Georg Nickaes betreibt das Skibergsteigen seit zehn Jahren als Leistungssport, überhaupt kennt und betreibt der Heeresbergführer und Sportphysiotheraput alle Formen des Alpinismus. Zweimal, 1996 und 1998, war er Teilnehmer an der berüchtigten "Patrouille des Glaciers", dem beeindruckendsten internationalen Wettkampf dieser
Disziplin, der eine einzigartige Anziehungskraft ausübt und bei dem nur 1000 ausgewählte Teams zum Start zugelassen werden.
Als bester deutscher Teilnehmer beim "Diamirrace" am Dammkar 1999 bekam er in der Folge die Nominierung, bei internationalen Wettkämpfen für den Deutschen Alpenverein an den Start zu gehen. 2001 schaffte Nickaes beim Hochalpinrennen "Trofeo Mezzalama" in einer Dreiermannschaft zusammen mit Mathias Robl und Gerhard Reithmeier die beste jemals von deutschen Startern gelaufene Zeit. Georg Nickaes ist seit 1999 im Europacup vertreten und bei Europa- und Weltmeisterschaften am Start.

Mountains2b: Herr Nickaes, der Beginn der Weltcupserie steht vor der Tür. Wie haben Sie Sich zuletzt vorbereitet?
Georg Nickaes: Meine letzte Formüberprüfung fand am 27. Dezember im Rahmen des Tirolcup beim Reiterkogellauf im Alpbachtal in Tirol statt - hinter dem Österreicher Alfred Mandl konnte ich den zweiten Platz erreichen; die Form ist gut.

Mountains2b: Was ist das Ziel für die erste Weltcup-Veranstaltung am 10. Januar im italienischen Belluno?
Georg Nickaes: Schwere Alpinrennen sind in der Regel
Zweierteamrennen. So auch der bereits zum 21. Mal ausgetragene Transcavallo, heuer im Rahmen der Worldcupserie. Gerhard Reithmeier ist in solchen Fällen
seit 1999 mein bewährter Partner. Es gilt wieder einmal, zunächst gegen unsere starke Konkurrenz aus dem eigenen Land zu bestehen - in Belluno wäre eine Platzierung um Position 15 ein guter Weltcupauftakt. Die
Skibergsteiger-Elite aus Italien, Frankreich und der Schweiz werden wir, realistisch gesehen, nicht hinter uns lassen können.

Mountains2b: Wie hat man sich den Ablauf der Veranstaltung vorzustellen?
Georg Nickaes: Am Donnerstag reisen wir nach Italien und die deutsche Mannschaft trifft sich um 19 Uhr im Hotel vor Ort. Tags darauf ist offizielle Streckenbesichtigung, wobei das bei einer zu überwindenden Höhendifferenz von 3820 Höhenmetern bei 17 Kilometern horizontaler Entfernung nur Abschnittsweise möglich ist. Dann stehen Startnummernausgabe und Materialcheck auf dem Plan. Am Abend gibt es im Rahmen eines offiziellen Briefings des Veranstalters letzte Informationen zur Strecke und zum Wetter. Der Massenstart ist für kommenden Samstag um 9 Uhr angesetzt. Die Heimreise findet am Sonntag statt.

Mountains2b: Wie sieht die weitere Saisonplanung aus?
Georg Nickaes: In der nächsten Woche sind wir am 16. Januar in Saalbach (Österreich) beim 'Mountain Attack' am Start, ein Rennen, dass sich seit seinem kurzen Bestehen - es wird erst seit 1999 ausgetragen - zu einem echten Magneten für Skibergsteiger entwickelt hat. In der Woche danach ist wieder ein Weltcup in Morgins in der Westschweiz.
Anschließend steht schon der DAV Dynafit Skitourencup 2004 an, die deutsche Wettkampfserie im Skibergsteigen, mit den Stationen Mittenwald/Dammkar, Bergen/Hochfelln und Bad Reichenhall/Predigtstuhl in den bayerischen Alpen. Die Gesamtwertung dieser drei Rennen bestimmt die Deutschen Meister. Der Dammkarwurm findet am 31. Januar statt, Hochfellnmandl und Riapsport-Predigtstuhltrophy am 15. beziehungsweise 21. Februar.
Zudem werde ich noch eine Veranstaltung am Genfer See und eventuell den Dachsteinbock bestreiten. Auch die über 10.000 Aufstiegshöhenmeter im Rahmen der viertägigen
"Pierra Menta" (Frankreich 11. bis 14. März), neben der
"Patrouille des Glaciers" und der "Trofeo Mezzalama" das spektakulärste Rennen überhaupt, sind ein Ziel.

Mountains2b: Was sind die Höhepunkte dieser Saison?
Georg Nickaes: Sicher die Deutsche Meisterschaft, bei der ich gut abschließen möchte und die "Pierra Menta", bei der ich zusammen mit Jörg Rauschenberger an den Start gehe, einem Bergführer und ebenfalls Nationlmannschaftsmitglied aus Bad Reichenhall.
Daneben lege ich einen weiteren Schwerpunkt auf die Weltmeisterschaft, die vom 02. bis 06. März in Val d'Aran in Spanien ausgetragen wird, für die ich mich zuvor aber erst intern qualifizieren muss; Fernziel ist, bei einem Teamwettbewerb eine TopTen-Platzierung zu erreichen.
Und auch beim Weltcup-Finale im italienischen Bormio möchte ich mich am 17. April in einer guten Verfassung präsentieren. Die Saison endet traditionell mit der Watzmanngams - einem alpinen Heimrennnen - Ende April.

Mountains2b: Seit wann besteht eine offizielle deutsche Nationalmannschaft im Skibergsteigen?
Georg Nickaes: Der Deutsche Alpenverein (DAV) ist seit 2000 mit einer Nationalmannschaft bei internationalen Wettkämpfen vertreten - an dieser Stelle muss ich mit Riapsport aus Bad Reichenhall den Hauptsponsor der
Nationalmannschaft Skibergsteinen erwähnen, der uns diese internationale Präsenz mit ermöglicht. Das gleiche gilt für meine Sponsoren Dynafit, Haglöfs, Ortovox und Colltex, mit denen ich schon seit mehreren Jahren erfolgreich zusammen arbeite.
Der Tourensport nimmt in Deutschland derzeit eine gute Entwicklung, doch noch liegen wir, was diesen Sport und entsprechende Förderungen im Leistungsbereich betrifft, im Vergleich zu Ländern wie Italien oder Frankreich weit zurück; ohne Sponsorenunterstützung könnte ich internationale Wettkämpfe nicht in der momentanen Form betreiben.

Mountains2b: Danke, dass Sie für das Interview zur Verfügung gestanden haben.