Am Freitag, den 17. September 2004, gab der Zillertaler Abfahrtsspezialist Stephan Eberharter in Wien sein Karriereende bekannt. Für Einige mag das Ende seiner erfolgreichen Skilaufbahn überraschend gekommen sein, nicht aber für seine Sportkolleginnen, die 'Steff's' Entscheidung verstehen. Sie wünschen ihm nur das Beste und werden die Ski-Größe im Weltcup vermissen.

Rücktrittserklärung kam nicht überraschend
Deutschlands Vorzeige-Skifahrerin Martina Ertl, die Stephan recht gut kennt, hat Eberharter bereits beim Weltcupfinale im März in Sestriere erzählt, dass er seine Karriere beenden wird. "Er hat so viele Erfolge gefeiert, ich freue mich für ihn und denke, er wird die Zeit jetzt sicher genießen", meint Ertl dazu. Auch die mehrfache Junioren-Weltmeisterin Maria Riesch, die in der letzten Saison den dritten Platz im Weltcup-Gesamtklassement belegte, hat sich in Sestriere mit Eberharter unterhalten und war sich nach dem Gespräch fast sicher, dass er bald aufhören würde. Hilde Gerg, ebenfalls eine feste Größe in der Deutschen Nationalmannschaft, meinte: "Ich habe mit dem Rücktritt vom Steff gerechnet, deshalb war ich nicht überrascht über die 'Meldung', eher über den Zeitpunkt." Nach Ansicht der österreichischen Skiathletin Katharina Gutensohn, die ihre Karriere bereits vor sieben Jahren beendet hat, kündigte sich bereits in den letzen beiden Jahren an, dass sich Eberharter mit diesem Thema beschäftigt. "Die letzte Saison ist für ihn super gelaufen, obwohl der Gedanke aufzuhören schon da war. Er hat Gott sei Dank ein gutes Gespür für sein Inneres und deshalb erkannt, dass man mit diesem Gedanken nicht mehr ganz so leicht an die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit herankommt. Deshalb verstehe ich es nur allzu gut, dass er nun den Schritt des Rücktrittes vollzogen hat. Es war sicher richtig so."

Verständnis für die Entscheidung des Zillertalers
Die DSV B-Kader-Fahrerin Isabelle Huber kann Eberharters Rücktritt sehr wohl verstehen. "Was jetzt der ausschlaggebende Punkt war, dass er nicht mehr weiter machen will, weiß ich leider nicht. Ich finde es aber trotzdem schade, dass er nicht mehr im Herren Ski-Zirkus dabei ist." Auch Hilde Gerg zeigt Verständnis: "Nach einer langen und letztendlich auch sehr erfolgreichen Karriere ist für Steff nun der Zeitpunkt gekommen, 'Servus' zu sagen. Es ist ihm sicher nicht leicht gefallen, sonst hätte er ja gleich nach der Saison schon die Bretter ins Eck gestellt. Ich denke, dass er den richtigen Zeitpunkt gewählt hat und somit kann ich seinen Rücktritt voll verstehen." Für die deutsche Abfahrtsspezialistin Regina Häusl ist es ebenfalls nachvollziehbar, dass "nach so einer langen, nervenaufreibenden Karriere mit diesen ganzen 'Ups and Downs' und dem Druck, der auf ihm lastete, die nötige hundertprozentige Motivation nicht mehr ganz da ist. Wie es außerdem mit seiner Gesundheit und Fitness aussieht, kann er nur selbst beurteilen."

