Kristian Ghedina war über lange Zeit einer der Hauptkonkurrenten der österreichischen Abfahrerphalanx. Der am 20. November 1969 geborene Italiener feierte bereits 1989 im Weltcup seine ersten großen Erfolge.

Schon 1989 zwei Weltcup-Siege
Es zeichnete sich bereits früh in seiner Karriere ab, welche Stärken Ghedina auf den zwei Latten besitzt: Gleiten, heizen und springen. Doch seine Erfolge in vielen Kombinationswettbewerben zeigen, dass er auch bei technischen Disziplinen nicht völlig fehl am Platz war.
Ghedina fuhr schon 1989 in Val Gardena zum ersten Mal auf das Treppchen. Dort gelang ihm hinter den Schweizer Skilegenden Pirmin Zurbriggen und Franz Heinzer ein dritter Rang und der Aufstieg in die Abfahrer-Weltspitze. In der gleichen Saison schaffte der noch unbelastete 20-jährige Ghedina seine ersten beiden Weltcup-Siege in Cortina d'Ampezzo und Are. Doch der frühe Erfolg hielt in den nächsten Jahren, zumindest im Weltcup, zunächst nicht an.

Zweiter Platz in der Kombination bei der WM in Saalbach
Trotz der Tatsache, dass er in der Saison 1990/1991 den Sprung auf das Treppchen im Weltcup nicht schaffte, konnte Ghedina bei der WM in Saalbach in der Kombination die Silbermedaille gewinnen, hinter dem ebenfalls noch jungen Stephan Eberharter. Doch die Eindrücke aus dem Weltcup täuschten nicht, Ghedina musste mehrere Jahre eine Durststrecke hinnehmen und konnte erst 1994/1995 wieder an seine Top-Form anknüpfen. Zunächst fuhr er auf der Streif in Kitzbühel auf den dritten Rang, im Laufe der Saison schaffte er dann zwei Weltcup-Siege in Wengen und Whistler Mountain. Zudem wurde er zwei Mal Zweiter in Kvitfjell und platzierte sich somit zum Ende der Saison auf dem zweiten Rang des Abfahrtsweltcup, hauchdünn geschlagen von Luc Alphand (FRA).

Probleme bei WM und Olympia
Nach einer durchwachsenen Saison 1995/1996 mit drei vierten Plätzen im Weltcup als besten Ergebnissen konnte Ghedina bei der WM in Sierra Nevada seinen größten Erfolg bei einem Ski-Großereignis erreichen. Doch leider war dieses kein Sieg, sondern 'nur' ein zweiter Platz hinter Patrick Ortlieb. Nach zwei Minuten Abfahrtslauf musste sich Ghedina knapp geschlagen geben.
Diese Silbermedaille konnte er dennoch als Motivationsspritze für die nächste Saison nutzen, in noch vor der WM in Sestriere drei Weltcup-Siege feiern konnte (Chamonix, Wengen und Val Gardena). Als Top-Favorit auf die Goldmedaille angereist, mußte er sich in Frankreich dann aber mit der Bronzemedaille in der Abfahrt zufrieden geben und am Ende sogar um diese zittern. Denn Bruno Kernen und Lasse Kjus waren unschlagbar und Fritz Strobl konnte Ghedina um nur eine Hundertstel nicht vom dritten Platz verdrängen. Die Pleite der Österreicher, die in der 'Königsdisziplin' keine Medaille gewinnen konnten, war also perfekt. Ghedina jedoch war mit dem dritten Rang nicht besonders glücklich. Und auch zum Ende der Saison, als er den Abfahrtsweltcup wieder nur knapp verpasste, weil Luc Alphand enorm aufdrehte, stand er mit leeren Händen da.

Sieg auf der Streif
Einer der Höhepunkte von Ghedina´s Abfahrtskarriere war mit Sicherheit der Sieg auf der Streif in Kitzbühel 1998. Auf der Abfahrtstrecke überhaupt, gespickt mit Höchstschwierigkeiten, konnte er vor Cuche und Strobl gewinnen und trug sich somit in das Buch der legendären Streif-Gewinner ein. Davor hatte er schon in Beaver Creek gewonnen, doch wieder konnte er bei dem Großereignis der Saison, den Olympischen Spielen in Nagano, nicht überzeugen und verpasste ein Medaille deutlich.

