Die alpine Ski-WM 2005 im italienischen Bormio bot Sport auf durchweg hohem Niveau - leider sorgten die wenig erbaulichen Rahmenbedingungen für einen faden Beigeschmack.

Medaillensammler Raich und Kostelic
Bode Miller sorgte zwar mit seinen spektakulären Auftritten und dem Gewinn zweier Goldmedaillen für Aufsehen, doch ein anderer Fahrer war der 'Star' der WM. Benjamin Raich gewann nicht weniger als fünf Medaillen, darunter zweimal Gold, und egalisierte damit den Rekord des Norwegers Lasse Kjus, der 1999 in Vail (USA) ebenfalls fünfmal Edelmetall gewann. Bei den Damen gehörten Janica Kostelic aus Kroatien die Schlagzeilen. Sie trat bei drei Rennen an und ging jeweils siegreich aus diesen Wettbewerben hervor. Damit vergrößerte die dreifache Goldmedaillengewinnerin der Olympischen Spiele von Salt Lake City 2002 ihre Goldmedaillensammlung bei Großereignissen auf insgesamt bereits acht Exemplare. Und Kostelic ist - so es ihr von vielen Verletzungen geplagter Körper zulässt - mit ihren 23 Jahren noch lange nicht am Ende der Karriere, so dass noch einige Medaillen folgen könnten.

Verletzungen beim DSV
Für den Deutschen Skiverband stand die WM schon im Vorfeld unter keinem guten Stern. Bereits vor den Titelkämpfen gab es mit der Verletzung von Maria Riesch einen herben Rückschlag. Riesch hätte in Bestform in allen Wettbewerben ein Wörtchen mitreden können, fehlte dem DSV aber wegen ihres Kreuzbandrisses in Santa Caterina. Auch der Kreuzbandriss von Isabelle Huber gleich beim ersten Abfahrtstraining half der Stimmung sicher nicht.

Ertl mit guten Leistungen
Obwohl Martina Ertl eine Medaille in den Einzel-Disziplinen verwehrt blieb, zeigte sie in Santa Caterina ansprechende Leistungen. So unglücklich der vierte Platz im Riesenslalom war - sie verpasste die ersehnte Medaille nur um winzige vier Hundertstel - Ertl wusste dort zu überzeugen. Noch höher ist die Leistung zu bewerten, wenn man bedenkt, dass sie im Super-G stürzte und Blessuren davontrug.

Deutsche Herren im Rahmen ihrer Möglichkeiten
Dass die DSV-Herren ohne Einzelmedaille zurückfahren, musste erwartet werden. Auch wenn die Weltcup-Siege von Max Rauffer und Alois Vogl im Vorfeld die Erwartungen nach oben schrauben ließen, so war das 'reale' WM-Abschneiden der Herren in Bormio keine Enttäuschung. Florian Eckert zeigte mit dem sechsten Platz im Super-G, dass er auf dem Weg zurück zur Weltspitze ist. Die Augen-Verletzung von Alois Vogl passte zudem in die 'Pechsträhne' der DSV-Aktiven rund um die WM, zumal er doch in Topform und bei gutem Verlauf des Rennens durchaus ein Medaillenkandidat gewesen wäre.

DSV-Teamgold versüßt den WM-Abschluss
Dass die Moral in der Ski-Nationalmannschaft aber stimmt, bewies das DSV-Sextett im erstmals ausgetragenen Teamevent am Schlusstag der WM. Mit einer geschlossenen Mannschaftsleistung holten sich die Deutschen das erste Mannschaftsgold bei einer Ski-WM. Hier bewies die FIS einmal Mut und hauchte dem alpinen Skizirkus mit diesem neuen Bewerb frischen Atem ein. Zwar gibt es über den sportlichen Gehalt des Wettbewerbes und über den Modus geteilte Meinungen. Aber das von Kritikern prognostizierte Chaos bei der Austragung des Team-Events blieb aus und die Athleten hatten gar ihren Spaß.

Große Skinationen am Boden
Aus sportlicher Sicht war das Abschneiden der Franzosen und der Schweiz natürlich eine einzige Enttäuschung. Die ehemals große Skination Schweiz konnte erstmals seit 1966 keine Medaille gewinnen und kann als beste Platzierung lediglich einen fünften Platz bei den Herren vorweisen. Und auch die Franzosen müssen sich Gedanken um die Nachwuchsförderung machen, denn sie blieben ebenfalls ohne Medaille in den Einzelrennen. Wenigstens wurden sie im Teamevent mit einer Bronzemedaille entschädigt.

Leere Tribünen - fehlende Infrastrukturen
Die WM 2005 wird den meisten Menschen aber nicht wegen der fehlenden Einzelmedaille des DSV in Erinnerung bleiben, sondern aufgrund der Pannen, die diese WM begleiteten. Angefangen bei den leeren Zuschauertribünen (bei Ticketpreisen bis zu 170 Euro auch kein Wunder), über den Streik der RAI und der daraus resultierenden Absage des Herren-Riesenslaloms bis hin zu dem Chaos in den Örtchen Bormio und Santa Caterina, die einer WM nicht würdig waren. Auch DSV-Damencheftrainer Wolfgang Maier kritisierte die Vergabe der WM nach Bormio im ARD-Hörfunk, als er folgendes sagte: "Das, was hier passiert, ist extrem tödlich für den alpinen Skisport. Was man sich vom internationalen Verband erlaubt hat, das ist der richtige Hammer. Da müssen einfach mal gewisse Herren, die das verantworten, kritisch mit sich umgehen."