"Ich wollte mich an meinem Akkreditierungsband erhängen, aber es ist gerissen" - um Sarkasmus ist Wolfgang Maier wahrlich nicht verlegen. Doch auf den zweiten Blick wird schnell deutlich, dass der deutsche Cheftrainer wohl eher mit einem Augenzwinkern auf die von vielen verbreitete Krisenstimmung reagieren wollte: Macht mal halblang, Leute.

Enttäuschte Medaillenhoffnung
Die Situation ist natürlich alles andere als rosig - bisher ist Deutschland bei der WM in Bormio noch ohne Medaille und große Perspektiven. Hilde Gerg, die als größte Medaillenhoffnung gehandelt wurde, blieb in den Speed-Disziplinen hinter den hohen Erwartungen und ihren eigenen Ansprüchen zurück und erreichte nur Platz acht in der Abfahrt. Für eine positive Überraschung sorgte eigentlich nur Martina Ertl, die trotz Hirnerschütterung im Riesenslalom den vierten Platz belegen konnte. An einem Podiumsplatz schrammte allerdings auch sie um vier Hundertstel vorbei - trotzdem ein gutes Ergebnis, wie Wolfgang Maier nach dem Rennen betonte.

Die Konkurrenz ist besser
Alpinchef Walter Vogel schlägt deshalb in die selbe Kerbe wie Wolfgang Maier und warnt vor übertriebenen Dramatisierungen: "Bei diesen Bedingungen, mit großer Kälte und trockenem Schnee, ist die Konkurrenz momentan einfach besser." Das Team sei intakt und es gäbe keinen Grund für Depressionen, so Vogel weiter.

Überraschung möglich?
Auch wenn den bislang so erfolgsverwöhnten Damen nach St. Moritz wieder ein Großereignis ohne Medaille droht, ist das kein Grund zur Panik. Gute Laune könnte nämlich bei dieser WM von den früher wenig beachteten DSV-Herren kommen - immerhin holte ein überraschend starker Florian Eckert im Super-G einen sehr guten sechsten Platz.
Vielleicht findet Wolfgang Maier ja auch noch eine bessere Verwendung für sein Akkreditierungsband - vielleicht als Halsband für eine unverhoffte Medaille im Damenslalom.