Ski2b.com: Renate, in knapp zwei Wochen beginnt die neue Weltcupsaison. Wie bist Du bis jetzt mit den Vorbereitungen zufrieden?
Renate Götschl: Im Großen und Ganzen eigentlich sehr, denn wir konnten fast alles machen was wir uns vorgenommen haben. Das dreiwöchige Trainingslager in Neuseeland (Mitte August bis Anfang September) war ganz okay und in den letzten Wochen hatten wir auch in Zermatt optimale Trainingsbedingungen. Von da her sind wir genau im Soll und die Weltcupsaison kann beginnen.

Ski2b: Vor allem bei den Überseetrainings hattet Ihr in den letzten Jahren des öfteren Wetterprobleme. Seit Ihr dieses Mal von gröberen Wetterkapriolen verschont geblieben?
Renate: Ja eigentlich schon. Das einzige Problem war, dass die Temperaturen manchmal etwas zu warm waren. Darauf haben wir aber gut reagiert, indem wir die Trainingsinhalte teilweise etwas geändert haben. Aber im Großen und Ganzen war es okay. Wir waren auf Schnee und das war einmal das wichtigste.

Ski2b: Die letzten Wochen haben auch dazu gedient, dass neue Trainerteam kennen zu lernen. Anstelle von Walter Hlebayna ist ja nun Jürgen Gralla Euer neuer Gruppentrainer. Wie war bis jetzt die Zusammenarbeit mit Ihm?
Renate: Naja, am Anfang war das sicher einmal ein zusammen suchen und schauen ob man sich findet. Das braucht sicher noch ein bisschen. Aber das funktioniert nicht so schlecht. Interessant wird es dann sicher erst im Laufe der Saison. Da ich doch schon so lange dabei bin hoffe ich, dass ich Probleme - falls welche auftauchen - auch selber meistern kann.

Ski2b: Zuletzt habt Ihr in Zermatt trainiert, diese Woche wäre Sölden geplant gewesen. Dieser Schneekurs musste aber auf Grund der Wetterkapriolen abgesagt werden. Nächste Woche soll es vor dem Weltcupauftakt in Sölden den letzten Feinschliff geben. Mit welchen Erwartungen gehst Du in dieses erste Rennen?
Renate: Vor dem ersten Rennen ist es immer schwierig, eine Prognose abzugeben. Man weiß nicht was passiert. Aber es ist ideal, um zu sehen, wo man wirklich steht. Das ist einmal ein erstes Abtasten, nur Sölden ist immer wieder ein eigenes Thema. Es ist ein schwerer Hang und da muss wirklich alles passen. Zur Zeit bin ich noch im Formaufbau und für mich ist wichtig, dass ich dann ab Anfang Dezember meine Form habe.

Ski2b: Jeder interessierte Skifan weiß, dass das Material eine große Rolle spielt. Gibt es bei Deinem Skimaterial oder auch bei den Skischuhen von Salomon Veränderungen und inwieweit konntest Du das neue Material testen?
Renate: Wir haben schon seit dem Frühjahr viel gearbeitet und Salomon hat neue Skier entwickelt. Denn vor allem im Super-G haben wir gesehen, dass in der vergangenen Saison einige Sachen nicht gepasst haben. Die Tests sind sehr positiv verlaufen. Jetzt hoffe ich, dass sich die Umstellungen auch in den Rennen bemerkbar machen. Im Riesenslalom haben wir auch einige Kleinigkeiten geändert. Das Material entwickelt sich einfach immer weiter.

Ski2b: Du kannst ja mittlerweile auf eine 13-jährige Erfahrung im Skiweltcup zurück blicken. Olympiagold ist eigentlich das Einzige, was Du im Laufe Deiner äußerst erfolgreichen Karriere bis jetzt nicht gewonnen hast. Lässt Du Dich da irgendwie unter Druck setzen?
Renate: Unter Druck setzen lasse ich mich sicher nicht. Es ist natürlich auch mein persönlicher Wunsch, in Turin Gold zu gewinnen, da es eben wirklich die einzige Medaille - oder der einzige Titel - ist, der mir noch fehlt. Aber das ist nicht das einzige Ziel auf das ich in der kommenden Saison hin arbeite. Für mich wäre es einfach auch schön, eine Kugel zu gewinnen. Aber man wird sehen.

Ski2b: Du hast ja eine interne Wette mit Franz Klammer laufen, dass Du ebenso wie er fünf Kristallkugeln im Abfahrtsweltcup gewinnst. Vier hast Du schon, kommt nun die fünfte?
Renate: Das wäre natürlich ganz toll. Ich hoffe, dass das realistisch ist. Aber die Konkurrenz wird auch immer stärker. In diesem Winter haben wir wieder sehr attraktive Strecken dabei, wie z.B. seit langem wieder Bad Kleinkirchheim. Diese Strecke bin ich im Sommer zu Fuß abgewandert und ich muss sagen, dass ist wirklich eine sehr schöne und selektive Strecke. Ich werde mein bestes probieren und habe auch sehr intensiv und konsequent trainiert, um dieses Ziel erreichen zu können.

Ski2b: Im Hinterkopf tickt ja auch bei Dir die biologische Uhr. Du hast in diesem Jahr Deinen 30. Geburtstag gefeiert. Wie geht es Dir gesundheitlich?
Renate: Gesundheitlich geht es mir wirklich sehr gut. Mit meinem Knie ist alles in Ordnung, da habe ich schon in der letzten Saison kaum mehr Probleme gehabt. Dass immer wieder so kleine Wehwehchen daher kommen ist ganz normal, aber das kann mich nicht mehr umhauen. Ich habe schon sehr schwierige Zeiten hinter mir (Sturz in Lenzerheide) und von da her freue ich mich auf die kommende Saison.

Ski2b: Was können die Fans von Dir in der neuen Saison erwarten?
Renate: Wenn man so wie ich jede Saison Rennen gewinnt, erwartet mittlerweile jeder, auch ich, von mir etwas. Denn nur für die 'Gaude' mache ich das auch nicht. Ich trainiere sehr konsequent und verfolge hartnäckig meine Ziele und so hoffe ich, dass ich auch einige davon umsetzen kann.

Ski2b: Renate, vielen Dank für das ausführliche Interview und viel Erfolg in der neuen Saison.