Für den Skifahrer gibt es beinahe nichts schlimmeres als die Erkenntnis, dass sein Ski nicht richtig ‚läuft’. Dabei ist der Ski meistens tipptopp - nur am Belag hapert es. Ski2b.com hat sich daher mit dem Wachsexperten Reinhard Kronbichler - auch Geschäftsführer von HWK Skiwachs - im Interview der Sache angenommen und nachgefragt:

Ski2b: Reini, Du bist selbst aktiver Sportler gewesen und bis heute an den Wettkampfstrecken als Wachsexperte und Servicemann beinahe eine Instanz auch für die Kollegen. Kannst Du Dich unserer Leserschaft kurz vorstellen?
Reinhard Kronbichler: Klar, ich bin der Reini oder Kroni und zu meiner aktiven Zeit war ich eigentlich ein ambitionierter Volkslangläufer - dies aber schon von frühester Jugend an. Wohnhaft bin ich in Ebbs bei Kufstein und da ist es ja naheliegend, dass man sich dem Skisport verschreibt. Schon immer hat mich der Materialbereich interessiert und so habe ich dann seit 1999 als Servicemann von Peter Schlickenrieder auch auf der Weltcup-Langlauftour ‚angeheuert’. Nach Peters Karriereende bin ich 2003 zum ÖSV in den Bereich Langlauf und Biathlon gewechselt.

Ski2b: Du hast erst jüngst die Firma HWK-Skiwachs übernommen. Wirst Du dennoch dem Rennsport in irgendeiner Form treu bleiben?
Reinhard: Natürlich, entweder als privater Servicemann oder als Skifirmenberater. Ich denke aber, dass man auch und gerade im Rennsport auch auf die Produkte aus unserem Hause bauen wird. Egal, ob im nordischen Bereich oder im alpinen Rennsport, mit dem ich ebenfalls eng verwurzelt bin. Da bekommt man schon den einen oder anderen Anruf von der Abfahrtsstrecke mit der Bitte - nach Durchgabe der äußeren Bedingungen - um eine Kurzanalyse und einen Ratschlag. Aber auch für den Hobby-Skifahrer haben wir natürlich bei HWK stets die richtigen Wachse parat.

Ski2b: Worauf muss der ‚Normalverbraucher’ beim Skiwachs achten?
Reinhard: Also in der ersten Stufe kann ich es ganz simpel sagen. Er muss darauf achten, dass der Skibelag glänzt und nicht weiß oder matt aussieht. Wenn er nicht glänzt, dann braucht er einfach Wachs. Nun kommt es darauf an, ob die Witterungsbedingungen kalt sind oder ob es um die null Grad Celsius ist. Ist es kalt, so müssen wir kalt wachsen. Das Wachs ist dann hart, synthetisch und splittert beim Abziehen vom Ski. Mit diesem Wachs erreicht man dann, dass die mechanische Reibung der agressiven Schneekristalle am Ski heruntergesetzt wird. Gerade im kalten Bereich muss man den Ski säuberlichst abziehen und ausbürsten.
Wenn aber die Temperaturen um null Grad Celsius liegen und wir es mit zunehmend feuchtem oder nassem Schnee zu tun haben, dann verwendet man ein hoch fluorhaltiges Wachs, weil das Fluor wasserabweisend ist und der Ski so besser gleitet.

Ski2b: Du sprichst vom Abziehen und Ausbürsten - sind Maschinen da nicht besser als Handarbeit?
Reinhard: Bei gefühlvoller Betätigung der Bohrmaschine kann man mit Rotorbürsten, sowie auch mit der Handbürste, die Skier bürsten.

Ski2b: Gibt es weiteres zu beachten?
Reinhard: Es kommt nicht nur auf das Wachs, sondern auch auf die Struktur des Belages an. So kann man durch eine spezielle Struktur im Frühjahr bei nassem Schnee verhindern, dass der Ski sich nicht ansaugt und dann in der Folge bremst. Bei feinen Schneearten hingegen entsteht ein Vakuum unter dem Ski und auch hier bremst es, wenn man nicht mit einer Struktur entgegenarbeitet.

Ski2b: Profitiert davon nur der Rennsportler?
Reinhard: Nein, die Zielgruppe bei HWK-Skiwachs geht ganz klar vom Hobby-Skifahrer bis hin zum Profirennsportler. Aber gerade ein Hobby-Skifahrer profitiert von einem gut gewachsten Ski, denn der fährt sich nicht nur besser, er lässt sich auch leichter drehen.

Ski2b: Vielen Dank für das Interview und die Tipps, die sicherlich gerne angenommen werden.
Reinhard: Ich danke auch.