Seit Johannes Badrutt 1856 mit dem „Engadiner Kulm“ das erste Hotel in St. Moritz eröffnete, hat sich in Sachen Wintersport eine Menge getan: Vom exklusiven Vergnügen vermögender Individualisten hat sich das Skifahren zu einem Sport für breite Bevölkerungsschichten entwickelt.
Im Kielwasser der ersten Alpenurlauber hat sich nicht nur eine komplette Tourismusindustrie entwickelt, sondern sind auch fortlaufend neue Sportarten und Trends wie das Snowboarden oder Skitourengehen entstanden.

Auswahl der Urlaubsregion
Wenn die grundsätzliche Entscheidung für einen Urlaub im Schnee gefallen ist, stellt sich als nächstes die Frage, wohin es denn gehen soll. Wer nicht durch frühere Reisen oder eigene Vorlieben auf einen bestimmten Ort festgelegt ist, sollte ruhig ein paar systematische Überlegungen anstellen, um hinterher aus einer möglichst umfassenden Liste passender Reiseziele wählen zu können.

Die zahlenmäßig größte Gruppe der Wintersportfreunde betreibt Skiabfahrtslauf, ist also nicht nur auf Schnee, sondern auch auf erschlossene Berge angewiesen. Häufigstes Ziel der Winterurlauber sind daher nicht von ungefähr die Alpen: Sie sind nicht nur das ausgedehnteste und höchste Gebirge Europas, sondern bilden auch die größte Wintersportregion des Kontinents. In Österreich, der Schweiz, Frankreich und Italien finden sich über 200 Skigebiete, aber auch Deutschland und Slowenien können mit einer einer beträchtlichen Anzahl von Skiorten aufwarten. Dank Gipfelhöhen von bis zu 4.800 Metern und zahlreichen erschlossenen Gletschergebieten bieten die Alpen auch in „schlechten“ Wintern mit wenig Schneefall meist gute Wintersportbedingungen.

Skivergnügen in den Karpaten?
Aber auch die kleineren Gebirge bieten durchaus gute Sportmöglichkeiten: In Polen und Tschechien locken die Beskiden, die zwar „nur“ auf eine maximale Höhe von etwa 2.000 Metern kommen, aber bedingt durch ihre Lage nordöstlich der Alpen ebenfalls als recht schneesicher gelten. Wie die Beskiden ist auch die Tatra Bestandteil der Karpaten. Mit einer maximalen Höhe von 2.665 Metern zählt die Hohe Tatra in der Slowakei ebenfalls zu den Hochgebirgen und wird zunehmend touristisch erschlossen. Dass der touristische Komfort und gegenwärtiger Ausbau der Sportanlagen noch nicht mit den Alpen mithalten können, versuchen die osteuropäischen Skigebiete durch günstige Preise auszugleichen.

Und auch in Skandinavien gibt es präparierte Pisten: Im schwedischen Skigebiet Idre Fjäll finden sich immerhin rund dreißig Pistenkilometer und ein Snowboardpark. Traditionell konzentriert man sich in Nordeuropa aber aufs Langlaufen und Skiwandern - und für diese Wintersportarten gibt es auch in Deutschland gute Rahmenbedingungen: Neben den klassischen Wintersportzentren im Hochgebirge bieten viele Orte in den Voralpen oder in Mittelgebirgen wie dem Sauerland gespurte Loipen. Wer sich also nicht in erster Linie bergab bewegen möchte, sondern den Langlauf zu seinen persönlichen Wintersportfavoriten erkoren hat, muss also in der Regel nicht ganz soweit fahren.

... oder nach Neuseeland statt Tirol?
Selbstverständlich ist die Freude am Wintersport nicht zwangsläufig an europäische Berge gebunden: Der nordamerikanische Pulverschnee ist legendär, und eine ganze Reihe von spezialisierten Reiseveranstaltern haben mittlerweile auch Ziele wie Aspen (USA) oder Lake Louise (Kanada) im Angebot. Darüber hinaus gibt es auch eine Reihe „exotischer“ Skidestinationen, beispielsweise in Neuseeland oder Chile. Diese Reiseziele sind aber - zumindest von Europa aus - mit gleichermaßen „exotischen“ Preisen ausgestattet und werden daher in der Regel den Vollprofis unter den Wintersportbegeisterten vorbehalten bleiben.

