Nach den Weltcup-Rennen in Beaver Creek hagelte es Kritik an FIS Renndirektor Günter Hujara, der gemeinsam mit den lokalen Veranstaltern in den USA alle vier angesetzten Rennen trotz teilweise äußerst fragwürdiger Bedingungen durchgezogen hatte. Vor allem beim Super-G am 1. Dezember und beim Slalom fühlten sich viele Aktive benachteiligt. Derweil fordert Hujara mehr Professionalität von den Rennläufern ein.

Klare Gesten der Aktiven
Die Gesten waren eindeutig: Hämischer Applaus vom Schweizer Bruno Kernen wie von Antoine Deneriaz (FRA), die beide ihren Super-G Lauf abbrachen, um einen Sturz zu vermeiden. Didier Cuche (SUI) zeigte gar den Vogel. Adressat dieser Unmutsbekundungen war vor allem die FIS-Renndirektion um Günter Hujara, die bei schlechter Sicht und starken Windböen die Athleten dennoch auf die Strecke schickte. Beim Super-G wurden vor allem die Favoriten vom Winde verweht - auch Lokalmatador Bode Miller blies es von der Piste in Beaver Creek.

Keine Gefahr für Leib und Leben
Diese Gesten ließ Hujara nicht unerwidert und verlangte mehr Professionalität von den Sportlern. Sofern keine Gefahr für Leib und Leben der Sportler besteht, wird auch bei schwierigen Bedingungen gefahren - das ist die Essenz von Hujaras Sicht der Dinge. Auf die Gesten der Sportler war der Renndirektor daher auch nicht gut zu sprechen: Beim Fußball gebe es für Beleidigungen des Schiedrichters die rote Karte. Der Aspekt der Fairness ist im Skirennsport für Hujara zweitrangig. In einem Outdoor-Sport gebe es keine gleichen Bedingungen für alle Läufer. Diese müssen demnach auch drastische Benachteiligungen durch die äußeren Bedingungen schlucken.

Raich auf Siegfahrt weggeblasen
Das sieht Toni Giger, Cheftrainer der ÖSV-Herren, zum Teil anders. Er beanstandete nach dem Slalom-Finale die Ungleichbehandlung der einzelnen Athleten. So hätte der entscheidende Durchgang vor der Fahrt von Benjamin Raich unterbrochen werden müssen, da dort im Zielraum zu starke Windböen geweht hätten. Dafür zuständig ist der Zielrichter, der auch bei anderen Startern zuvor das Rennen unterbrochen hatte. Raich aber ließ er starten - prompt wurde dieser, auf Siegkurs liegend, von der Piste geweht und schied aus.

Wie sicher war Beaver Creek?
Gigers durchaus berechtigte Kritik richtet sich dabei also nicht gegen die generelle Ansetzung des Slaloms bei den in Beaver Creek herrschenden Bedingungen, sondern gegen die willkürlich anmutenden Einzelfallentscheidungen der lokalen Funktionäre an der Strecke. Ein generelles Problem wird dabei aber ausgespart: War die Sicherheit der Rennfahrer denn tatsächlich gewährleistet? Im Nachhinein kann man nur positiv festhalten, dass Stürze und Verletzungen ausgeblieben sind. Die Situation wird aber bei der Teamleiterbesprechung in Val d`Isere am Mittwoch noch einmal thematisiert werden.