Daniela Ceccarelli wuchs in Rocca Priora, 20 Minuten vor den Toren Roms gelegen, auf. Das nächstgelegene Skigebiet war fünf Auto-Stunden entfernt. Mit 15 verließ sie ihr Elternhaus und trainierte zusammen mit dem Skiclub in Bergamo. Ihre Mentorin war Lara Magoni, die 1997 die Silbermedaille im Slalom bei der WM gewonnen hatte. Ihrem Trainer Toni Morandi hatte sie in der Folge viel zu verdanken. Heute beschreibt sie ihn einfach mit 'Bravo'. Wie ein Vater sei er zu ihr gewesen. Morandi, der 1999 und 2001 auch der Trainer der Argentinier gewesen ist, starb bei einem Autounfall nur fünf Monate nach der WM 2001.

FIS Weltcup-Debüt 1996
Ihren ersten Auftritt im Weltcup hatte Ceccarelli in Kvitfjell (NOR) im März 1996. Dort fuhr sie für die italienische Mannschaft den Super-G und belegte einen guten 21. Rang. Doch auch in der nächsten Saison sammelte sie weitgehend Erfahrung im Europacup, in dem sie viele gute Platzierungen erreichen konnte. 1997/98 folgte dann der richtige Einstieg ins Konzert der Großen.

Langsames Herantasten an das Podium
Ihr vorläufig bestes Ergebnis konnte Daniela Ceccarelli Ende 1998 mit dem elften Rang in Mammoth Mountain erzielen. Der Durchbruch wollte ihr lange Zeit nicht so richtig gelingen. Erst nach einiger Zeit war sie wieder mal oben mit dabei. Und wieder in Übersee konnte Daniela einen guten Platz belegen: einen sechsten im Super-G von Lake Louise. Der Winter 2001/2002 sollte dann die triumphale Rennsaison der Daniela Ceccarelli werden. Trotz mittelmäßiger Leistungen zu Anfang wurde die Speedspezialistin nicht nervös und wartete geduldig auf ihre besten Tage. Und die kamen dann auch: In St. Moritz durfte die italienische Mannschaft einen Doppelsieg feiern, als Karen Putzer vor Ceccarelli den Super-G gewann und endlich der erste Podiumsplatz für die 26-Jährige heraussprang. Auch in Cortina d'Ampezzo war sie in Topform, belegte Platz drei und fünf und fuhr anschließend als Außenseiterin auf eine Medaille zu den Olympischen Spielen nach Salt Lake City.

Gold-Mädchen aus bella Italia
Mit der Italienerin hatte bei der Medaillenvergabe im Super-G sicherlich kaum jemand gerechnet. Doch Ceccarelli hatte einen Traumtag erwischt, war im Ziel vorne und keine der noch folgenden Favoritinnen konnte sie mehr von diesem Platz verdrängen. Sie war fünf Hundertstel schneller als Janica Kostelic (CRO) und wurde sensationell Olympiasiegerin.

Ceccarelli über die Goldmedaille
"Als ich sah, dass Putzer vorne war, habe ich schon gedacht, dass was geht. An Gold hätte ich aber nie gedacht. Das habe ich nicht erwartet. Ich war so nervös am Start. Ich habe mir am Start gesagt, komm, da fährst du jetzt einfach so runter wie bei jedem anderen Rennen."

Warten auf das nächste Top-Ergebnis
Der Erfolg war der erste und auch der einzige in Ceccarellis bisheriger Skikarriere. Sie konnte ihre Leistung in den kommenden Jahren leider nicht bestätigen, doch was macht das schon, wenn man Olympiasiegerin geworden ist. In der Saison 2003/2004 wurde sie immerhin einmal Zweite, natürlich in ihrer Spezialdisziplin Super-G, und mehrere Male fuhr sie unter die Top 5. Und auch in der nächsten Saison wurden die Leistungen nicht besser. Ein siebter Rang in Lenzerheide war dort das beste Resultat und auch bei der WM 2005 im eigenen Land sollte es nicht zu einer Spitzenposition reichen.

Die Skifamilie:
Ihr Ehemann, Alessandro Colturi, arbeitet als Nachwuchstrainer im Skigebiet San Sicario. Dort werden die olympischen Damenwettbewerbe in der Abfahrt und im Super-G 2006 ausgetragen. Kennengelernt hatten sich die beiden 1996 bei einem Badeurlaub in Calabrien. Der Vater von Daniela ist ein pensionierter Militärpilot, der das Skifahren selber so sehr liebt, dass er sich entschlossen hatte, dass seine Kinder Skirennläufer werden sollten. In Stelvio auf dem Gletscher verbrachte die Familie in der Folge viele Urlaube. Auch Daniela`s jüngerer Bruder, Davide, fuhr ein Jahr im C-Kader des Slalomteams der Italiener. Er arbeitet allerdings nunmehr bei der Militärpolizei. Auch Daniela ist seit 1999 Militärpolizistin.

Steckbrief:
Geboren: 25.09.1975 in Rocca Priora
Nation: Italien
Größe: 168 cm
Gewicht: 60 kg
Web: www.danielaceccarelli.it

Erfolge:
Werfen wir einen kurzen Blick in ihren Karrierespiegel der Olympiasiegerin. Die einzelnen Disziplinen sind wie folgt abgekürzt: DH=Abfahrt, SG=Super-G, GS=Riesenslalom, SL=Slalom, K=Kombination

Olympische Spiele:
2002 in Salt Lake City (USA): SG (1), DH (20), K (15)

Weltmeisterschaft:
2005 in Bormio (ITA): K (DNF), DH (14)
2003 in St. Moritz (SUI): SG (DNF), DH (13)
2001 in St. Anton (AUT): SG (15), DH (16), K (15)
1999 in Vail/Beaver Creek (USA): SG (18)

Weltcup:
Weltcup-Disziplinen-Sechste im Super-G 2003
Drei Podiumsplätze