ÖSV-Behindertensportlerin Danja Haslacher äußert sich im Interview mit Ski2b.com zu ihrer letzten Saison. Zudem gibt sie Auskunft über die alltäglichen Probleme ihrer Sportart.

Ski2b.com: Die letzte Weltcup-Saison liegt nun schon einige Wochen hinter uns. Wie fällt im Rückblick Dein Fazit der Saison aus? Bist Du mit Deinen Leistungen zufrieden?
Danja Haslacher: Im Großen und Ganzen bin ich zufrieden. Es gibt in einem Sportlerleben immer Tage und Momente, wo man denkt, es hätte schneller oder besser gehen können. Doch mein Fazit ist: ich habe viel gelernt, möchte daher nächste Saison aufgrund dieser Erfahrungen einiges ändern. Das wichtigste allerdings ist, dass ich verletzungsfrei aus der Saison gegangen bin!

Ski2b: Nun hat bereits die Vorbereitung auf die neue Saison begonnen. Wie sieht derzeit Dein Trainingsprogramm aus und wie gestaltet sich der weitere Fahrplan für den Sommer?
Danja: Ich hatte leider im Frühjahr ein extremes Problem mit der Müdigkeit und Antriebslosigkeit. Ich suchte daraufhin bei der Sportmedizin um Hilfe an. Nach sämtlichen Bluttests stellten wir fest, dass es nicht an Mangelerscheinungen liegt. Mir wurde geraten, mein Training einmal gänzlich umzustellen. Nach meiner letztwöchigen wiederholten Untersuchung und dem Laktattest war es wieder um sehr viel besser geworden. Jetzt trainiere ich mehr nach Gefühl und nach Aussage der Ärztin nicht zu viel, aber wenn dann effektiv.

Ski2b: Wie sieht generell die Vorbereitung bei alpinen Behindertensportlern aus? Kann man das mit der Vorbereitung der alpinen Weltcupfahrern wie Hermann Maier oder Renate Götschl vergleichen, auch gerade im Bezug auf Materialtests, Krafttraining etc.?
Danja: Materialtest ist gut, das gibt es bei niemanden. Die meisten müssen froh sein, wenn sie für eine Disziplin zwei Paar Ski bekommen (Renn- und Trainingsski). Das Krafttraining schaut sicherlich sehr ähnlich aus, nur bei uns geht das 'berufsbedingt' oft erst nach 16 - 17 Uhr. Dadurch sind wir dann bei der Länge des Trainings eingeschränkt, aber da wir nichts verdienen und nicht einmal Preisgelder bekommen, wird sich die nächste Zeit auch nicht viel daran ändern.

Ski2b: Unbestrittener Höhepunkt des kommenden Winters sind die Paralympics im März 2006. Fieberst Du dem Event schon so langsam entgegen oder konzentrierst Du Dich zunächst einmal auf den Weltcup?
Danja: Im Hinterkopf sind die Paralympics sicher gut verankert, aber ich gehe gerne Schritt für Schritt auf ein Ziel zu. Es ist noch ein langer Weg, es werden noch viele Trainingskurse auf mich warten, wichtige Weltcup-Rennen werden zu bestreiten sein, und die Spiele 2006 sind der krönende Abschluss für eine lange Vorbereitungszeit. Ich sehe es sicher etwas gelassener als manch anderer, denn ich habe die Erfahrung von zwei Olympischen Spielen hinter mir. Ich hoffe, dass die Italiener das organisatorisch so gut schaffen wie die Japaner 1998 und die Amerikaner 2002.

Ski2b: Was sind Deine Ziele für den kommenden Winter? Möchtest Du Deiner schon umfangreichen Medaillensammlung bei Olympia noch einige hinzufügen?
Danja: Ich denke, wenn man gut trainiert, geistig und körperlich gut drauf ist, Nerven bewahrt, keine Verletzungen oder Krankheiten hat, die Einstellung passt, bei Wetterproblemen cool bleibt, Material okay ist, und - der entscheidenste Punkt - an sich glaubt, dann sind die Chancen für eine Medaille da. Und jetzt hab ich noch nicht mal von der Konkurrenz gesprochen. Bei denen gelten die selben Regeln wie bei mir, also wenn man es so sieht, ist es fast wie eine Lotterie.

Ski2b: Wie siehst Du den Stellenwert des alpinen Ski-Behindertensports im allgemeinen? Kannst Du eine positive Entwicklung feststellen und welcher Weg sollte von den Verantwortlichen weiter gegangen werden?
Danja: Es ist natürlich ein Problem. Ich habe vor elf Jahren angefangen, ohne Sponsoren aber mit viel Spaß und einem Zusammengehörigkeitsgefühl mit den Behinderten. Jetzt ist die Richtung professioneller, wir müssen trainieren, Untersuchungen und Sponsorentermine wahrnehmen, und doch muss ich jeden Tag acht Stunden arbeiten gehen, um mir das Ski- und Rennenfahren leisten zu können. Sicherlich nehmen uns die Sponsoren einiges an Kosten ab, aber nicht alles (ich hatte 20% Selbstbehalt im letzten Jahr). Eigentlich ist dies nicht wenig, ich habe keinen Privatsponsor, weil es erstens sehr zeitaufwendig ist einen zu suchen und zweitens wenn ich Zeit übrig habe, gehe ich trainieren! Dann nicht zu vergessen ist der Leistungsdruck im Team in Verbindung mit dem beruflichen Druck. Ich muss mir gleichzeitig die Rennen vom Urlaub und Zeitausgleich absparen und alles private fällt weg. Wenn es nicht eine Leidenschaft von mir wäre, hätte ich schon lange aufgehört.
Es fehlt noch an sehr vielen Ecken und Enden, vielleicht ist die Umstellung auch zu schnell gegangen. Dafür ist die Presse jetzt etwas aufmerksamer, doch wir sind und bleiben für sie eine 'Randsportart'. Vieles wird sich nie ändern, aber Visionen haben uns bis hierher gebracht, jetzt wird es Zeit, dass jemand die momentanen Probleme in Angriff nimmt.

Ski2b: Danja, besten Dank für das Interview und wir wünschen einen schönen Sommer.
Danja: Danke schön. Euch auch einen schönen Sommer.