Bergwachtstatistiken machen es deutlich: Der Großteil der in den Bergen Verunglückten kommt nicht aus der relativ kleinen Gruppe der Extrembergsteiger, sondern vielmehr aus der großen Masse "normaler" Bergwanderer, Bergsteiger, Kletterer, Mountainbiker, Skifahrer und Tourengeher.

Lästige Pflicht?
Mindestens diejenigen, die einen alpinen Erste Hilfe-Kurs besucht haben, wissen, dass es im Gebirge Regionen ohne Funkverbindung für Mobiltelefone gibt - dass im Falle eines Unfalls also keine professionelle Hilfe angefordert werden kann. Und dass in anderen Fällen alarmierte Rettungskräfte der Bergwacht selbst mit einem Hubschrauber gewisse Zeit brauchen, bis sie am Unglücksort eintreffen. Immer dann ist es notwendig, eine Erstversorgung Verletzter gewährleisten zu können. Ein solides Wissen um Erste Hilfe-Maßnahmen kann in solchen Momenten überlebenswichtig sein.

Kurse besuchen!
Wir können an dieser Stelle nur appellieren, das eigene Erste Hilfe-Wissen im Rahmen einer Schulung aufzufrischen. Wir halten uns bei der Darstellung der Vorgehensweise beim Ausgraben und Erstversorgen Lawinenverschütteter an die Empfehlungen, die Alexander Römer und Günter Durner in den beiden Büchern "Erste Hilfe, Bergrettung" und "Lawinen Know-how" geben, die im Literaturblock dieses Spezials vorgestellt werden. Beide Bücher empfehlen wir ausdrücklich.

Ausgraben von Lawinenverschütteten
Im Anschluss an eine genaue Lokalisierung mit einer Sonde sollte man umgehend mit dem Ausgraben Lawinen-Verschütteter beginnen. Dabei bleibt die Sonde als Orientierung an Ort und Stelle. Wenn die Möglichkeit besteht, immer von der Seite graben - so trägt man nicht zu einer weiteren Verdichtung des Schnees bei und erhöht nicht den Druck auf Verschüttete.

Ist eine verschüttete Person erreicht, den Kopf mit den Händen freilegen und das Gesicht vor nachrutschendem Schnee schützen, sodass die Atemwege frei von Schnee und Schmelzwasser sind. Bei Mehrfachverschüttungen ist an dieser Stelle das LVS der gefundenen Person auszuschalten, um andere Verschüttete besser finden zu können.
Anschließend sollten umgehend Erste Hilfe-Maßnahmen ergriffen werden: Die ABC-Regel (atmet die betroffene Person, ist sie bei Bewusstsein, Zirkulation - ist ein Puls spürbar?) zur Kontrolle der Lebensfunktionen ist zu befolgen und eine feuchtheiße Packung gegen weitere Unterkühlung sollte zum Einsatz kommen. Sind sichtbare Verletzungen erkennbar? Bedenkt: die Unterkühlung Verschütteter schreitet im Schnee langsamer voran als an der Luft - Geborgene mit Anzeichen von Unterkühlung sollten nicht Wind und Wetter ausgesetzt werden, sondern sind erst direkt vor dem Abtransport oder Umlagern in eine "Hibler-Packung" aus dem Schnee zu bergen.

Vorgehensweise nach dem Bergen
Unterkühlte Personen sollten sich nach der Bergung aus einer Lawine nicht aktiv bewegen. Warum das so ist, können Sie im folgenden Interview lesen.

Interview mit Alexander Römer
Was bei Erste Hilfe-Maßnahmen im Falle geborgener Lawinenverschütteter besonders zu beachten ist, darüber sprachen wir mit einem der Autoren des Buches "Erste Hilfe - Bergrettung", der zahlreiche Ausbildungen im medizinischen Bereich absolviert hat und über ein ordentliches Maß alpiner Erfahrung verfügt.

Alpine Notrufnummern
- Europäische Notrufnummer: 112
- Deutschland: 19222
- Österreich: Bergrettung 140 / Allg. Rettungsdienst 144
- Schweiz: Flugrettung 1414 / 144 Rettungsdienst
- Italien/Südtirol: 118

Notfallmeldung
Eine Notfallmeldung an professionelle Hilfsdienste wie die Bergrettung muss folgende Angaben beinhalten, um den Leitstellen eine schnelle und zielgerichtete Einsatzplanung zu ermöglichen:
- Was ist passiert?
- Wo ist es passiert?
- Wieviele Verletzte gibt es?
- Wann ist es passiert?
- Wer macht die Unfallmeldung?
- Wie ist das Wetter am Unfallort? Angaben zur Sicht und den Windverhältnissen sind im Hinblick auf einen unter Umständen notwendigen Hubschraubereinsatz wichtig.

Alpines Notsignal
Für die Verständigung zwischen Verunglückten und Rettern gibt es ein im gesamten Alpenraum gültiges Notsignal.
- Hilfe benötigt: 6x pro Minute ein akustisches oder sichtbares Zeichen geben.
- Antwort der Retter: 3x pro Minute ein akustisches oder sichtbares Zeichen.

Quellen und Literatur
- www.vdbs.de
- Günter Durner und Alexander Römer, Lawinen Know-How, 1. Aufl. 2003, ISBN 3-9807101-5-7
- Günter Durner und Alexander Römer, Erste Hife Bergrettung, 1. Auflage 2002, ISBN 3-9807101-2-2
- Werner Munter, 3x3 Lawinen - Entscheiden in kritischen Situationen, 2. Aufl. 1999, ISBN 3-00-002060-8
- Martin Engler, Die weiße Gefahr: Schnee und Lawinen..., 1. Aufl. 2001, ISBN 3-9807591-1-3