Im vierten Teil unserer Serie geht es um die Reise zum Urlaubsort. Wer eine Gruppenreise gebucht hat oder sich mit dem Zug bzw. dem Flieger auf den Weg in den Schnee macht, muss sich auf die Anreise eigentlich nicht speziell vorbereiten: Zur Einreise in die beliebtesten Wintersportländer reicht in der Regel der Personalausweis, und einen Auslandskrankenschein sollte man ganz selbstverständlich im Gepäck haben.

Etwas anders sieht die Sache aus, wenn es mit dem eigenen Wagen in den Urlaub gehen soll. Denn auf dem Weg ins Gebirge kann es durchaus einige Überraschungen für Fahrer und Fahrzeug geben. Wir haben Katja Frisch vom ADAC in München dazu einige Fragen gestellt:

Skiinfo: Womit muss ein Autofahrer - z.B. aus dem deutschen Flachland - rechnen, wenn er sich im Winter in Richtung Alpen aufmacht?
Katja Frisch: Zunächst einmal natürlich mit mehr Schnee und Eis. Die Straßen in den Alpen sind außerdem häufig enger und kurviger als man es gewohnt ist. In einigen Bergregionen werden die Straßen auch nicht gesalzen. Mit Sommerreifen unterwegs zu sein, wäre daher in jedem Fall beschwerlich und kann schnell gefährlich werden. Winterreifen sind also empfehlenswert. Das gilt übrigens auch für Schneeketten. Das Montieren der Ketten sollte man vor Reiseantritt zuhause üben - das macht zwar keinen Spaß, aber wenn man sich zum ersten Mal damit beschäftigt, wenn auf einer verschneiten Passstraße zwanzig Autos hinter einem warten, geht’s garantiert schief.

Darüber hinaus fallen auch die Anstiege deutlich steiler aus. Wir geben Autofahrern daher den Tipp, mit deutlichem Abstand zum Vordermann unterwegs zu sein, falls der mal ins Rutschen gerät. Auch das Anfahren am Berg kann leicht zur Herausforderung werden.

Eine Alternative zur langen Anreise hinter dem Steuer stellen die Autoreisezüge dar. In Österreich und der Schweiz gibt es einige Autoverladestationen, von denen aus man sich und seinen Wagen bequem per Zug in die Berge fahren lassen kann. Diese Variante ist natürlich sehr bequem, aber auch recht teuer und nicht überall verfügbar.


Skiinfo: Ist eine gezielte Vorbereitung auf die Straßenverhältnisse in den Alpen sinnvoll bzw. überhaupt möglich, beispielsweise in Form eines Fahrsicherheitstrainings?
Katja Frisch: Auf jeden Fall. Der ADAC bietet auf über 60 Plätzen in Deutschland Fahrsicherheitstrainings an. Dort werden vor allem Brems- und Ausweichmanöver trainiert, also genau die Situationen, die in den Bergen besonders schnell kritisch werden können. Sehr interessant ist auch die Erfahrung, einmal über eine Schleuderplatte zu fahren: Die verpasst Ihrem Fahrzeug gezielt einen Schlag gegen den Hinterreifen und bringt es so zum Ausbrechen. Beim ersten Mal erschreckt man sich so, dass man keine vernünftige Reaktion hinbekommt. Da ist es schon besser, wenn man sich mit diesem Phänomen in aller Ruhe auf dem Übungsplatz auseinandersetzen kann und im Ernstfall dann gewappnet ist.


Skiinfo: Gibt es in den Alpenländern für uns ungewohnte gesetzliche Bestimmungen für Autofahrer, die deutsche Touristen unbedingt kennen sollten?
Katja Frisch: Da sind an erster Stelle wohl die Geschwindigkeitsbegrenzungen auf den Autobahnen zu nennen. In Österreich, Frankreich und Italien gilt auf den Autobahnen ein Tempolimit von 130 km/h, in der Schweiz sind maximal 120 Stundenkilometer zulässig. In Österreich und Italien schreibt der Gesetzgeber außerdem eingeschaltetes Abblendlicht am Tag und das Mitführen einer Warnweste vor.

Unterschiede gibt es auch bei der Vorfahrtsregelung an Bergstraßen: Während in Österreich - genau wie in Deutschland - an engen Stellen derjenige ausweichen muss, der mehr Platz zur Verfügung hat, hat in der Schweiz immer der bergauf Fahrende Vorfahrt. Dort ist man auch verpflichtet, auf Bergstraßen den Postbussen auszuweichen.

Und dann gibt es noch das blaue Schneekettenschild. Auf so gekennzeichneten Strecken ist die Benutzung von Schneeketten nicht etwa empfohlen, sondern zwingend vorgeschrieben - und zwar sowohl in Österreich und der Schweiz als auch hier in Deutschland.


Skiinfo: Falls doch mal etwas schief geht: Wie sollte man sich als Autofahrer im Ausland bei einem Unfall verhalten?
Katja Frisch: Zunächst einmal gelten die gleichen Grundregeln wie in Deutschland: Mit eingeschalteter Warnblinkanlage anhalten, die Unfallstelle absichern, Verletzten helfen und die Polizei rufen. Da sich die rechtliche Situation nach Unfall häufig kompliziert gestaltet, ist es besonders wichtig, bereits am Unfallort möglichst viele Details festzuhalten und zu klären. Neben der Grünen Versicherungskarte sollte daher auch stets ein „Europäischer Unfallbericht“ mitgeführt werden. Dieses mehrsprachige Formular kann von den Unfallbeteiligten gemeinsam ausgefüllt werden.
Der ADAC hält zum Thema „Unfall im Ausland“ umfangreiches Informationsmaterial bereit.


