Florian Osswald betreut seit dieser Saison im Auftrag des Deutschen Skiverbands die deutschen Skiercrosser bei den Großveranstaltungen. In naher Zukunft möchte Osswald eine Nationalmannschaft nach alpinem Vorbild aufbauen, in der es auch Kaderstrukturen gibt. Zu diesem spannenden Thema sprach Ski2b.com mit dem neuen Trainer des deutschen Skiercross-Teams.

Ski2b.com: Florian, wie ist Dein Werdegang im Skisport und wie bist Du letztendlich zum Skiercross gekommen?
Florian Osswald: Ich bin in der Jugend Ski alpin gefahren und bin dann auf Snowboard gewechselt. Später bin ich dann auf Boardercross umgestiegen, was taktisch und technisch ähnlich ist. Während meiner Snowboard-Zeit habe ich dann Heli Herdt kennengelernt. Heli ist beim DSV für den Bereich Skiercross zuständig und fragte mich, ob ich nicht mit ihm gemeinsam bei der Skiercross-DM 2004 am Nebelhorn als Rennleiter fungieren möchte. Das habe ich dann gemacht und habe Spaß an der Sportart gefunden. Zum Skicross kam ich, als ich vor drei Jahren seit langem mal wieder auf Ski stand und auch gleich zum Spaß einen Crossmax der Deutschland-Tour am Nebelhorn bestritt. Weiteren Kontakt zum Skicross hatte ich, als ich bei der ersten Deutschen Meisterschaft am Nebelhorn die Veranstalter (NBH Events & Cunsulting) bei der Organisation unterstützte, da mich die Sportart seit meinem ersten Einsatz als Fahrer faszinierte.

Ski2b: Wie kam es dann zum Engagement als Trainer des deutschen Skiercross-Teams?
Florian: Da war Heli Herdt, der beim DSV für den Bereich Skicross zuständig ist, entscheidend. Er kam nach der DM am Nebelhorn auf mich zu und fragte mich, ob ich nicht Lust hätte, in der Saison 2004/2005 als Trainer des Skiercross-Teams tätig zu werden. Durch mein Sport-Studium habe ich auch die methodischen Grundlagen als Trainer und besitze Erfahrung im Skirennsport. Nach einem Gespräch mit dem DSV habe ich dann zugesagt und bin jetzt als Betreuer und Coach für das Team zuständig. Ich werde bei allen großen Events mit dabei sein, ebenso wie bei der WM in Finnland, die im März stattfindet.

Ski2b: Worin siehst Du Deine Aufgabe als Trainer des neuen Teams?
Florian: Als vorrangige Aufgabe sehe ich, die Jugend zu unterstützen und sie für das Skiercross zu begeistern. Mein großes Ziel ist, in den nächsten zwei Jahren ein richtiges Team zu installieren ähnlich wie im alpinen Bereich mit richtigen Kaderstrukturen. Zusammen mit Heli Herdt arbeite ich an dem Konzept und wir sind voller Hoffnung, dass es klappt. In dieser Saison geht es mir vor allem darum, bei den Events alles notwendige zu koordinieren und die Athleten zu betreuen. Im letzten Jahr waren sie auf sich allein gestellt und mussten alles in Eigenregie machen. Das ist jetzt vorbei und sie können sich auf die Rennen konzentrieren. Für die Zukunft ist die ganz große Hoffnung, dass Skiercross schon 2010 olympisch ist. Das ist unser Traum.

Ski2b: Wieviele Athleten fahren zu den Events, die Du dann betreust?
Florian: Da wir noch keinen festen Kader haben, kann man das eigentlich nicht genau sagen. Beim ersten Weltcup in Saas Fee (SUI) waren fünf Athleten, beim Crossmax Series Event in Les2Alpes sechs. Beim anstehenden Crossmax Event in Sölden am 25./26. November werden mehr dabei sein, da es näher an der Heimat ist und dadurch kostengünstiger. Die Athleten müssen ja alles selber zahlen und da muss man sich als Aktiver genau überlegen, wo man startet.

Ski2b: Welche Fahrer aus dem Team kannst Du nennen, die ganz vorne mitfahren können?
Florian: Bei den Damen haben wir drei Aktive, die schon gezeigt haben, dass sie in der Spitze mithalten können. Martina Rentschler und Angela Senftinger hatten im letzten Jahr Top Ten-Platzierungen und haben großes Potenzial. Senftinger hatte einen Bänderriss und war verletzt, doch in Sölden geht sie wieder an den Start. Alexandra Grauvogl hat in Les2Alpes bewiesen, dass sie mit den Besten mithalten kann. Sie ist ja vorher im alpinen Weltcup Abfahrt und Super-G gefahren und wird in dieser Saison sicher für Furore sorgen. Aus dem Nachwuchs ist Meike Hujara zu beachten, die gerade ihren ersten Skiercross-Event bestritt und auf Anhieb gut klarkam. Im Herren-Bereich ist es etwas schwerer, denn die Spitze ist so dicht beisammen. Aber ein Martin Brandlhuber oder ein Thorsten Götze haben Potenzial für die eine oder andere Spitzenplatzierung, sofern sie Weltcups bestreiten werden. Auch Simon Willmann und Markus Hermann könnten nach vorne kommen. Doch diese Jungs sind alles keine Profis und man muss abwarten, ob sie alle Rennen bestreiten können.

Ski2b: Wie siehst Du die Entwicklung im Skiercross? Kann die Sportart auf Dauer so einen Stellenwert wie der alpine Rennsport bekommen?
Florian: Zunächst muss man sagen, dass der alpine Bereich mehr Tradition hat und die Verbände dort besser strukturiert sind. Wir müssen jetzt erstmal das Skiercross etablieren, was schwer genug ist, denn in den Vereinen steht immer noch alpin ganz weit oben in der Gunst. Da muss man die Menschen zum Umdenken bringen. Im Schülerbereich werden allerdings keine großen Unterschiede mehr gemacht zwischen alpin und Skiercross. Der Nachwuchs fährt mittlerweile beides. Da besteht also Hoffnung.

Ski2b: Wer sind denn für Dich die besten Skiercrosser momentan?
Florian: Bei den Herren würde ich sagen, dass Isidor Grüner (AUT), Enak Gavaggio aus Frankreich und Lars Lewen (SWE) im Moment die Schnellsten sind. Grüner hat ja auch das erste Weltcuprennen der Saison gewonnen. Die drei sind einfach die besten Starter derzeit, was im Skiercross ganz wichtig ist. Im Damen-Bereich sehe ich Ophelie David aus Frankreich, Karin Huttary (AUT) und Magdelena Ilvans (SWE) als die Stärksten. Doch unsere deutschen Fahrerinnen Rentschler, Senftinger und Grauvogl werden diesen Athletinnen kräftig einheizen.

Ski2b: Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg mit Deinem Team in der Saison.
Florian: Schönen Dank.