Gute Worte mit auf den neuen Weg geben
Die zweifache Mutter Katharina Gutensohn kann aus eigener Erfahrung berichten, dass es die extremen Hochs und auch Tiefs in dieser Art mit dem Ende der Skikarriere nicht mehr geben wird. "Jetzt sind nur noch Bereiche übrig, in denen andere auch viel wissen. Als Leistungssportler kann man sich sicher sein, sich selbst am besten zu kennen und niemand wird es anzweifeln. Im 'normalen' Leben ist die ureigene Person samt Geist, Körper und Seele eine ganz andere. Dies zu erkennen, ist am Anfang nicht so einfach. Es drückt sich meist mit dem schon bekannten 'schwarzen Loch' aus, das fast jeder Sportler durchlebt. Bestimmte Charaktereigenschaften, die im Sport unerlässlich sind, müssen nach dem Sport nicht unbedingt so beliebt sein, wie davor. Da fängt man schon mal an zu zweifeln, wer man jetzt eigentlich ist." Deshalb wünscht Martina Ertl "dem Stephan" passenderweise einfach nur, "dass er in seinem zukünftigem Leben glücklich und zufrieden sein wird." Isabelle Huber, die Eberharter nur von ein paar gemeinsamen Liftfahrten im Pitztal kennt, wünscht ihm "trotzdem alles Gute in seinem 'neuen' Leben." Maria Riesch hingegen würde sich sehr freuen, "wenn er sich mal wieder auf irgendeinem Rennen blicken lassen würde. Ich wünsche ihm auf jeden Fall für die Zukunft alles Gute und viel Spaß beim Golf spielen!" Salopp fasste Regina Häusl ihre wegbegleitenden Worte für den österreichischen Ski-Star zusammen: "Ich wünsch' ihm noch ein geiles, langes Leben und dass er es maximal lebt!"

Einer der ganz Großen im Weltcup
Was die Bedeutung betrifft, die Stephan Eberharter in den letzten Jahren für den Alpinen Skisport gehabt hat, sind sich die Ski-Athletinnen allesamt einig: 'Steff' war einer der ganz Großen im Ski-Weltcup!
"Stephan hat den Weltcup in den letzten Jahren mit seinen Leistungen unheimlich spannend und interessant gemacht", meint Isabelle Huber voller Überzeugung. Hilde Gerg ist der Meinung, dass er den Weltcup über die letzten Jahre mitgeprägt hat. "In seiner sehr erfolgreichen Zeit genauso, wie in den Jahren nach seinem WM-Erfolg in Saalbach, in denen es nicht so lief. Er hat allen gezeigt, dass man hart arbeiten und an sich glauben muss - dann gehts auch wieder." Auch die 19-jährige Maria Riesch kann sich der Aussage von Hilde Gerg nur anschließen: "Steff hat gezeigt, dass man sich mit genügend Kampfgeist und Durchhaltevermögen auch nach einer langen Durststrecke wieder zurück an die Weltspitze kämpfen kann. Außerdem ist er auch so ein ganz netter und sympathischer Kerl, der dem Skisport sicher fehlen wird!" Regina Häusl war immer froh, dass ein Typ wie Stephan im Weltcup dabei war: "Irgendwie undurchschaubar machte er mir wirklich den Eindruck, er würde nur für sich fahren. Für mich ein Beispielathlet in Hinblick auf die These: wenn einer mal ganz oben war, hat er das Potenzial, wieder ganz nach oben zu kommen. Immer in Erinnerung wird mir sein letzter Sieg auf der Streif bleiben, dabei hat er die Gesamtheit seiner Möglichkeiten ausgeschöpft!" Für Martina Ertl ist Stephan Eberharter ein ganz Großer des alpinen Skisports, "der in sehr jungen Jahren schon Weltmeister war und dann einige Zeit ein Tief hatte. Er allein hat es wieder geschafft ganz nach vorne zu kommen. Er kennt alles in dem Sport, seine
'Schulterklopfer' und 'Freunde' in erfolgreichen Zeiten und die wirklichen Freunde, die da waren, wenn es mal nicht so gelaufen ist." Katharina Gutensohn beschreibt Eberharter abschließend als einen "Ausnahmeskiläufer, undurchschaubar und introvertiert, gleichzeitig aber freundlich und sympathisch - das schafft sicher nicht jeder! Er hat Unmenschliches geleistet und blieb trotzdem sehr menschlich!"