Skiinfo: Spritpreise können ein großes Loch in die Urlaubskasse reißen - gibt es bei den Benzinpreisen im Alpenraum deutliche Abweichungen nach oben oder unten?
Katja Frisch: Einzig und allein in Österreich ist der Sprit spürbar billiger: Zur Zeit kostet ein Liter Superbenzin dort im Schnitt 1,02 €, Diesel wandert für 98 Cent je Liter in den Tank. In Frankreich sind die Benzinpreise geringfügig niedriger als in Deutschland, während die schweizer Preise mit „unseren“ fast identisch sind. In Italien ist Sprit hingegen etwas teurer als in der Bundesrepublik - da lohnt es sich, vor der Grenze nochmal vollzutanken.


Skiinfo: Thema Maut: In welchen Ländern kommen Gebühren für die Autobahnbenutzung auf mich zu? Kann man Vignette oder Pickerl schon vorab erwerben, um die Formalitäten an der Grenze möglichst schnell zu erledigen?
Katja Frisch: Für die meisten mautpflichtigen Straßen in Italien, der Schweiz und Österreich kann man schon in Deutschland die nötigen Vignetten oder Tickets erwerben. Die Jahresvignette für die Schweiz kostet momentan 27,- €. In Italien wird je nach gefahrener Kilometeranzahl Maut fällig; die Viacard gibt es mit Guthaben von 25,- € und 50,- €.
Die österreichischen „Pickerl“ gibt es in mehreren Varianten, die sich durch ihre Gültigkeitsdauer unterscheiden. Zusätzlich werden in Österreich für einige Tunnel- und Passstrecken zusätzliche Gebühren fällig. In Frankreich gibt es so viele verschiedene Betreiber mautpflichtiger Strecken, dass eine Bezahlung schon vor Reiseantritt leider nicht möglich ist.


Skiinfo: Gibt es eine Faustregel, wie sich die längsten Staus vermeiden lassen?
Katja Frisch: Der ADAC-Staukalender gibt eine recht gute Prognose ab, auf welchen Strecken in der Urlaubszeit mit erheblichem Verkehrsaufkommen gerechnet werden muss. In der Wintersporthochsaison im Februar sind das meist die Freitage und Samstage. Klassische Stauschwerpunkte auf dem Weg in den Skiurlaub sind z.B. der Brenner, der Gotthardtunnel, der Reschenpass, der Pfändertunnel, der Tauerntunnel und der Arlbergtunnel.
Natürlich lässt sich keine allgemeingültige Aussage dazu treffen, aber es hat sich gut bewährt, nach Möglichkeit früh morgens oder spät abends auf die viel befahrenen Strecken zu gehen. Auch ist an Wochentagen die Situation meistens deutlich entspannter als am Wochenende. Wegen des Bettenwechsels am Samstag ist es oft schwierig, auf andere Reisetage auszuweichen, aber zumindest in der Nebensaison ist es nach unserer Erfahrung durchaus so buchbar.

Skiinfo: Wie kann man sich für einen längeren Stau wappnen?
Katja Frisch: Man kann selbstverständlich immer Pech haben und auch bei überlegt gewählten Reisezeiten unversehens in einen langen Stau geraten. Für einen solchen Fall sollten im Winter immer eine warme Decke und Getränke - womöglich in einer Thermoskanne - an Bord sein. Menschen, die regelmäßig Medikamente einnehmen, sollten diese auch im Fahrzeug mitführen. Außerdem sollte man nicht mit zu wenig Sprit im Tank in den Stau geraten, sondern lieber einen Tankstop zu viel als zu wenig einlegen. Und wenn man erstmal im Stau steckt: Regelmäßig lüften - der frische Sauerstoff hilft dem Kreislauf und der Konzentration.

Skiinfo: Welche Punkte sollte ich unbedingt an meinem Fahrzeug überprüfen, bevor ich losfahre?
Katja Frisch: Neben der Beleuchtung und dem Reifenluftdruck sollte man auch den Frostschutzgrad des Scheibenwischwassers überprüfen. Das gilt auch für den Kühlerfrostschutz, sofern der eigene Wagen dies erfordert. Viele neuere Modelle können diesbezüglich nur von einer Fachwerkstatt gewartet werden. Kälteempfindliche Gummidichtungen lassen sich gut mit einem Pflegestift auf tiefe Temperaturen vorbereiten. Wer einen Dachgepäckträger - beispielsweise für Skier - dabei hat, sollte auf der Fahrt während der Pausen kurz dessen Sitz überprüfen.

Neben den schon erwähnten Schneeketten und Winterreifen gehören auch einige Utensilien ins Gepäck, mit denen sich der Wagen wieder startklar machen lässt, wenn er am Ende des Urlaubs vielleicht einige Zeit gestanden hat und eingeschneit sein könnte. Dann leisten Eiskratzer und Schneefeger gute Dienste. Ebenfalls selbstverständlich sollte der Türschlossenteiser sein, der natürlich keinesfalls im Fahrzeug aufbewahrt werden darf...

Vielen Dank für das Gespräch!


Im fünften und letzten Teil unseres Specials geht es um den ersten Tag am Urlaubsort und die ganze Palette von möglichen Aktivitäten während des Urlaubs. Außerdem beschäftigen wir uns mit der wichtigen Frage, was im Falle eines Sportunfalls oder einer anderen Erkrankung im Urlaub zu tun ist.