Ski2b.com: Wie bewertest Du Deine Leistungen bei der WM?
Martina Ertl: Mit meinen Leistungen bei der WM bin ich eigentlich sehr zufrieden. Natürlich waren die Ausfälle beim Super-G und im Slalom nicht geplant, aber ich war nach dem Super-G heilfroh, dass ich mich nicht verletzt habe. Bei der Kombi bin ich dann Siebte geworden und hatte die Gehirnerschütterung noch nicht ganz überwunden, trotzdem war ich mit der Leistung zufrieden.
Im Riesenslalom, das wusste ich, hatte ich wohl die größten Chancen, obwohl ich vier Wochen zuvor auf gleicher Strecke nicht gut gefahren bin. Der vierte Platz beim WM-Riesenslalom ist ein sehr gutes Ergebnis für mich. Es wäre ein Traum gewesen, nach 12 Jahren wieder Bronze im Riesenslalom zu gewinnen, sozusagen bei der ersten und der der letzten WM. Leider verpasste ich dies um vier Hundertstelsekunden und das tat natürlich weh...

Ski2b: Apropos Riesenslalom: Speziell dort hast Du überzeugt und bist dann doch nicht belohnt worden. Wie verarbeitest Du solche emotionalen Momente, die es ja im Sportlerleben öfter zu bewältigen gilt?
Martina: Ich war schon bei Olympia dreimal Vierte und ich weiß damit umzugehen und es ist nunmal so, dass es nur 0,04 Sekunden sind, die einen Traumtag zu einem traurigen Tag machen. Allerdings bin ich trotzdem sehr zufrieden mit meiner Leistung und wusste dies auch für mich zu schätzen. Das ich jetzt natürlich alles zurückbekommen habe mit unserem Team-Gold, damit konnte natürlich keiner rechnen!!!
Das war für uns wirklich der Wahnsinn und jeder einzelne hat eine so unglaublich gute Leistung gebracht, denn nur so war Gold möglich. Wunderschön, dass zum Schluss alle im Damenteam und alle im Herrenteam mit einem Lächeln Bormio verlassen konnten!

Ski2b: Waren die offensichtlichen organisatorischen Probleme des WM-Veranstalters auch Thema unter den Athleten? Wie siehst Du diese WM im Vergleich zu früheren Weltmeisterschaften?
Martina: Für uns war die WM auch nicht besonders gut organisiert und wir fanden Santa Caterina für eine WM unwürdig. Im Ort war 'tote Hose', von einer WM-Stimmung weit entfernt und es waren auch kaum Zuschauer, wenn man da beispielsweise an St. Anton denkt. Meiner Meinung nach sollten das die 'Offiziellen' schon genauer überlegen wohin eine Weltmeisterschaft kommt.

Ski2b: Eine Rennabsage wegen schlechten Wetters ist für Skisportler nicht ungewöhnlich, aber wegen eines Fernsehstreiks schon. So traf es die Herren beim Riesenslalom. Kann man im Fahrerlager über solche Pannen eher lachen oder wird da geflucht?
Martina: Zum TV-Streik beim Herren-Rennen kann ich nicht viel sagen, da wir kaum was mitbekommen haben. Wir haben ja 12 km entfernt in Santa Caterina gewohnt und als ich das Rennen im TV anschauen wollte, kam nix...

Ski2b: Danke für das Interview und viel Erfolg noch in dieser Saison.
Martina: Danke schön.