Die deutsche Skicrosserin Alexandra Grauvogl fährt erfolgreich im Weltcup mit. In Kreischberg (AUT) erreichte sie zum ersten Mal einen Podestplatz und auch bei der Crossmax Serie konnten sie sich im Vorderfeld platzieren. Ski2b sprach mit ihr über die bisherige Saison und die Zukunft der Trendsportart Skicross.

Ski2b.com: Der Winter ist in vollem Gange. In wie weit bist Du mit dem bisherigen Saisonverlauf zufrieden?
Alexandra Grauvogl: Mit meinen guten Platzierungen bei der internationalen Saab Salomon Crossmax Serie in Les Deux Alpes und Sölden (3. und 4.) sowie mit meinem ersten Podiumsplatz im Weltcup am Kreischberg (3.) konnte ich beweisen, dass ich auf den unterschiedlichsten Strecken ganz vorne mitfahren kann. Auch meine Bronzemedaille bei der Universiade in Seefeld war ein toller Erfolg für mich, da ja die beiden Erstplatzierten Karin Huttary und Jenni Kilpininen auch bei den Weltcups unter den Schnellsten sind und im Gegensatz zu mir im Profiteam von Salomon fahren. Bei den X-Games wäre mehr drin gewesen als der 9. Platz, aber allein die Teilnahme ist ja schon riesig. Ein bisschen ärgern tut mich nur, dass ich bei den ersten Weltcups in Saas Fee, Les Contamines und Pozza nicht so recht in Fahrt gekommen bin. Da ist immer irgendwas dummes passiert, entweder ein Sturz in der Quali, den Start 'verpennt' oder am Start hängengeblieben und den Stock verloren!

Ski2b: Stichwort Kreischberg. Dort hast Du einen guten dritten Rang im Weltcup erzielt. Wie hast Du das Finale dort erlebt?
Alex: Das hätte ich nie geglaubt, dass das so gut laufen wird, weil ich ja in der Quali nur die 12. Zeit gefahren bin und somit immer den schlechtesten Startplatz hatte. Aber im Viertel- und Halbfinale kam ich richtig gut aus dem Gate und konnte die Heats so einmal als Erste und einmal als Zweite beenden. Im Finale allerdings wars wieder andersrum: der Start missglückte und ich musste mich erstmal an die Fersen der anderen Fahrerinnen hängen. Als dann Magdalena Jonsson kurz vor mir auf der schlägigen Piste stürzte konnte ich gerade noch ausweichen und den Lauf als Dritte hinter Karin Huttary und Franzi Steffen beenden. Im Ziel war natürlich die Hölle los weil Huttary vor heimischem Publikum gewann.

Ski2b: Bei den X-Games warst Du ja wie erwähnt unter den Top Ten als Neunte. Was macht die Faszination des Events aus?
Alex: Es ist einfach ganz anders als in Europa. Der Kurs ist viel extremer mit riesigen Sprüngen und dafür ohne wirkliche Kurven. Man fährt eigentlich nur geradeaus und ist mehr in der Luft als am Boden. Zusammen mit den anderen Events wie Slopestyle oder Halfpipe ist das natürlich äußerst medienwirksam (Geschwindigkeit, spektakuläre Sprünge und Stürze). Und das wird vom amerikanischen TV-Sender ESPN extrem gepusht. Dazu kommt, dass die X-Games für die sportbegeisterten amerikanischen Zuschauer wohl wichtiger sind als z.B. Olympische Spiele. Und eine dementsprechende Stimmung herrscht dann auch am Pistenrand!

Ski2b: Bei den X-Games gab es einige Verletzte bei Euren Rennen. Wie schätzt Du generell die Gefahr beim Skicross ein?
Alex: Klar ist Skicross gefährlicher als z.B. die alpinen Disziplinen, weil man sich nicht nur auf sich selbst konzentrieren muss, sondern da ja noch drei andere neben, hinter und vor mir fahren, die auch am schnellsten unten sein wollen. Diese Risiko-Komponente ist absolut unvorhersehbar und unkontrollierbar, da man ja nie weiß, ob jemand stürzt oder ob es zu einem Kontakt kommt, der mich aus dem Gleichgewicht bringt. Allerdings geschehen die meisten Stürze mit Verletzungsfolgen nicht aus diesem Grund. Viel größer ist die Gefahr bei schlechten Sichtverhältnissen oder wenn der Kurs Probleme aufwirft, z.B. wenn es an schwierigen Stellen einfach zu schnell wird oder wenn Sprünge zu weit oder zu kurz gehen.

Ski2b: Sollte es verschiedene Kurse für Damen und Herren geben, wie von einigen gefordert? Was ist Da Deine Meinung?
Alex: Auf keinen Fall. Auch wenn wir Mädels nicht ganz so schnell und mutig runterfahren wie die Jungs (geht ja rein physisch gar nicht) heißt das noch lange nicht, dass wir irgendwelche Mickey-Mouse-Kurse haben wollen. Das ist doch gerade das Schöne am Skicross, wenn man sich bei der Besichtigung erst mal denkt, wie man da lebendig runterkommen soll. Und bei der ersten Fahrt steht man dann voll unter Adrenalin und hat im Ziel so ein super Gefühl weil man sich überwunden hat. Und wenn es einfach mal gar nicht geht, weil man zu viel Angst hat, fährt man halt nicht oder macht nen kleinen Speed-Check. Das muss jeder für sich entscheiden. Aber bitte keine Chicken-Kurse!

Ski2b: Wie lauten Deine Ziele für den weiteren Verlauf der Saison?
Alex: Wegen einigen Klausuren an der Uni kann ich ja nicht am Weltcup in Japan teilnehmen und werde deshalb erst in Laax wieder international angreifen und eine Top 5-Platzierung anstreben. Absolutes Highlight ist aber natürlich die WM in Rukka, wo es natürlich für alle Teilnehmer nur ein Ziel gibt: Eine Medaille bei der ersten WM im Skicross!

Ski2b: Was sind Deine langfristigen Ziele im Skicross?
Alex: Mein Ziel ist es, konstanter unter die Top-Platzierten zu fahren, um vielleicht so Chancen auf einen Platz in einem internationalen Team zu haben, am besten natürlich bei Salomon! Und die X-Games haben mich auch beeindruckt, da muss ich auf jeden Fall nochmal hin!

Ski2b: Wie bewertest Du die Chancen, dass Skicross 2010 bei Olympia dabei sein wird?
Alex: Mit der Etablierung des FIS-Weltcups ist sicher ein wichtiger Schritt in Richtung Olympia gemacht worden. Allerdings braucht Skicross noch eine größere Bekanntheit und ein besseres Image, um Chancen auf die Aufnahme ins olympische Programm zu haben. Es glauben einfach noch viele Leute, dass sich beim Skicross nur ein paar Wahnsinnige gleichzeitig den Hang runterstürzen (gut, manchmal ist das auch gerechtfertigt!). Aber es muss erkannt werden, dass Skicross auf TOP-Niveau ernstzunehmender, spannender Leistungssport ist. Ob es gut ist, dass Skicross evtl. olympisch wird kann so und so gesehen werden. Zum einen ist es natürlich das Größte für jeden Sportler einmal an Olympia teilzunehmen und vielleicht sogar eine Medaille zu holen, aber es besteht auch die Gefahr, dass durch die ganzen Zwänge der FIS bzw. des OK irgendwann der ursprüngliche 'Spirit' des Skicross verloren geht.

Ski2b: Vielen Dank für das Interview und weiterhin viel Erfolg im Skicross.
Alex: Danke schön.