Erfolge werden langsam weniger
Nachdem Ghedina über mehr als ein Jahrzehnt die Abfahrts-Szene im Weltcup mit dominiert hatte, wurden die Erfolge in den letzten Jahren seienr aktiven Karriere ein bisschen weniger. Doch vor allem das Rennen in Val Gardena, wo er noch drei weitere Male gewinnen konnte (1998, 1999, 2001), hätte man durchaus zum 'Kristina-Ghedina-Rennen' umbenennen können. Und auch in Kvitfjell war Ghedina immer zu beachten, nachdem er 2000 dort gewann und fast bei jedem Rennen auf das Treppchen fuhr.

Besuch vom Reh und Rekord für Ghedina
Die Saison 2004/2005 hatte einige Highlights für den Altstar parat. Zunächst begegnete ihm im Zielhang der Saslong-Abfahrt in Gröden ein Reh auf der Piste. Später stellte er den Rekord für die meisten bestrittenen Weltcup-Abfahrten auf. Aber auch aus sportlicher Sicht machte er erneut auf sich aufmerksam: ein zweiter Platz in Chamonix war ein deutliches Ausrufezeichen von Ghedina. Auch wenn der Italiener danach bei seiner Heim-WM eine Medaille verpasste, war die Saison durchaus zufriedenstellend und eine Durchgangs-Station zu seinem großen Ziel: Olympia 2006 in Turin!

Letzte Saison des Altmeisters
Als lebende Legende ging Ghedina in seine schließlich letzte Ski-Saison - doch konnte er noch einige Ausrufezeichen setzen und fuhr der Konkurrenz keineswegs hinterher. Dreimal fuhr der Routinier unter die besten Zehn und verpasste bei seinem Lieblingsrennen in Gröden als Vierter das Siegerpodest nur knapp. Bei seinem letzten Großereignis, den Olympischen Spielen in Turin, belegte er in der Abfahrt zwar nur Rang 23, war aber als Olympia-Botschafter und Fackelträger immer gegenwärtig. Nach Rang 13 im letzten Rennen beim Weltcup Finale in Are verabschiedete sich Ghedina vom Rennzirkus, am 26. April 2006 gab er seinen Rücktritt vom Skisport bekannt. In Zukunft wird sich der Speed-Fanatiker einem anderen Sport widmen: dem Motorsport.

Steckbrief:
Geboren: 20.11.1969
Nation: Italien
Heimatverein: Gr. Sciatori Fiamme Gialle
Größe: 177cm
Gewicht: 85kg
Sprachen: Italienisch, Englisch, Deutsch
Hobbies: Motorcross, Tennis, Fußball, Golf, Kochen
Web: www.ghedina.com

Erfolge:
Es folgt ein kurzer Blick in den Karrierespiegel des italienischen Top-Abfahrers. Die einzelnen Disziplinen sind wie folgt abgekürzt: DH=Abfahrt, SG=Super-G, GS=Riesenslalom, SL=Slalom, K=Kombination

Olympische Spiele:
2006 in Turin (ITA): DH (23)
2002 in Salt Lake City (USA): DH (35)
1998 in Nagano (JPN): SG (16), DH (6)
1994 in Lillehammer (NOR): DH (20)
1992 in Val d´Isere (FRA): DH (11), K (6)

Weltmeisterschaft:
2005 in Bormio (ITA): SG (46), DH (15)
2003 in St. Moritz (SUI): DH (11)
2001 in St. Anton (AUT): SG (23), DH (DNS)
1999 in Vail (USA): SG (10), DH (9), K (12)
1996 in Siera Nevada (SPA): SG (14), DH (2)
1993 in Morioka (JAP): DH (13)
1991 in Saalbach (AUT): SG (9), K (2)

Weltcup:
Weltcup-Gesamtwertungs-Vierter 1997 und 2000
Weltcup-Disziplinen-Zweiter in der Abfahrt 1995, 1997, 2000
13 Weltcup-Siege, insgesamt 33 Podestplatzierungen