Der deutschen Skicrosserin Angela Senftinger gelang beim letzten Weltcuprennen in Pozza di Fassa (ITA) erstmals der Sprung aufs Podest. Ski2b sprach mit ihr über das Rennen und ihre weiteren Ziele.

Ski2b.com: Du hast einen hervorragenden dritten Platz in Pozza di Fassa (ITA) belegt. Beschreibe doch mal bitte, wie Du die Rennen dort erlebt hast. Was waren die Gründe für diesen Erfolg?
Angela Senftinger: Das ist eine gute Frage, weil ich nämlich aufgrund einer Erkältung ziemlich angeschlagen war. Der Kurs war gut. Nach einem flachen Stück mit einigen Sprüngen und Wellen kam dann ein Step Down in den Steilhang, der ziemlich drehte und aufgrund der harten, teilweise eisigen Piste auch schwierig zu fahren war. Ausschlaggebend war glaube ich mein guter Start. Ich startete meist als Schnellste im Heat. Ist man am Start vorne, kann man gleich die Idealline fahren und mit etwas Durchsetzungsvermögen den Heat anführen. Die guten Starts habe ich übrigens meinem Vater zu verdanken, da er bei mir zu Hause am Brauneck/Lenggries extra ein Start-Gate für mich geschweißt hatte. Nachdem ich es mit ihm zusammmen vor unserem Haus am Brauneck aufgestellt hatte, gab er mir fleißig Startkommandos. Er hat es so gebaut, dass selbst meine beiden Töchter Christina (7 Jahre) und Kathrin (4 Jahre) für mich Kommando gaben und die Klappe für mich öffnen konnten. Nachdem ich mich im ersten Heat gegen die Finnin Jeni Kilpenen durchsetzen konnte war ich so motiviert, dass die nächsten Heats wie von alleine für mich liefen. Ich wusste, dass ich gut bin und das ich hart trainiert hatte und das ich es nach vorne schaffen konnte. So kämpfte ich mich Heat für Heat nach vorne. Und das Wichtigste und immer Ausschlaggebende ist natürlich, dass man Glück hat! Und das hatte ich! Im Finale wäre ich beinahe nach einem Fast-Zusammenstoß mit Magdalena Iljans gestürzt, konnte mich aber noch fangen, verlor dann aber an Speed und wurde so an der Wellenbahn von der Dritten Ophelie David eingeholt. Insgesamt war es ein schöner und gut organisierter Event.

Ski2b: Was glaubt Du fehlt Dir noch zum ersten Weltcup-Sieg?
Angela: Das Quäntchen Glück und eine gute Tagesform.

Ski2b: Welche Ziele verfolgst Du im weiteren Verlauf der Saison?
Angela: Dies sind die Qualifikation für die X-Games 2006, im Gesamt-Weltcup unter die Top 10 zu kommen und bei der WM eine Medaille zu gewinnen. Wer weiß, vielleicht wird das dann gleich mein erster Weltcupsieg?

Ski2b: Mit Florian Osswald habt ihr im deutschen Team nun einen eigenen Betreuer bei den wichtigen Rennen. Was hat sich dadurch im Vergleich zum Vorjahr verändert?
Angela: Wir haben endlich jemanden, der uns organisiert und uns unterstüzt, damit wir uns mehr auf die Rennen konzentrieren können. Das Team ist auch etwas größer geworden.

Ski2b: Du fährst im Skicross-Weltcup und bist zudem Mutter. Wie bekommst Du das unter einen Hut?
Angela: Dank meiner lieben Mama, die regelmäßig auf die ältere Christina aufpasst, obwohl sie am Brauneck wohnt und es für sie ein Riesenaufwand ist, die Kleine in die Schule oder ins Skiclub-Training zu bringen ist das kein Problem. Nicht zu vergessen meine Schwiegereltern, die sich gerne um Kathrin kümmern sowie mein Mann, der trotz seines Jobs immer für mich und die Kinder da ist. Selbst im Sommer, wenn ich Joggen gehe, fahren die Kinder mit dem Fahrrad mit und beim Schnellkraft-Training schauen sie auf die Uhr und geben die Kommandos. Aber ohne die Großeltern wäre das Ganze nicht machbar und dafür bin ich ihnen auch sehr dankbar.

Ski2b: Welche Tipps kannst Du dem Skicross-Nachwuchs geben? Was sollten sie beachten, um ganz nach vorne zu kommen?
Angela: Sie sollten immer positiv denken und an sich selbst glauben. Man muss sein Ziel vor Augen haben und alles dafür tun. Man darf sein Ziel nicht aus den Augen verlieren und es konsequent verfolgen und hart dafür arbeiten. Bei den Wettkämpfen ist es wichtig, dass man sich auf sich selbst konzentriert und alles andere abschaltet, denn dies stört nur und lenkt vom eigentlichen Geschehen ab. Ansonten sollte man auch einmal den Besseren zuschauen und lernen. Ich glaube, dass muss jeder für sich selbst herausfinden, aber ein hartes Training ist natürlich Voraussetzung dafür.

Ski2b: Angela, vielen Dank für das Interview und weiterhin viel Erfolg.
Angela: Danke schön.