Eigentlich wollte Hilde Gerg erst nach den Olympischen Spielen 2006 in Turin ihre Karriere beenden. Eine Verletzung, die sich die 30-Jährige am Anfang der Saison 2005/2006 zuzog, ließ Gerg aber bereits vor dem ersten Speed-Rennen in Lake Louise vom aktiven Rennsport zurücktreten.

Allrounderin holte bereits mit 18 erste WC-Punkte
Hilde Gerg war zur aktiven Zeit neben Martina Ertl-Renz Deutschlands vielseitigste Fahrerin im FIS-Weltcup. Bereits 1993, als sie als 18-Jährige in Cortina d'Ampezzo (ITA) ihre ersten Weltcuppunkte einfuhr, deutete sich ihr großes Talent an. Trotz schwerer Verletzungen, die sie weit zurückwarfen, entwickelte sie sich zur festen Größe in Deutschlands Ski-Nationalmannschaft.

Früh übt sich...
Das deutsche Skistars nicht auf Sylt aufwachsen, das kann man sich wohl denken. Aber auch im schönen Bayern wird nicht jedes Mädel zum Skiprofi. Bei Hilde Gerg begünstigte die Schulpflicht ein schnelles Erlernen des Skifahrens. Zwar hatte sie schon mit zwei Jahren das erste Mal auf den Brettern gestanden, aber erst der tägliche Weg zur Schule mit angeschnallten Skiern verlieh Hilde die Sicherheit, die sie in den Wettkämpfen auszeichnete.

Als Juniorin schon sehr erfolgreich
Mit 16 gelang der 'wilden Hilde' der Sprung ins Junioren-Team des Deutschen Skiverbandes, mit 18 Jahren wurde sie schon Juniorenweltmeisterin. Der Durchbruch im Weltcup der 'Großen' gelang ihr schon in der Saison 1993/1994, in der sie einen Weltcupsieg in Sierra Nevada feiern konnte.

Tolle Karriere bis zum Jahr 2000
Bis zum Jahr 2000, in dem Hilde Gerg nach einem schweren Sturz sich das Schien-und Wadenbein brach, verlief ihre Karriere besser als sie es sich hätte träumen lassen können. Mehrere Weltcupsiege, der Super-G-Weltcup 1996/97, zwei dritte und ein zweiter Platz in der Weltcup-Gesamtwertung, Medaillen bei Weltmeisterschaften und als vorläufige Krönung der Sieg im Slalom der Olympischen Winterspiele in Nagano 1998. Die Liste der Erfolge ist lang, doch der Weg nach der Verletzung zurück in die Weltspitze war hart und beschwerlich.

Bronze bei der WM 2001
Mit dem Gewinn der Bronzemedaille bei den Weltmeisterschaften in St. Anton (AUT) sorgte Hilde nach ihrer Verletzung für einen Paukenschlag. Für das DSV-Team war dieser Triumph die Initialzündung. Martina Ertl und Florian Eckert machten es der Hilde in der Folge nach und sorgten dafür, dass der Deutsche Skiverband gleich dreimal Edelmetall holte.

Tolle Saison 2001/2002 - Pech in Salt Lake
Zu der Top-Fahrerin im DSV-Team avancierte Hilde dann im olympischen Skiwinter. In Saalbach-Hinterglemm gelang ihr gar der Doppel-Abfahrtserfolg! Im Super-G sicherte sich der Skistar aus Lenggries letztlich verdient die kleine Kristallkugel. Einzig bei Olympia 2002 blieb ihr eine Medaille verwehrt. Tränen kullerten, doch Hilde Gerg tröstete sich schließlich beim Saisonfinale in Altenmarkt/Zauchensee mit dem Disziplinen-Erfolg.

Weitere Verletzung im Winter 2002/2003
Nachdem sie sich in Lake Louise (CAN) das Kreuzband riss, konnte Hilde Gerg nicht mehr so angreifen, wie man es von ihr gewohnt war. Sie fuhr trotzdem noch bei den Welt-meisterschaften in St. Moritz mit, doch reichte es nicht für eine Medaille.

Konzentration auf Speedrennen
Im Winter 2003/2004 konzentrierte sich Gerg zunächst einmal nur auf die Speed-Wettbewerbe. Dies gelang ihr beim Comeback in Lake Louise äußerst eindrucksvoll mit Platzierungen unter den ersten Fünf. Auch danach war sie stets unter den besten Fünf zu finden und gewann schließlich auch Weltcuprennen. Den Disziplinen-Weltcupsieg im Super-G verpasste sie leider äußerst knapp.

Technik und Gefühl
Das Erfolgsrezept von Hilde Gerg war ihre unglaubliche Gleitfähigkeit und das Gefühl für den Schnee. Manchmal schien es, als schwebe sie den Berg herunter. Aus einer gesunden Mischung zwischen Kraft und Technik resultierte ihre Schnelligkeit, die ihr im Weltcup großen Respekt eingebracht hat.

Mannschaftsweltmeisterin
Gerg holte in der Saison 2004/2005 einige Podestplätze, auch einige Rennen konnte sie gewinnen, aber zum Gewinn einer Kristallkugel hat es leider nicht gereicht. Bei der WM in Bormio konnte Gerg zwar keine Einzelmedaille gewinnen, holte aber dafür beim erstmals ausgetragenen Teamwettbewerb mit der Mannschaft den Weltmeistertitel.

Schlussstrich nach erneuter Knieverletzung
Während der Vorbereitungen auf die olympische Skisaison 2005/2006 stürzte Hilde Gerg im amerikanischen Copper Mountain so schwer, dass sie ihre aktive Karriere vorzeitig beendete. Dabei wollte die Allrounderin erst nach der Saison, in der die Olympischen Spiele in Turin noch einmal das große Ziel waren, erst einen Schlussstrich unter ihre erfolgreiche Karriere setzten. Ein Impressionsbruch des Schienbeinkopfes, einen Abriß des Außenmeniskus sowie eine Teilruptur des hinteren Kreuzbandes des rechten Knies sorgten dafür, diesen schon vor der Saison zu ziehen.

Steckbrief:
Geboren: 19.10.1975 in Schonau am Königsee
Nation: Deutschland
Heimatverein: Skiclub Lenggries
Größe: 172 cm
Gewicht: 68 kg
Hobbies: Lesen, Biken, Wanderungen im Berchtesgadener Land
Web: www.hildegerg.de

Erfolge:
Olympische Spiele:
2002 in Salt Lake City (USA): DH (4), SG (5)
1998 in Nagano (JAP): DH (9), K (3), SG(10), SL (1)
1994 in Lillehammer (NOR): K (8)

Weltmeisterschaft:
2005 in Bormio (ITA): DH (8), SG (13), Team (1)
2001 in St. Anton (SUI): DH (6), GS (3)
1999 in Vail (USA): K (4), SG (4)
1997 in Sestriere (FRA): K (3), SG (3), SL (6)
1996 in Sierra Nevada (SPA): K (10)

Weltcup:
Weltcup-Disziplinen-Siegerin im Super-G 1997 und 2002
Weltcup-Disziplinen-Zweite in der Abfahrt 2004 und 2005
2. Platz im Gesamtweltcup 1999
insgesamt 20 Weltcupsiege