Den richtigen Urlaubsort finden
Sie haben sich grundsätzlich für eine bestimmte Region entschieden? Ausgezeichnet, dann kann es mit dem nächsten Schritt weitergehen - der Auswahl eines geeigneten Urlaubsortes. Viele Ortschaften haben sich in den letzten Jahren erfolgreich darum bemüht, ein möglichst unverwechselbares Profil als Wintersportort zu entwickeln. Abhängig von den eigenen Wunschvorstellungen ist es deswegen durchaus sinnvoll, sich über die spezifischen Angebote und Möglichkeiten zu informieren.
Für den sportlich orientierten Urlauber wird das Skigebiet eine entscheidende Rolle spielen: Wieviele Pisten- oder Loipenkilometer stehen bereit? Welchen Schwierigkeitsgrad haben die Abfahrten? Gilt das Gebiet als schneesicher? Einige Skigebiete weisen spezielle Tiefschneeabfahrten aus, wo sich die Aktiven austoben können, ohne die gesicherten und überwachten Gebiete verlassen zu müssen.

Die Zeiten, in denen sich Snowboarder mit „normalen“ Pisten zufrieden geben mussten, sind schon länger vorbei: Mancherorts gibt es Snowboardparks mit Obstacle-Kursen. Dort können die Boarder unter sich bleiben und sich an eigens konstruierten und ständig gewarteten Hindernissen probieren - was ein erhebliches Plus an Sicherheit bedeutet.
Und auch für Freunde etwas außergewöhnlicherer Disziplinen gibt es Spezialangebote: Skisprungfans und Biathlonanhänger können mittlerweile in einigen Skigebieten mit entsprechender Infrastruktur in „ihre“ Traumsportart hineinschnuppern.

Familien wiederum interessieren sich häufig für eine qualifizierte und doch erschwingliche Kinderbetreuung: Engagierte Skischulen und ergänzende Betreuungsangebote abseits der Piste schaffen in familienfreundlichen Skiorten gute Voraussetzungen, damit der Urlaub für die ganze Familie Spaß und Erholung bietet.

Wer auch im Winterurlaub nicht auf Partyspaß verzichten will und daher viel Wert auf Après-Ski legt, findet ebenfalls Ortschaften, die sich der Geselligkeit mindestens so intensiv wie dem Sport verschrieben haben. Falls Sie - ganz im Gegenteil - aber im Urlaub vor allem Natur pur genießen möchten, zieht es sie vielleicht eher in kleinere Bergdörfer, die bis heute autofrei geblieben sind und einmalige Naturerlebnisse für Wanderer und Spaziergänger bereit halten.

Das Drumherum: Wellness, Restaurants, Kultur
Neben einer möglichst guten Abstimmung auf den persönlichen Reiseschwerpunkt sollte im Urlaubsort Ihrer Wahl natürlich auch das Drumherum stimmen: Schwimmbäder und Saunen gibt es mittlerweile in der Mehrzahl der Wintersportorte - Eislaufbahnen und Squashplätze wird man hingegen eher in den größeren Orten finden.
Auch für die nicht fitness-orientierten Möglichkeiten der Freizeitgestaltung gilt, dass größere Orte zumindest quantitativ mehr zu bieten haben: Exklusive Shoppingmöglichkeiten oder ein eigenes Kino sind meist den touristischen Zentren vorbehalten.

Zwischen Hüttenromantik und Luxushotel
Die Zeiten, in denen die Bergbauern der Alpen durchkommende Wanderer mit einem Heulager und etwas Milch oder Suppe versorgten, sind nun schon rund 150 Jahre vorbei. Die Palette an Unterkunftsmöglichkeiten bietet heute etwas für jeden Geschmack und jeden Geldbeutel. Die Spannbreite reicht von einfachen Bed & Breakfast-Pensionen bis zu luxuriösen Fünf-Sterne-Hotels mit mehreren Restaurants, Bar und Fitnessbereich. Ferienwohnungen - ob von privaten oder gewerblichen Vermietern - sind ebenfalls in verschiedenen Ausstattungen und Preislagen zu haben. Reiseveranstalter haben häufig Gruppenreisen im Programm, bei denen sich eine Reisegruppe eine Berghütte teilt und auch dort verpflegt wird. Mit einem ähnlichen Konzept arbeiten die Jugendherbergen und Jugendgästehäuser, die ebenfalls in vielen Wintersportregionen vertreten sind.

Als Faustregel gilt: Je näher sich eine Unterkunft am eigentlichen Skigebiet befindet, desto kostspieliger wird sie auch sein. Hotels und Ferienwohnungen in den Orten rings um die Talstationen der Skigebiete sind daher meist günstiger zu buchen als Quartiere in 2000 Meter hoch gelegenen Bergdörfern. Wer die tägliche Bus- oder Seilbahnfahrt vor dem eigentlichen Sportvergnügen nicht scheut, kann so die Urlaubskasse systematisch schonen. Wer dagegen im Urlaub auf kurze Wege Wert legt und die Ferientage möglichst intensiv zur sportlichen Betätigung nutzen möchte, wird die eventuell höheren Unterbringungskosten direkt vor Ort als lohnende Investition empfinden.