Ski2b: Du hast die 24 Stunden von Kastelruth gewonnen. Wie hast Du das Rennen aus deiner Sicht erlebt?

Christian Rudig: Für mich war das 24-Stundenrennen von Kastelruth bereits das vierte dieser Art, an dem ich teilgenommen habe, aber von denen sicher das härteste. Zum
einen war die Strecke schwierig. Am Anfang recht lang zum Anschieben, was nach etwa 20 Stunden immer anstrengender wurde. Dann ein sehr steiler Abschnitt mit Toren. Die Organisatoren haben sich zwar sehr bemüht, die Piste während des Rennens immer wieder herzurichten, ganz waren aber die harten Schläge und das Eis in den Kurven nicht zu verhindern. Zu guter Letzt ein langes, eher flaches Schussstück mit drei Sprüngen. Auch die Lifteinfahrt wurde mit der Zeit recht uneben und schwierig zu fahren.

Was das Rennen aber richtig hart gemacht hat war die Kälte, gerade in der Nacht, so zwischen zwei und sechs Uhr. Sehr kalt und ein ekelhafter Wind. Wir hatten Decken für die Liftfahrt, aber es war trotzdem schweinekalt und
am Lift alles andere als Erholung.

Und der Nachmittag des nächsten Tages hat sich auch nochmal richtig lang gezogen. Mein direkter Konkurrent Roberto Magri aus Italien hat am Nachmittag nochmal richtig Gas gegeben, so dass ich bis zum Schluss am Limit fahren musste. Daher war es nochmal ein Stück erfreulicher, dass ich noch einen Vorsprung von knapp 1:30 Minuten ins Ziel retten konnte.

Ski2b: Was hat Dich zur Teilnahme an einem solchen Marathonrennen bewegt?

Christian Rudig: Schon im September 2004 hat der Peter Profanter vom Organisationsteam des extreme24 Kontakt über meine Webseite zu mir aufgenommen, damit ich dieses
Event auch auf der x-skier-Webseite ankündige. Schon damals dachte ich: Hey, das ist mal wieder ein richtig cooler Wettbewerb. Sollte ich da nicht mitmachen? Ich hatte ja schon 1997 und 1998 als Einzelfahrer bei der 24-Stunden-Europameisterschaft in Imst teilgenommen und dann 2004 als Teamfahrer mit zwei Freunden in Sedrun/Disentis. Meine letzte Teilnahme als Einzelfahrer war aber schon wieder mehrere Jahre her, so dass es mich reizte, den Körper mal wieder richtig an die Grenzen zu bringen und die Oberschenkel mal wieder so richtig zu fordern.

Ski2b: Wie ging es Dir in den Tagen nach dem Rennen?

Christian Rudig: Am Tag nach dem Rennen, also am Sonntag, ging es mir überraschend gut. Ich hatte
kaum Muskelkater, fühlte mich super und war total glücklich. Ich habe mich am Nachmittag noch mit meinem Trainer Philipp getroffen, da mein Knie etwas schmerzte und wir haben noch etwas gefeiert, aber im großen und ganzen habe ich eigentlich nicht viel Nachwirkungen gespürt. Die kamen erst Montag, da aber dafür richtig. Ich bin kaum aus dem Bett gekommen, die Beine haben geschmerzt und ich war irgendwie total schlapp. Das hat dann auch noch bis Mittwoch angedauert, aber inzwischen - seit Freitag - bin ich wieder voll fit und freue mich morgen auf den Neuschnee und auf's Powderfahren.

Ski2b: Wie sieht Dein eigener sportlicher Hintergrund aus?

Christian Rudig: Früher bin ich eigentlich nie viel Rennen gefahren, mein erster großer Wettbewerb war das 24-Stunden-EM-Rennen 1997, und dann 1998 nochmal. 1999 bin ich dann zum Freestyle gewechselt, bin da etwas Buckel gefahren, so die Österreichischen Meisterschaften 1999. Zu der Zeit hat sich aber im Freestyle in Österreich fast nichts mehr getan, so dass ich mich viel mehr auf Freeskiing konzentriert habe und dann von 2001 bis 2004 im Scott Freeski Team gefahren bin. Dabei habe ich einige Slopestyle-Contests mitgefahren und habe an mehreren Big-Air-Showauftritten teilgenommen. Seit diesen Winter bin ich jetzt im Movement Freeride Team und fahre hauptsächlich Big-Mountain-Wettbewerbe, ich werde auch am Red Bull Snow Thrill in der Slowakei und in Slowenien teilnehmen. Das 24-Stunden-Rennen war also für mich gar nicht so meine Hauptdisziplin.

Ski2b: Wirst Du im kommenden Jahr zur Titelverteidigung antreten?

Christian Rudig: Das ist eine gute Frage, da vergeht noch viel Zeit. Und für mich ist ganz fix, dass ich diese Entscheidung nicht alleine, sondern nur mit meinem Team treffen werde. Ich hatte während des Rennens eine so super Betreuung - für die ich mich jetzt nochmal ganz herzlich bedanken möchte - und auf die ich bei einer neuerlichen Teilnahme wieder zählen können möchte. Daher werden wir diese Entscheidung gemeinsam treffen, aber ich kann schon soviel verraten, dass wir eine Teilnahme 2006 sicher nicht ausschliessen und irgendwo im Hinterkopf reizt es mich schon wieder sehr. Aber vorerst steht für mich jetzt mal Freeride auf dem Programm, der Winter ist noch lang.