Ski2b: Wie sieht Ihr Fazit zur Ski-WM in Bormio 2005 aus?
DSV Ski-Alpin Direktor Walter Vogel: Das Fazit aus unserer Sicht ist klar. Wir wollten eine Medaille in einem Einzelbewerb holen. Dieses sportliche Ziel haben wir nicht erreicht. Hier werden wir uns noch einmal zusammensetzen und das Ergebnis analysieren. Im Teamwettbewerb hat man gesehen, dass es bei den Athleten nicht an der Form gelegen hat. Bleibt die Frage, ob es im Detail an der Vorbereitung gelegen hat, ob nicht alles genau zusammengepasst hat, um letztlich oben auf dem Treppchen zu stehen. Aber eine grandiose Leistung war die Vorstellung unserer Aktiven im Teamwettbewerb. Das war natürlich ein erfreulicher Abschluss für uns, dass wir hier den ersten Weltmeistertitel holen konnten und in sechs der acht Serien besser waren als der Zweitplatzierte. Wir haben drei Siege errungen und zwei zweite Plätze. Das war eine tolle Leistung und hat uns ein wenig für das entschädigt, was wir vorher versäumt haben.

Ski2b: Wie bewerten Sie insgesamt den Teamwettbewerb - ein Novum, welches von Seiten der FIS aufgelegt wurde?
Walter Vogel: Die Einstellung war bereits im Vorfeld positiv und das wurde dann auch durch die Veranstaltung bestätigt. Ich habe noch keine einzige negative Stimme zum Teamwettbewerb gehört. Er ist spannend. Man bekommt in acht Serien immer Topläufer zu sehen. Es ist eben ein nationaler Event und nicht nur ein individuales Interesse vorhanden. Deshalb ist es wie in den nordischen Disziplinen, den Staffeln und den Teamspringen. Dies sind die großen Highlights dort und so sollte man das auch im Alpinen bewerten.

Ski2b: Wie sieht die abschließende Bewertung des WM-Ortes Bormio aus, auch mit Blick auf eine zukünftige Bewerbung von Garmisch-Partenkirchen, die ja für 2011 im Raum steht?
Walter Vogel: Bormio hat im sportlichen Bereich gute Arbeit geleistet, aber es ist leider nicht gelungen wirkliche WM-Atmosphäre, wirklichen WM-Spirit herzubringen. Da hat Garmisch ganz andere Voraussetzungen. Es ist ja auch Teil unseres Konzeptes, das wir hier ein Ski-Festival feiern. Mit München und Innsbruck haben wir letztlich auch zwei Großstädte in der Nähe. Daher würde von Seiten des Zuschauerzuspruches sicherlich mehr los sein. Man erlebt es ja auch bei jedem Weltcup, dass man hier mit der Koppelung mit diversen Pop-Größen schon wesentlich weiter ist. Wir haben beim letzten Mal eine gute Bewerbung für Garmisch gemacht und werden für 2011 eine sehr gute Bewerbung machen und ich bin überzeugt, dass wir dann auch sehr gute Chancen haben.

Ski2b: Das Rennwochenende von Garmisch hat wieder Spitzensport geboten. Allerdings konnten die Deutschen dabei keine Akzente setzen. Ihre Meinung dazu ...
Walter Vogel: Das Ergebnis hat uns nicht zufrieden gestellt. Speziell am Freitag haben sich Max Rauffer und Florian Eckert unter Wert verkauft. Das können sie sicher besser.

Ski2b: Was können wir in den nächsten Jahren von den Nachwuchsfahrern erwarten, die an diesem Wochenende - topmotiviert - als Vorläufer erste Bekanntschaft mit der Kandahar machen durften?
Walter Vogel: Unmittelbar haben wir noch Probleme, weil wir sehr viel mit Verletzungen zu tun haben, aber unser Nachwuchskonzept greift und es sind in den ersten Jugendjahrgängen einige dabei, die international mithalten können. Dies müssen wir nun entsprechend weiterentwickeln. Das betrifft den Damen- und den Herrenrennsport. Hier werden wir kontinuierlich und engagiert am Ball bleiben. Wir werden mit Sicherheit 2006/2007, dann wenn auch eine Martina Ertl und eine Hilde Gerg ihre Karriere beenden wollen, eine Lücke haben, die wir dann aber Zug um Zug schließen wollen.

Ski2b: Ein Blick hinüber in die Schweiz. Dort sieht es derzeit nicht so rosig aus. Muss man da Mitgefühl mit einer so großen Skination haben, die das schlechteste WM-Ergebnis seit 1966 eingefahren hat?
Walter Vogel: Es liegt mir fern irgendjemand anderem Ratschläge zu erteilen. Zudem haben die Schweizer gerade im Herrenbereich auch schon einige gute Ergebnisse in diesem Winter erzielt. Sie leiden schließlich auch unter der Verletzung von Didier Cuche. Sie haben zwar nicht oft den Sprung auf das Podium geschafft, aber sie waren auf den Anschlussplätzen stark präsent. Insofern sind die Schweizer uns eigentlich noch einen Schritt voraus.

Ski2b: Wir bedanken uns für das Interview und wünschen viel Erfolg für den DSV in der Zukunft.
Walter Vogel: Ich danke auch.