Ski2b.com: Herr Knauss, wie bewerten Sie die Veränderungen in Ihrem Team? Und was halten Sie vom Neuzugang der finnischen Slalom-Spezialistin Tanja Poutiainen?
Bernhard Knauss: Für diesen Winter haben wir es auf jeden Fall geschafft, unser Damenteam zu stärken. Gerade durch die Skandinavierinnen Henna Raita (FIN), Andrine Flemmen (NOR) und Tanja Poutiainen (FIN). Unsere Slalom- und Riesenslalom-Spezialistin aus Finnland trainiert sehr diszipliniert und professionell. Es macht Spaß, mit ihr zusammenzuarbeiten und sie stellt eine große Bereicherung für unser Team dar. Bei den Herren ist es uns leider nicht gelungen, die Mannschaft durch Neuzugänge zu stärken. In diesem Bereich können wir nur mit einem aufgebessertem Rennbudget Fuß fassen. Darum werden die Damen im Völkl Weltcup Team auf jeden Fall den Ton angeben.

Ski2b: Wie sehen Ihre Erwartungen in Hinblick auf den Weltcup und die WM in Bormio aus? Sehen Sie Chancen, dass einige Ihrer Athleten Medaillen einfahren werden?
Bernhard Knauss: Ich denke schon, dass unsere Fahrer Chancen auf Medaillen haben werden, vor allem unsere Damen im Slalom und im Riesentorlauf. Und mit Hilde Gerg und Alexandra Meissnitzer haben wir im Speedbereich zwei ganz große Fahrerinnen, die in der Weltcupsaison 2004/05 sicherlich erfolgreich sein werden. Bei den Männern sieht es so aus, dass sie höchstens eine Chance im Slalom haben werden. Und unser Neuzugang Tanja Poutiainen ist immer für einen Sieg gut, sie wird auf jeden Fall Medaillen für Völkl gewinnen können.

Ski2b: Was hat sich denn im Hinblick auf das Material in diesem Winter getan?
Bernhard Knauss: Während der Renn- und Trainingsphase feilen wir permanent am Material unserer Athleten. Es gibt etwa alle zwei Wochen Neuerungen.Wir haben bei den Damen und den Herren Fahrer aus vier verschiedenen Disziplinen zu betreuen und dabei kommt es automatisch zu einer ständigen Weiterentwicklung. Natürlich sind das nicht mehr solch große Schritte wie damals die Umstellung auf Carver. Vielmehr geht es jetzt um das individuelle auf jeden Topläufer abgestimmte Skimaterial. Beim Slalom der Herren haben wir z.B. in den letzten zwei Wochen große Entwicklungsschritte machen können. Unter Einsatz von neuen Materialien beim Bau unserer Skier, waren unsere Fahrer fünf bis sechs Zehntel schneller bei einer Laufzeit von etwa 30 Sekunden. Das betrachten wir als sehr großen Schritt nach vorne.

Ski2b: Als Racing Director haben Sie eine zentrale Aufgabe im Racing Department. Wie läuft es dort mit der Zusammenarbeit?
Bernhard Knauss: Wir sind ein sehr kleines Rennteam, sodass wir sehr eng zusammenarbeiten und permanent in Kontakt stehen. Ich betreue alle Läufer, die mit den Serviceleuten draußen unterwegs sind. Das Serviceteam gibt dann Rückmeldung, wie die Athleten mit dem Material zurechtkommen. Meine Aufgabe ist es, diese Informationen umzusetzen und an unser Entwicklungsteam in Straubing weiterzuleiten. Glücklicherweise funktioniert die Zusammenarbeit in unserem Team sehr gut.

Ski2b: Der Saisonauftakt steht quasi vor der Tür. Wie sind Ihre Erwartungen für den Weltcupauftakt in Sölden?
Bernhard Knauss: Was den Damenbereich betrifft mache ich mir überhaupt keine Sorgen. Hier ist auf jeden Fall ein Podestplatz möglich. Besonders für die Österreicherin Nicole Hosp, ihre Landsfrau Alexandra Meissnitzer und Tanja Poutiainen sollte es in Sölden bestimmt gut laufen. Der Saisonauftakt ist für die Fahrer sehr wichtig. Wer hier einen guten Platz erreicht, kann auf jeden Fall Selbstvertrauen tanken und gestärkt in die nächsten Rennen gehen. Dabei geht es einfach um eine Art Standortbestimmung. Bei den Herren hingegen dürfen die Erwartungen nicht zu hoch eingeschätzt werden. Dennoch hoffe ich auf gute Platzierungen unserer jungen Läufer auf den US Skiteam, die im Soge von Bode Miller sehr gute Trainingsleistungen geboten haben.

Ski2b: Herr Knauss, wir bedanken uns für das Interview und wünschen viel Erfolg in der kommenden Saison.
Bernhard Knuss: Ich danke auch.