Stefan Vollbach ist Direktor Marketing & Sales des Ski-Herstellers Head. Im Interview mit ski2b zog Vollbach sein Fazit zur weltgrößten Wintersportmesse ISPO und gab einen Einblick in aktuelle Produktneuheiten aus dem Hause Head-Tyrolia sowie in die derzeitigen Trends auf dem Skimarkt.

ski2b: Die Winter-Ispo 2005 in München ist gerade zuende gegangen. Wie fällt das Messefazit für die Skifirma Head-Tyrolia aus?
Stefan Vollbach: Unser Messefazit ist erneut sehr positiv ausgefallen. Wir hatten einen regen Zulauf unserer Kunden sowie wiederum ein starkes Medieninteresse zu verzeichnen. Unser Außendienst hatte durchgehend viel zu tun, was wir natürlich als gutes Zeichen interpretieren. Auch die viel zitierte negative Stimmung im Handel können wir, was uns und unsere Produkte anbelangt, nicht bestätigen. Sicherlich hat der starke Wintereinbruch auch geholfen, denn es informiert sich jeder lieber über Wintersportartikel wenn es draußen kräftig schneit.

ski2b: Wie sind Ihre Messeneuheiten angekommen? Wo haben Sie für den Winter 2005/2006 den Schwerpunkt gesetzt?
Stefan Vollbach: Unsere Schwerpunkte waren zum einen die Einführung einer neuen Technologie - Head Liquidmetal - die den Ski nochmals reaktionsschneller und spritziger macht, sowie unserer vollkommen neu entwickelte Frauen Skilinie. Die Liquidmetal-Technologie wird in den Topbereichen unser Produktserien 'Monster' (Freerideline), 'Worldcup' (Raceline), und 'XRC' (Skicrossline) eingesetzt. Das hat das Interesse an allen drei neu gestalteten Gruppen deutlich gesteigert. Auch unsere Frauenkollektion ist sowohl von den technischen Argumenten (vor allem das um 500 Gramm verringerte Gewicht und das frauenspezifische Schwunggewicht) als auch von unserem Design mit der neuen Snow Crystal Oberfläche sehr gut angekommen. In diesem Segment sind wir historisch schon immer stark gewesen und sind sicher, mit der neuesten Kollektion noch deutlich 'eins drauflegen zu können'.

ski2b: Welchen Eindruck haben Sie von der momentanen 'Vitalität' der Skibranche? Wie sehen Sie die allgemeine Marktlage im Skisektor?
Stefan Vollbach: Die Skibranche zeigt sich derzeit wieder einmal sehr vital. Man spürt, dass dieser Sport im Trend liegt und das wird uns auch von den Skigebieten überall bestätigt. Wir haben zum Beispiel im vergangenen Jahr mit weltweit 595.000 Paar verkauften Skiern einen eigenen neuen Rekord erzielt. Einzig die gesamtwirtschaftliche Situation setzt der Branche in den betroffenen Ländern natürlich auch ein wenig zu. In der Folge kommt es immer mehr zu Preiskämpfen des Handels, welche schlussendlich allen Beteiligten schaden. Der Industrie, weil ihr durch den ständigen Preisdruck irgendwann einmal die Innovationskraft ausgeht. Der Händler, weil er keine Marge mehr erzielen kann, die ihn dazu bringt, Skier im Sortiment zu führen. Der Skifahrer und Endkunde, weil ihm kein Skihersteller für Ramschpreise langfristig qualitativ hochwertige und innovative Produkte liefern kann. Dabei wird dem Kunden durch Sonderpreis schon zu Saisonbeginn der Eindruck vermittelt, als seien alle empfohlenen Verkaufspreise reine 'Mondpreise'. Aus meiner eigenen Erfahrung mit anderen Branchen als Konsument kann ich aber nur zur Vorsicht raten, denn ein billiges Produkt kann nicht dieselbe Leistung bringen wie ein hochpreisiges Produkt. Die aktuelle Entwicklung hat bei einigen Herstellern schon zu Produktionsstandortverlagerungen nach Asien geführt, da dort die Lohnkosten extrem niedrig sind. Viele weitere Hersteller spielen sicher mit diesem Gedanken. Der Kunde könnte natürlich meinen, ihn ginge das nichts an - aber letztenendes sind europäische Arbeitsplätze auch ein wichtiger Baustein, damit der Skisport hier eine Zukunft haben kann. Wir bei Head werden trotz konjunkturellem Gegenwind in ein paar Ländern weiterhin versuchen, mit innovativen Produkten, die jedes Jahr noch mehr Skispaß vermitteln, die Branche zu beleben. Derzeit gibt uns der Erfolg dabei Recht.

ski2b: Wo sehen Sie für die nächsten Jahre noch Wachstumspotenzial im Skisport? In welche Richtung entwickelt sich nach Meinung von Head-Tyrolia der Trend zukünftig hin?
Stefan Vollbach: Wir sehen derzeit noch Wachstumspotenziale in den osteuropäischen Märkten und in Asien. Auch USA wäre ein potenzieller Markt. Wenn wir dort den skifahrenden Anteil der Bevölkerung von drei auf sechs Prozent anheben könnten, so wäre das prozentual noch immer ein kleiner Skifahreranteil für dieses große Land, es würde aber immerhin etwa 700.000 Paar Skier mehr pro Jahr ausmachen. Das wäre für die Branche eine spürbare Erleichterung. Im Produktbereich sehen wir eine Zukunft für spezialisierte Frauenprodukte und natürlich im Bereich der Twintip-Ski, die besonders bei Kindern und Jugendlichen starke Wachstumsraten zeigen. Hier gibt es inzwischen fantastische Ski, die sich auf der Piste und im Gelände super als Allrounder fahren lassen und in der Pipe oder im Boarderpark extreme Tricks erlauben. Der 'Coolfaktor' dieser Ski ist enorm hoch einzuschätzen. Der steigende Frauenskimarkt und vor allem bessere Produkte, die Frauen mehr Spaß am Skilauf vermitteln, können der Branche insgesamt nur helfen und es besteht die leise Hoffnung, dass Frauen, die mehr Spass beim Skifahren haben, letztendlich vielleicht später auch einmal die Familien mehr zum Skisport bringen können.

ski2b: Was ist eigentlich Ihr Lieblingsprodukt in Ihrer Angebostpalette?
Stefan Vollbach: Die Vielfalt in unserer Kollektion ist inzwischen so groß, dass ich mich selbst schon schwer tue, einen Favoriten zu benennen. Ich persönlich habe immer zwei Paar Ski in der Garage. Derzeit ist das der 'Monster i.M 77 Chip' und ein 'i.Supershape'. Der 'i.M 77Chip' ist ein recht breiter Freerideski, der sich aber auf der Piste noch hervorragend fahren lässt, so dass ich damit immer gut gerüstet bin und bei Neuschnee ist der 'Monster' natürlich ein absolutes 'Zuckerstückchen' . Der 'i.Supershape' dagegen ist eine echte Carving-Granate mit extremer Taillierung und einem rennsportlichen Aufbau - ein Ski, der sehr guten Skifahrern die Augen verdrehen lässt. Pures Adrenalin. Wenn ich mich für einen einzigen Ski entscheiden müsste, wäre das wohl der 'i.XRC 1200 Sandwich', denn der hat etwas von beidem. Er wird von auch von sehr vielen Skilehrern mit denen wir zusammenarbeiten wegen seiner Sportlichkeit und zugleich Breitbandigkeit und Geschmeidigkeit geliebt.

ski2b: Vielen Dank für das Interview, Herr Vollbach!
Stefan Vollbach: Gern geschehen.