Peter Geyer ist Präsident der Internationalen Vereinigung der Bergführerverbände (IVBV) und auch in dessen deutschen Ableger aktiv.
Bereits im Alter von zwölf Jahren stand für ihn fest, dass er Bergführer werden würde; als er 20 war hatte er sein Ziel erreicht und ist so der Jüngste seiner Gilde, den es je gegeben hat und geben wird - heutzutage lassen die bestehenden Ausbildungsreglementarien einen fertigen Abschluss in solch jungem Alter nicht mehr zu.

Geyer bekleidet das internationale Amt seit zwei und das nationale seit elf Jahren. Vorher war er Ausbildungsreferent des Verbandes und leitete die Bergführerausbildung. Schwerpunktmäßig kümmert sich Geyer um alle beruflichen Angelegenheiten nationaler und internationaler Bergführer, insbesondere um Fragen des Risikomanagements im alpinen Bereich. Nach wie vor ist er viel im Gebirge unterwegs, befasst sich mit Flora und Fauna der Bergwelt und leitet mitunter Expeditionen auf allen Kontinenten des Globus.
Wir sprachen mit Peter Geyer über die Faszination der Berge und die Aufgaben, die sich daraus für Bergführer ergeben.

ski2b: Herr Geyer, hat der Mensch ein Bedürfnis nach Natur?
Peter Geyer: In jedem Falle! Heute mehr als je zuvor, denn Mensch und Natur bilden keine Einheit mehr.
Das Maß an Zivilisation in unseren Breiten führt dazu, dass viele Menschen nicht mehr in der Lage sind, Natur zu erkennen. Hier sehe ich die Hauptaufgabe der Bergführer: Natur zu vermitteln.
Ich selbst hatte dieses Jahr in Erwägung gezogen, mein Engagement im nationalen Verband zu beenden, um mehr Zeit draußen verbringen zu können.


ski2b: Bergführer stellen alpine Landschaften vor. Was fasziniert die Menschen dort?
Peter Geyer: Ganz sicher das Naturschauspiel; die meisten Leute brauchen aber eine gewisse Anlaufzeit diese Schönheit überhaupt wieder erkennen und verstehen zu können. Wir Bergführer sind bei diesen Prozessen der Katalysator, der auf entsprechende Zusammenhänge und Wahrnehmungen hinweist und -stößt.
Die Motivation, in die Berge zu gehen, ist unterschiedlich. Für manche ist es auch der Wunsch, den eigenen Körper zu erleben oder gar in Grenzbereiche möglicher Belastungen vorzustoßen - der Bergführer aber muss immer wieder auf das Naturerlebnis fokussieren.

ski2b: Sie führen Menschen bewusst in Regionen, die auch ein Gefahrenpotenzial beherbergen...
Peter Geyer: ... wenn man um die Gefahr aber nicht weiß, erkennt man sie auch nicht. Hier bewegen wir uns zusehends in eine Sackgasse, denn immer mehr Menschen handeln am Berg nicht mehr eigenverantwortlich; wir müssen aber zurück zur Selbstverantwortung. Bergführer wollen den mündigen Gast - der fasziniert mich, denn Risikomanagement ist eine Gemeinschaftsaufgabe.

ski2b: Danke, dass Sie Sich für das Interview zur Verfügung gestellt haben.