger Weltmeister in der Vielseitigkeits-Disziplin.

Erfolgreichster Medaillensammler aller Zeiten
In Oslo geboren kam der heute 33-Jährige schon früh durch seinen Vater zum Skisport. Seitdem pflegt der Norweger ein Hobby, das eng mit dem Skifahren zusammenhängt: Er ist ein leidenschaftlicher Sammler von Medaillen. Neun Gold-, sechs Silber- und fünf Bronze-Medaillen nennt der Ausnahmesportler sein Eigen. Neuester Erwerb ist die Goldmedaille in der alpinen Kombination von Turin 2006: Weiteres Edelmetall, das in seiner Vitrine glänzen wird. Damit hat der Athlet, der in der Kombi zuvor auch dreimal in Folge Gold bei einer Weltmeisterschaft gewonnen hat, in der Bestenliste auch den Abstand zu Pirmin Zurbriggen und Marc Girardelli ausgebaut, die auf jeweils 13 Medaillen kamen. Auch zwischenzeitliche Einbrüche durch Verletzungen und fehlende Motivation konnten Aamodt auf seinem Weg nach ganz oben nicht stoppen.

Weissagungen aus der Kristallkugel
Olympischem Gold gegenüber ist der ausgezeichnet deutsch sprechende Skandinavier nun einmal nicht abgeneigt. Im Gegenteil, seine Leidenschaft hierfür entdeckte er schon 1992 in Albertville, wo der damals erst 21-Jährige im Super-G mit der Goldmedaille seinen ersten großen Triumph feierte. Die Sammlerleidenschaft des ´Serien-Champions´ beschränkt sich nicht nur allein auf Edelmetall, er hegt auch ein lebhaftes Interesse für Kristallkugeln. Die Liste seiner Weltcup-Erfolge ist lang. Neben etlichen Siegen in den Einzeldisziplinen gewann Aamodt den Gesamtweltcup 1994 und wurde dort viermal Zweiter.

Das interne Duell
Wer Aamodt sagt, muss auch Kjus sagen. Die beiden Norweger fahren bereits seit dem sechsten Lebensjahr gegeneinander Rennen und sind so gut wie unschlagbar in der alpinen Kombination. "Wenn Lasse nicht da ist, will ich auch nicht fahren. Für mich ist er der Mann, den es zu schlagen gilt", schilderte Aamodt einmal die Beziehung zum Rivalen und Freund. In St. Anton und Salt Lake City hatte Aamodt die Nase vorn, in St. Moritz wurde Kjus vor Aamodt Zweiter. Beide wurden vom Newcomer Bode Miller geschlagen.

Weltcup-Siege in allen Disziplinen
Der sympathische Norweger, der trotz seiner insgesamt 21 Weltcupsiege stets auf dem Boden der Tatsachen geblieben ist, besticht vor allem durch seine Vielseitigkeit. Er schaffte schon Weltcup-Siege in allen Disziplinen und wurde sowohl Olympiasieger im Super-G, als auch Weltmeister im Slalom. Die Liste der Erfolge ist so lang, dass es Stunden dauern würde, sie alle aufzuzählen. Auch durch die Verletzung, die ihn eine komplette Saison 2003/2004 hatte aussetzen lassen, ließ den Norweger nicht kleinkriegen.

Schwerer Weg zurück
Bei seinem Comeback Ende 2004 tat sich Aamodt doch schwer. Er konnte keine Spitzenplätze einfahren, schaffte aber trotzdem drei fünfte Plätze in diesem Jahr. Eine imposante Serie riss bei dem Norweger dann in Bormio, als er zum ersten Mal in seiner Karriere bei Weltmeisterschaften ohne Medaille blieb. Am nächsten kam er dem Edelmetall in der Kombination, als er auf Medaillenkurs war, dann aber im Slalom einfädelte.

Goldenes Comeback in Sestriere
Doch im Olympiajahr 2006 zeigte Aamodt der Konkurrenz einmal mehr die Grenzen auf. In der Abfahrt verpasste der Norweger als Vierter die Medaillen noch knapp und musste wegen einer kleinen Knieverletzung auch die Kombination auslassen. Doch im Super-G kehrte er als Sieger zurück und ist damit der erste alpine Sportler überhaupt, der einen Olympiasieg vier Jahre später wiederholen konnte.

Steckbrief:
Geboren: 02.09.1971
Nation: Norwegen
Heimatverein: Ski Club Nordstrand IF
Größe: 176cm
Gewicht: 88kg
Sprachen: Norwegisch, Deutsch, Englisch
Hobbies: Golf, Hockey, Soccer
Spitzname: 'Baby Shark'

Erfolge:
Sein Debüt im Weltcup gab 'Baby Shark' beim Riesenslalom 1990 in Park City. Es folgt ein kurzer Blick in den Karrierespiegel des erfolgreichen Norwegers. Die einzelnen Disziplinen sind wie folgt abgekürzt: DH=Abfahrt, SG=Super-G, GS=Riesenslalom, SL=Slalom, K=Kombination

Olympische Spiele:
2006 in Turin (ITA): DH (4), SG (1)
2002 in Salt Lake City (USA): DH (4), K (1), SG (1), GS (7), SL (6)
1998 in Nagano (JPN): DH (13), SG (5), GS (DNF)
1994 in Lillehammer (NOR): DH (2), SG (3), K (2), GS (12)
1992 in Albertville (FRA): DH (26), SG (1), GS (3)

Weltmeisterschaft:
2005 in Bormio (ITA): SG (22), K (DSQ), DH (23), SL (14)
2003 in St. Moritz (SUI): SG (5), K (3), DH (2), GS (24), SL (9)
2001 in St. Anton (AUT): SG (18), K (1), DH (DNS2), GS (2), SL (7)
1999 in Vail (USA): SG (9), DH (3), K (1), GS (DNF), SL (7)
1997 in Sestriere (ITA): SG (8), K (1), DH (9), GS (6), SL (DNF)
1996 in Sierra Nevada (SPA): SG (3), DH (27), K (6), GS (11), SL (8)
1993 in Morioka (JAP): K (2), GS (1), SL (1)
1991 in Saalbach (AUT): SL (12), SG (2)

Weltcup:
Gesamt-Weltcup-Sieger 1994
Gesamt-Weltcup-Zweiter 1993, 1997, 1999, 2000, 2002
Gesamt-Disziplinen-Sieger im Riesenslalom 1993
Gesamt-Disziplinen-Sieger im Super G 1993
Gesamt-Disziplinen-Sieger im Slalom 2000
Gesamt-Disziplinen-Sieger in der Kombination 1994, 1997, 1999, 2000, 2001
insgesamt 21 Weltcup-Siege, 60 Podestplätze