Die beste deutsche Speed Fahrerin Hilde Gerg hat nach ihrer am 17. November erlittenen Knieverletzung ihre Karriere als Leistungssportlerin beendet. In einem ersten Statement nach dem Trainingssturz hatte die Lenggrieserin sich noch Hoffnung auf einen Olympiastart ausgemalt. Nach ihrer Operation am Samstag kam dann das Aus. Der Rücktritt wurde am Montag, den 21. November, in der Münchner WolfartKlinik offiziell bekannt gegeben. In ihrer letzten Saison hatte Gerg vor allem noch einmal die Teilnahme an den Olympischen Winterspielen in Turin zum Ziel gehabt.

Olympia-Traum geplatzt
"Aufgrund der schweren Verletzung habe ich beschlossen, meine aktive Karriere früher als geplant zu beenden. Ich wäre zwar gerne bei den Olympischen Spielen in Turin gestartet, aber nach dieser Verletzung ist das nicht mehr möglich", äußerte sich Deutschlands beste Abfahrerin in einer Pressemeldung des DSV. Die Verletzung erwies sich laut dem behandelnden Arzt Dr. Erich Rembeck als sehr komplex: "Hilde Gerg hat sich einen Impressionsbruch des Schienbeinkopfes, einen Abriss des Außenmeniskus sowie eine Teilruptur des hinteren Kreuzbandes im rechten Knie zugezogen", so der Münchner Kniespezialist. "Die Operation verlief positiv. Hilde Gerg wird einige Tage in der Klinik bleiben, ehe sie mit Rehabilitationsmaßnahmen beginnen kann."

Die letzte Fahrt
"Ich habe zwar schon oft bewiesen, dass ich mich nach schweren Verletzungen wieder an die Weltspitze herankämpfen konnte, aber mir war sofort nach dem Sturz klar: das war die letzte Fahrt," meinte die Deutsche auf der Pressekonferenz. Was für Hilde Gerg nach dem sehr erfolgreichen Lebensabschnitt als Skirennfahrerin nun folgt, ist noch nicht bekannt.

Erneuter Rückschlag für den DSV
Für den DSV ist das Karriereende der Siegfahrerin Gerg ein erneuter Rückschlag, nachdem das Herrenteam bereits kurz vor Saisonbeginn die Rücktritte von Max Rauffer und Florian Eckert verkraften musste. Bei guter Gesundheit wäre die 30-Jährige auch eine der großen Medaillenhoffnungen des deutschen Olympia-Teams in Turin gewesen. Damit ruhen die Hoffnungen des DSV in den schnellen alpinen Wettbewerben nun auf Petra Haltmayr und der wieder genesenen Maria Riesch.

Trainingssturz in Copper Mountain
Der Unfall, der die Karriere der 'Wilden Hilde' so abrupt beendete, hatte sich im amerikanischen Copper Mountain ereignet. In einer ersten Untersuchung des US-Spezialisten Dr. Richard Steadman war ein Impressionsbruch des Schienbeinkopfes, einen Abriß des Außenmeniskus sowie eine Teilruptur des hinteren Kreuzbandes diagnostiziert worden. Diese komplexe Knieverletzung ließ der Deutschen wohl keine Chance auf eine aussichtsreiche Teilnahme am Großereignis im Februar 2006.

Alle Höhen und Tiefs miterlebt
Hilde Gerg hat in ihrer Sportlerkarriere einige Erfolge feiern können, aber auch einige Tiefs miterlebt. Ihr größter Triumph war die Goldmedaille im Slalom bei den Olympischen Spielen von Nagano 1998. Insgesamt 20 Weltcupsiege zwischen 1994 und 2004 zeugen von ihrer Spitzenstellung im alpinen Skirennsport, zudem erreichte sie weitere 39 Podestplatzierungen. Dabei hatte Gerg bereits zuvor zwei schwere Verletzungen erlitten. Im Jahr 2000 brach ihr Schienbein, 2002 riss das Kreuzband. Nach beiden Verletzungen kämpfte sich Gerg aber wieder an die Weltspitze heran.

Stimmen zum Rücktritt:
Cheftrainer Wolfgang Maier: "Mit Hilde Gerg verlieren wir die erfolgreichste Deutsche Speedfahrerin. Sie war die Gallionsfigur der Abfahrtsmannschaft und trug wesentlich dazu bei, dass wir den Anschluss an die Weltspitze halten konnten. Ihr Rücktritt tut sehr weh."

Walter Vogel: "Hilde Gerg war, ist und bleibt eine der großen Persönlichkeiten im alpinen Skirennsport. Mit Hilde Gerg muss eine unserer Leitfiguren ihre Karriere vorzeitig beenden, die sich durch ein hohes Maß an Professionalität bei Training, Wettkampf und öffentlichen Auftritten auszeichnete. Hilde war Sportlerin mit Selbstbewusstsein, Eigenverantwortung und hoher Eigenkompetenz, dadurch auch ein kritischer, mündiger Athlet wie wir uns das beim DSV wünschen. Deshalb verlieren wir eine absolute Führungspersönlichkeit im alpinen Skirennsport in Deutschland."